BLOG

Ihr hasst Valentinstag? Wartet, bis ihr Kinder habt!

12/02/2016 10:29 CET | Aktualisiert 11/02/2017 11:12 CET
Brand New Images via Getty Images

Am 14. Februar ist Valentinstag. Die Huffington Post widmet sich eine Woche lang dem Thema „Modern Love".

Was bedeutet Liebe in einer vernetzten Welt: man ist nur so verliebt wie das Facebook-Profil es zeigt? Der nächste Partner ist nur einen Wisch weg? Wir daten über Kontinente hinweg?

Was bedeutet Liebe für euch? Sendet eure Texte an blog@huffingtonpost.de.

2016-02-08-1454921296-6924444-HUFFPOST.jpg

Gehörst du auch zu den Menschen, die dem künstlich aufgeblasenen Kommerz-Trubel rund um den Valentinstag nichts abgewinnen können? Bedeutet dir das jährliche Spektakel des Romantik-Kommerzes nichts?

Ein Tag, an dem sich alle Verliebten, Nicht-Verliebten, Heimlich-Verliebten und Ich-war-schon-mal-verliebt-Verliebten überteuerte Blümchen, Plüsch-Herzchen und Schokolade schenken, die einem als Hüftgold noch länger Freude bereitet.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Bist zu vom vermeintlichen „Tag der Verliebten" einfach nur noch genervt und würdest du den Teelichter-Kerzen-Plüsch-Kram am liebsten aus dem Fenster schmeißen?

Valentinstag ist nichts für mich. Mein früheres Nicht-Mutter-Ich hätte nun applaudiert und gesagt: Bravo, so ist es.

2016-02-12-1455262852-5120190-valentinstag3500x334.jpg

Und dann bekamen wir Kinder

Seitdem haben wir uns den Valentinstag mit einem dicken roten Stift im Kalender angestrichen, denn er erinnert uns daran, dass wir VOR den Kindern auch ein Paar waren. Ein Paar, das gemeinsam fortgegangen ist, das Hobbys, kinderlose Freunde und viele andere Gesprächsthemen als die Kinder hatte.

2016-02-12-1455262670-137981-valentinstag4300x225.jpg

Valentinstag erinnert uns an ein Leben vor Windeln wechseln, Krokodilstränen trösten, in den Schlaf begleiten und Kotze wegwischen. Es erinnert uns an ein Paar, das Sex hatte, wann es wollte und nicht, wann die Kinder mal für drei Minuten in ein Spiel vertieft waren oder schliefen.

Oder wir einfach zu müde waren. Oder wir nach Milchresten an Kleidungsstücken und Haaren schon drei Meter gegen den Wind rochen. Oder als tiefe Augenringe alias verkehrte „smokey eyes" der neue Trend hätten werden können. Hat sich nur nicht durchgesetzt. Es gab eine Zeit vor den Kindern und manchmal fühlt sie sich weit entfernt an.

2016-02-12-1455262739-6948232-valentinstag1300x200.jpg

Eltern werden und Paar bleiben ist ein Spagat, der immer steigender Kinderanzahl immer schwerer wird. Es gibt nur mehr wenige Momente, in denen wir ohne Kinder sind und dann auch noch Interesse daran haben, uns dem anderen mit vollster Aufmerksamkeit zu widmen.

Ich möchte es gerne und ich meine es auch nicht böse, wenn ich auf Erzählungen mit einem stoischen und geistesabwesendem Nicken reagiere und mir insgeheim wünsche: Halt doch einfach die Klappe!

Ich habe den ganzen Tag über schon gefühlte 3 Millionen von Warum-Kinderfragen beantwortet, ich habe Streit geschlichtet, ich wurde zwangsbekuschelt, ich habe in den Schlaf getragen, ich habe im 2-Stunden-Abstand gestillt, ich habe geschimpft, ich bin ausgeflippt und habe mich anschließend wieder entschuldigt.

Ich habe sieben Mal Windeln gewechselt und das Bett überzogen, weil eine Windel nicht ihr Versprechen gehalten hat, dicht zu bleiben. Ich habe 2 Mal eine Obstjause vorbereitet, ein Frühstück und ein Mittagessen gekocht und abends noch ein gefühltes 4-Gänge-Menü gezaubert, weil sich die Kinder nicht einig waren, was sie essen wollten.

Verdammt den Valentinstag nicht, sondern seht ihn als Tag, den ihr für euch als Paar fix im Jahr nutzen könnt und sollt.

Ich habe bei den Hausaufgaben geholfen und gleichzeitig das Fingermalfarben-Experiment im Wohnzimmer überwacht, während das andere Kind lautstark Kinderlieder trällerte. Ich habe Rotz und Tränen weggewischt, Kekskrümel aufgesaugt und den verschütteten Joghurt vom Boden weggeputzt.

Ich musste mich zwei Mal umziehen, weil mir das Speihkind ein überraschendes Milchbad bescherte. Drei Mal habe ich das Wohnzimmer aufgeräumt, um nicht über die Murmeln der Kugelbahn zu stolpern oder die Kinder rutschen aus.

Ich bin müde, ich habe einen Nähe-und-Kuschel-Overkill und einfach nur das Bedürfnis nach - Stille. Keine Worte. Stille. Ruhe. Tief durchatmen. Oooooohmmmmmm.

Ihr lieben Mütter unter euch: Ihr liebt eure Kinder. Abgöttisch. Das ist klar. Und das kann ich auch nachvollziehen. Das tue ich auch. Aber verdammt den Valentinstag nicht, sondern seht ihn als Tag, den ihr für euch als Paar fix im Jahr nutzen könnt und sollt.

Sicher ist, dass der so heiß geliebte und perfekt gelungene Genpool (Kind) derart viel Platz einnimmt, dass Mama (früher: Frau) den Papa (früher: Mann) manchmal ein bisschen vernachlässigt.

Daher: Organisiere rechtzeitig einen Babysitter, reserviere einen Tisch in einem netten Lokal und verbringt einen Abend zu zweit und seid das, was ihr früher einmal ward: Ein Paar.

Auch auf HuffPost:

Video:Bewegend: Was passiert, wenn wir unseren Müttern sagen, dass wir sie lieben

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft