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16 Gründe, warum deinem Kind weniger Spielzeug guttut

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KINDER SPIELEN
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Spielsachen sind nicht nur Dinge im Leben unserer Kinder. Es geht bei der Auswahl der Spielsachen nicht nur darum, was sich ein Kind wünscht. Es geht auch um die Werte und Haltungen, die Spielsachen vermitteln: Spielzeuge sind Träger von Botschaften, von Werten, von Einstellungen.

Das, was unser Kind umgibt, prägt seinen Geschmack. Die Musik, die Farben, die Materialien, die Möbel, die Spielsachen leisten dazu ihren Beitrag. Bei der Auswahl von Spielsachen entscheiden wir also nicht nur, womit das Kind spielt, sondern auch über seine Wahrnehmung und sein Spiel.

Wie Spielsachen dein Kind beeinflussen

Spielen ist Lernen. Es ist die Hauptquelle des Lernens für Kinder. Im Spiel üben sie Fähigkeiten und Fertigkeiten - wie sehr sie dieses Repertoire aber ausbauen können, hängt von der Auswahl des Spielzeugs ab. Wir sind uns dieser Tatsache gar nicht so bewusst, doch Spielsachen beeinflussen unsere Kinder.

Sie haben Einfluss auf das Spiel und die Fantasie: Schränken sie das Spiel ein, weil bestimmte Handlungsmuster vorgegeben sind oder erlauben sie einen kreativen Umgang? Welche Beschaffenheit haben sie? Passen sie zu den Werten, die wir in unserer Familie vermitteln möchten? Und auch Geschlechterklischees werden bei der Auswahl des Spielzeugs deutlich:

Während die rosa-Glitzer-Prinzessin-Puppenmama-Welt den Mädchen vorbehalten ist, erleben die Buben Abenteuer und sind das starke Geschlecht, indem sie gegen Ritter und Monster kämpfen. Dieses geschlechtsspezifische Spielen hat auf unsere Kinder jedoch deutliche Auswirkungen:

Spielzeugangebot nach Stereotypen

Im Spiel mit Puppen üben Mädchen ihre verbalen Fähigkeiten, das Mütterliche und erfahren, wie sie sich in anderen hineinversetzen können. Aus dem Spiel mit der Barbie nehmen sie mit, dass Mädchen immer schön angezogen sein muss. Buben hingegen üben das räumliche Denken, Wettbewerbsorientierung und Durchsetzungsvermögen.

Ist das Spielangebot jedoch nur auf diese Stereotype beschränkt, dann werden andere Fähigkeiten nicht gelernt. Daher sollte Kindern ein möglichst breites Angebot an Spielsachen zur Verfügung gestellt werden. Buben dürfen genauso mit Puppen spielen - sie sind schließlich die künftigen Väter und da wünschen wir doch liebevolle Familienväter, die sich um ihre Kinder kümmern.

"Simplicity, clarity, singleness: these are the attributes that give our lives power and vividness and joy." - Richard Halloway

Während die meisten Kinderzimmer mit Spielzeug überfüllt sind, entscheiden sich immer mehr Familien dafür, die Spielsachen der Kinder zu reduzieren. Seinem Kind weniger anzubieten und ins Detail zu gehen, kann Kindern neue Spielmöglichkeiten eröffnen.

Wir sind nicht Gegen-Spielsachen. Wir sind Fürs-Kind. Wir sind nicht dafür, dass du die Spielsachen komplett aus dem Leben deines Kindes verbannst, sondern es geht uns darum, sie dem Alter und der Entwicklung anzupassen. Also tu deinem Kind einen Gefallen und reduziere sein Spielzeug.

16 Gründe, warum weniger Spielsachen deinem Kind gut tun

1. Weniger Spielzeug hilft Kindern Ordnung zu halten: Wenn du dich darüber ärgerst, dass dein Kind unordentlich ist, dann schau einmal, wieviel Spielsachen und Zeug dein Kind hat. Vielleicht ist es mit der Menge einfach überfordert.

2. Weniger Spielzeug lässt Kindern physisch, mental und emotional Raum: Kinder brauchen diesen Raum, um sich gut zu entwickeln und ihre Fähigkeiten üben zu können.

