Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sylvia Sima Headshot

Vom Mythos, dass Holzspielzeug immer besser ist als Plastikspielzeug

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KINDERSPIELZEUG
GettyImages
Drucken

Kinder lieben das bunte, schöne Plastikspielzeug. Negative Meldungen durch Testergebnisse lassen viele Eltern davor zurückschrecken, Spielzeug aus Plastik zu kaufen. Die Nachfrage an fairem und nachhaltigen Holzspielzeug ist so hoch wie nie zuvor. Doch ist die Sorge wirklich begründet?

Das Umwelt - und Gesundheitsbewusstsein von Eltern nimmt zunehmend zu: Nicht nur für sich, sondern sie schauen auch genauer darauf, was sie ihrem Kind kaufen. Diese Entwicklung ist gut, denn unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut und wichtig, wenn es um den Wunsch nach einem glücklichen und langen Leben geht.

Dennoch ist es kein Grund, Spielsachen aus Plastik strikt aus dem Kinderzimmer zu verbannen. Eltern möchte heute genau erfahren, woher die Bausteine oder das Kuscheltier kommen, aus welchen Materialien sie bestehen und wie sie angefertigt werden.

Schnell schon merken sie, dass sie in dem Dickicht von Siegeln, Kennzeichnungen und Abkürzungen nicht mehr durchblicken. Worauf müssen Eltern beim Spielzeugkauf also achten und welche Kennzeichnungen sind vertrauenswürdige Quellen?

Ist Holzspielzeug wirklich besser?

Ein Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 hat gezeigt, dass das Material alleine kein Garant für hochwertiges Spielzeug ist. Weder ist Holz automatisch gut, noch Plastik automatisch schlecht.

Der Test von über 30 Holzspielsachen hat ergeben, dass in mehr als der Hälfte gefährliche Substanzen wie Lack, Schnüre, Sperrholz und sogar leicht lösbare Kleinteile enthalten waren. Nicht einmal jedes zweite Produkt aus Holz erreichte in diesem Test ein "gut" oder ein "befriedigend". Getestet wurde durch die Bank: Greiflinge, Kinderwagenketten, Puzzles, Nachzieh- und Schiebetiere und Bausteine für die Altersgruppe 1-3.

Egal ob Holzspielzeug oder Plastikspielzeug gilt eines: Es kommt auf den Hersteller und die Verarbeitungsweise an, wie gut oder schlecht ein Spielzeug ist. Weder Preis, noch Material alleine sind ausschlaggebend für die Qualität.

Gefahrenstoffe in Plastikspielzeug

Plastikspielzeuge haben deswegen einen schlechten Ruf, weil sie Gefahrenstoffe enthalten können, die dem Kind langfristig schaden. Vor allem geht es dabei um Phthalate (Weichmacher), Bisphenol A (hormonwirksam) und zinnorganischen Verbindungen. Phthalate, die krebserregend und fortpflanzungsgefährdend sind, sind seit 1999 in Europa in Babyspielzeug verboten, doch längst nicht alle Hersteller halten sich an die gesetzlichen Grenzwerte.

Kinder sind beim Kontakt mit dem Plastikspielzeug besonders gefährdet, weil sie ein erhöhtes Atemvolumen haben, mehr Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht und eine höhere Stoffwechselrate als Erwachsene. Kinder entdecken ihre Spielsachen mit dem Mund und so gelangen potentiell gesundheitsgefährdende Stoffe über Nase, Mund und Haut schneller in den Organismus.

Woran du schlechtes Spielzeug erkennst

Plastik ist nicht gleich Plastik. Spielzeug aus Plastik hat dennoch seine Berechtigung, weil es leicht zu reinigen ist und auch unkompliziert in der Waschmaschine gewaschen werden kann (sofern es sich um keine technischen Geräte handelt, die Musik, Licht oder andere Geräusche machen). In manchen Situationen ist Plastikspielzeug auch ein „Muss", etwa wenn es um Sandspielzeug geht.

So erkennst du schlechtes Spielzeug:

• Am Geruch: Schlechtes Plastik riecht nach Lösungs- und Reinigungsmitteln. Chemische Gerüche bedeuten nichts Gutes.
•Hochwertiges Plastikspielzeug ist auch kindersicher verarbeitet und hat keine scharfen Kanten, Ecken oder erkennbare Schweißstellen.
• Spielsachen mit fehlendem Gütesiegel sollten nicht gekauft werden, da sie auf eine billige Verarbeitung hindeuten.
• Spielsachen ohne vollständige Angaben des Herstellers oder Importeurs sollten mit Vorsicht behandelt werden.

Doch auf welche Gütesiegel ist Verlass?

• Das CE-Kennzeichen auf den Spielzeugen, die in Europa verkauft werden heißt nicht mehr, als dass das Produkt die grundlegenden Richtlinien erfüllt. Es hat keine große Aussagekraft und wird auf Eigenverantwortung vom Hersteller oder Importeur angebracht.
• Das GS-Kennzeichen für geprüfte Sicherheit, das von unabhängigen Stellen vergeben wird, ist als Orientierungspunkt hilfreicher.
• Auch das TÜV-proof-Siegel und das Zeichen „spiel gut" lassen auf eine gute Qualität schließen. Beim TÜV-proof-Siegel müssen höhere Standards als beim GS-Kennzeichen eingehalten werden. Das spiel-gut-Kennzeichen sagt aus, dass das Produkt pädagogisch wertvoll, sicher und umweltfreundlich ist.
• Produkte, die keine Angaben zum PVC-Gehalt auf den Verpackungen stehen haben, sind mit Vorsicht zu genießen und besser zu meiden, weil sie meist PVC enthalten. Spielwaren mit Kunststoffen wie Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) oder Acetyl-Butyl-Styrol (ABS) werden als ungefährlich eingestuft.

Achtung vor Fälschungen! Gerne werden die Kennzeichnungen auch gefälscht: So können die Schummel-Siegel Rechtschreibfehler enthalten oder die Prüfstelle nicht angegeben ist

Egal ob Holz- oder Plastikspielzeug: Eine genaue Auswahl ist immer wichtig, damit Unfälle oder Krankheiten vermieden werden.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf welovefamily.at.

2016-07-04-1467625862-3737507-HUFFPOST1.png

Die Spielzeugindustrie boomt. Ob Elsa-Puppe, Spiderman-Kostüm oder die neueste Spielkonsole: Viele Kinderzimmer quellen über mit Spielsachen. Und die Kinder wollen immer mehr, denn nach kurzer Zeit ist das Spielzeug bereits langweilig und etwas Neues muss her.

Doch wie viel Spielzeug braucht ein Kind eigentlich? Bedeuten zu viele Spielsachen eine ständige Überforderung oder benötigen Kinder tatsächlich viele unterschiedliche Spielsachen für ihre Entwicklung?

Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de

Mehr zum Thema Spielzeugahn findet ihr hier.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Familie: Ein Paar adotpiert 3 Kinder. Als die Nachbarin das sieht, ruft sie das Jugendamt

Lesenswert:


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.