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Als die Betreuerin das sagte, ergriff ich Partei für mein Kind

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHULE
dpa
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Es gibt doch nichts schöneres, als im Mitteilungsheft des Großkindes eine Vorladung zum Gespräch zu finden, denn die Freizeitbetreuerin hätte etwas nach eigenen Angaben "besorgniserregendes" bei meinem Kind beobachtet. Das Kind möge bei dem Gespräch bitte anwesend sein.

Wenn man so einen Eintrag vorfindet und es bis zum Gespräch noch ein paar Tage sind, dann kommen selbst der selbstbewusstesten Mutter immer mehr Zweifel, was denn passiert sein könnte. Frau L. meinte nur, sie wüsste nicht genau was, könne es sich aber vorstellen. Sie hat ein anderes Kind geschubst.

Der Tag des Gesprächs war endlich da, mit beinahe zittrigen Knien und verschwitzten Händen, die dank der Abkühlung einmal nichts mit dem Wetter zu tun hatten, betrat ich mit meiner sehr unsicher wirkenden Frau L. das Schulgebäude. Die Betreuerin erwartete uns schon, empfing uns aber noch freundlich mit einem Lächeln. Die Ruhe vor dem Sturm?

Dann ging es los: Sie hatte beobachtet, wie Frau L. ein anderes Kind geschubst hat. Als sie meine Tochter darauf ansprach, erklärte sie, dass ich gesagt hätte, sie darf sich wehren. Und niemand darf ihr wehtun. War das der besorgniserregende Zustand?

Darauf bat ich Frau L., mir auch ihre Seite zu erzählen (was die Betreuerin sichtlich verunsicherte) und Frau L. berichtete, dass das andere Kind sie ständig geärgert hätte und immer wieder an der Kappe gezogen. Das störte sie und nach mehrmaligen Versuchen mit "Hör auf und ich will das nicht" hat sie dann einfach die Hand mit Stop ausgestreckt und ein wenig geschubst. Sie war so verärgert.

Jeder Mensch hat das Recht, sich zu wehren

So saß ich da und fand immer noch keinen Fehler bei Frau L., aber dann bei der Betreuerin, die meinte: "Aber Mädchen tun so etwas nicht. Mädchen schubsen und hauen nicht." An dieser Stelle unseres Gesprächs war ich dann entsetzt und ergriff Partei für mein Kind.

Ja, ich bin auch gegen Schubsen, Stoßen, Hauen - das gibt es bei uns nicht. Und schon gar nicht als Erziehungsmethode. Aber: mein Kind darf, soll und muss sich wehren, wenn ihm wehgetan wird. Es muss wissen, dass niemand das Recht hat, ihr weh zu tun. Und das nicht nur mit Worten, wenn es die Situation erfordert.

Mehr zum Thema: Warum ich meiner Tochter beibringe, zurückzuschlagen

Wir haben immer vereinbart, dass sie zuerst redet und Stopp sagt, laut und deutlich, dann auch um Hilfe bittet, wenn jemand zugegen ist. Aber wenn es sein muss, dann darf und soll sie sich sogar wehren. Da ist für mich ein großer Unterschied und schließlich endeten wir in einer Grundsatzdiskussion darüber, dass es bei Buben ja ganz normal sei, aber bei Mädchen nicht.

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Ich konnte das nicht glauben. Über das Verhalten des anderen Kindes wurde nicht mehr gesprochen, denn die Grenze eines anderen zu überschreiten, ist auch nicht in Ordnung. Aber das bringt die Sozialisation eben mit sich: Es ist ein Lernprozess.

Jeder Mensch hat das Recht, sich zu wehren, wenn ihm wehgetan wird. Wenn mein Kind einmal älter ist und es zu (sexuellen) Übergriffen kommt (Bitte nicht!), dann soll sie den Mut haben und sich wehren, soll Nein sagen und für sich selbst einstehen. Sie soll wissen, dass ihre Grenzen von ihren Mitmenschen geachtet werden und auch sie dazu aufgefordert ist, die Grenzen der anderen zu achten.

Eine Einigung kam es bei dem Gespräch übrigens nicht, sondern nur den Verbleib, die Situation weiter zu beobachten. Für mich aber war meine geknickte Tochter am schlimmsten, die das Gefühl bekam, es sei falsch für seine Grenzen einzustehen.

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Der Beitrag erschien ursprünglich auf welovefamily.at.

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