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Warum Spielzeug nicht nach Geschlecht getrennt sein sollte

05/07/2016 12:32 CEST | Aktualisiert 06/07/2017 11:12 CEST
Frank P. Wartenberg via Getty Images

„Baumhausbücher, Die drei ???, eine Hör-CD, was zum Basteln und Bausteine. Aber nichts rosanes." Und das ist gar nicht so einfach.

Das ist ein Auszug aus der Geburtstagswunschliste meiner Tochter. Sie fährt gerne Inlineskater, spielt Fußball, mag Pizza, spielt am liebsten mit Herrn Barts Autorennbahn, liebt Gitarre, schaut sich gerne Musicals mit mir an, liest meterweise „Das magische Baumhaus", alte Comics oder „Die drei ???".

Ich begebe mich also auf die Suche nach Geschenken für Frau L. und wurde schnell daran erinnert, warum ich Spielzeugläden nicht mag. So oft ich kann, mache ich einen großen Bogen um die Spielzeugabteilung - nicht etwa, weil meine Kinder dann zu Quengelmonstern mutieren, die ständig etwas haben wollen, sondern weil ich in einer angeblich „gegenderten WeltIn" mit der Stereotypisierung der Kinderwelt nicht zurechtkomme.

Plüschpferde, Puppensachen, Ponylandschaften, Plüschtiere als Haustierersatz und Stylingcenter - natürlich alles in glitzer-rosa-lila- treffen auf Actionhelden, Autorennbahnen und Eisenbahn. Wusch.

Die Auswahl erscheint riesig, aber sie ist enttäuschend

Kämpfen, Schießen und Abenteuer sind den Buben vorbehalten, sich hübsch machen und um andere kümmern gehört zu den Rollenspielaufgaben der Mädchen. Wo ist da die Gleichberechtigung, von der im Alltag wenn von Frauenquote und gleiche Bezahlung die Rede ist? Warum drängt die Spielzeugindustrie die Kinder in Rollen, die in der Gesellschaft als überholt angesehen werden?

Nicht, dass es hier nichts mehr zu tun gäbe hinsichtlich Gleichberechtigung, aber in einer Welt, in der der moderne Vater nicht nur der Ernährer ist, sondern sich auch in die Erziehung und das Familienleben aktiv einbringt, in Karenz geht und auch noch kochen kann und die Frau ihre Karriere trotz Kindern weiterverfolgt, sollte schon in der Kindheit dieser Gedanke bei den Spielsachen vermittelt werden. Oder?

Was ist daran verwerflich, wenn auch der Sohn mit Puppen spielt oder in der Küche mit kocht, und Mädchen sich für Autos interessieren? Es ist mittlerweile nicht mehr unbekannt, dass sich das Spielverhalten und womit Kinder spielen, auf ihr späteres Leben auswirkt. Soll schön machen und andere umsorgen zu den künftigen Tätigkeiten meines Kindes zählen? Bitte nicht. Sie darf auch andere Fähigkeiten entwickeln.

Mädchen haben es heute nicht leicht

Von klein auf werden Mädchen gestylt: Haarbänder, Glitzer-Nagellack (nicht nur im Fasching),, Kinderschminke, schicke Frisuren, schwarze Miniröcke in Lederoptik, Stöckelschuhe. Dazu noch Filme und Puppen mit einer Wespentaille, die nicht mehr gesund und natürlich ist. Den Puppen Minikleider und High Heels anzuziehen ist ganz normal. Von Anfang an wird ihnen ein ungesundes Frauenbild vorgelebt.

Eine Freundin von Frau L. war letztens zum Abendessen bei uns, 8 Jahre. Sie wollte die Nudeln nicht essen, weil sie von diesen dick werden würde. Dabei gleicht dieses Mädchen einem Streichholz. Ich war schockiert. Auch Frau L. dachte darüber nach, ob sie nicht zu dick sei. Meine 8-jährige, völlig normalgewichtige Tochter begann, sich über ihre Figur Gedanken zu machen. Die Nudeln hat sie dennoch verputzt. 🙂

Ich stand also im Spielzeuggeschäft, vor mir erstreckten sich meterlange Regale, voll mit rosa Spielsachen, speziell für Mädchen. Ob Puppensachen, Bausteine, oder Bücher: Die Mädchenwelt ist rosa. Lieblich, süß, aber ja nicht wild oder ungezogen. Nein, das passt nicht zu Mädchen. Gender sells.

Schließlich bedient sich die Industrie einer Masche: Kinder erkennen früh den Unterschied zwischen Buben und Mädchen - so gibt es nun Spielsachen für Mädchen und welche für Buben. Und die, die noch neutral sind, werden auch so aufgearbeitet, dass sie geschlechtergetrennt einsetzbar sind.

Bis ins Alter von acht Jahren sind Kinder damit beschäftigt, ihre Identität zu erschließen und sich abzugrenzen - die Spielwarenindustrie spielt damit, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Denn die meisten Kinder fahren auf die Angebote ab. Es wird beinahe jedes Produkt gegendert, ob es sinnvoll ist oder nicht. Denn es wird gekauft.

Unisex ist out

Mädchen spielen lieber mit rosa Bausteinen, als mit unibunten. Auch die Figuren müssen dem Mädchendenken angepasst werden - zwecks Identifikation. Das einzige was wirklich im Hirn bleibt ist die Tatsache, dass es zwischen den Geschlechtern Unterschiede gibt. Von klein auf vermitteln wir unseren Kindern dieses Denken.

Was zu tun bleibt: Kinder dafür sensibilisieren und darüber sprechen. Ich habe übrigens dort nichts gekauft. Ich habe nichts gefunden. Stattdessen bekam sie unbehandelte Holzbausteine als Erweiterung für ihre Sammlung, zwei Bücher und einen Gitarrenständer aus Holz.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf welovefamily.at.

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