3. Weniger Spielzeug fördert die Fantasie: Die einfachsten Materialien können sich in andere Gegenstände verwandeln. So können Kastanien im Kaufmannsladen verwendet werden, Tücher zum Verkleiden oder Stöcke als Schwerter.

4. Weniger Spielzeug bietet Kindern Struktur und Übersichtlichkeit: Kinder brauchen klare Strukturen - das geht einfacher mit weniger Spielsachen.

5. Weniger Spielzeug vermittelt Werte, die Kinder nicht erfahren würden, wenn sie mit Spielsachen überschüttet werden

Weniger Spielzeug fördert die Konzentration

6. Weniger Spielzeug hilft Kindern beim Lernen: Weniger Spielsachen ermöglichen Kindern, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren, sie bis ins Detail zu erforschen und zu experimentieren, was alles möglich ist.

7. Weniger Spielzeug unterstützt Kinder dabei, warten zu lernen: Wer nicht ständig mit Spielsachen überhäuft wird, lernt auch auf ein Geschenk zu warten und es dann auch mehr wertzuschätzen.

8. Weniger Spielzeug fördert, dass Kinder respektvoll mit ihren Sachen umgehen: Wer weniger Spielsachen hat, lernt sie auch zu schätzen. Hat ein Kind jedoch zu viele Spielsachen, dann fällt es gar nicht auf, ob eines kaputt ist oder nicht.

9. Weniger Spielzeug fördert die Konzentration: Kinder kommen richtig in den flow, wenn sie sich ganz auf eine Sache konzentrieren. Dann ist es fast so, als würden sie die Welt um sich herum vergessen und ganz in ihrem Spiel versinken. Kinder mit vielen Spielsachen hingegen spielen oft (nicht immwe!) unruhig und verlieren schnell die Lust an einer Beschäftigung.

Die Liebe zum Lesen entdecken

10. Weniger Spielzeug fördert die Liebe zum Lesen, Schreiben und Malen: Weniger Spielsachen erlauben es Kindern, sich mit anderen Beschäftigungen auseinanderzusetzen: Lesen, schreiben, malen, musizieren.

11. Weniger Spielzeug unterstützt die Ausdauer: Wenn Kinder zu viele Spielsachen haben, dann neigen sie dazu, schnell von einem zum anderen zu springen. Sie vertiefen sich so in kein Spiel, kommen nicht in den flow und versinken nicht. Sie sind unruhig und gehen schnell von einem zu anderen.

12. Weniger Spielzeug eröffnet neue Spielräume in der Natur: Kinder brauchen die Natur. Sie brauchen das freie Spiel und die Kreativität. In der Natur finden Kinder alles, was sie brauchen.

Kinder lernen begeistert zu sein

13. Weniger Spielzeug lehrt Kinder, Begeisterung auch außerhalb von Spielzeuggeschäften zu finden: Immer wieder fallen mir Kinder auf, die sich ohne Spielsachen nichts anzufangen wissen. Denen am Strand, am Spielplatz oder im Wald langweilig ist.

14. Weniger Spielzeug ist ein Statement gegen die Spielzeugindustrie, die eine Markenbindung erreichen möchte und Kinder nur als kleine Konsumenten sieht

15. Weniger Spielzeug ermöglicht einem, in nachhaltiges und teureres Spielzeug zu investieren

16. Weniger Spielzeug führt dazu, dass du in einem aufgeräumteren Zuhause lebst: Und damit musst du dich weniger darüber ärgern, dass es unordentlich ist oder das Spielzeug in der ganzen Wohnung verteilt ist. Stattdessen kannst du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen, die sich nicht ums Aufräumen dreht.

Aber ich will auch ehrlich sein: Weniger Spielzeug bedeutet nicht, dass es immer aufgeräumt ist im Kinderzimmer. Dann müssten die Kinder schon raus.

Weniger Spielzeug öffnet einem die Augen für all die schönen Dinge, die uns umgeben und zeigt ganz neue Möglichkeiten, wie mit wenigen Materialien umgegangen werden kann.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf welovefamily.at.

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Die Spielzeugindustrie boomt. Ob Elsa-Puppe, Spiderman-Kostüm oder die neueste Spielkonsole: Viele Kinderzimmer quellen über mit Spielsachen. Und die Kinder wollen immer mehr, denn nach kurzer Zeit ist das Spielzeug bereits langweilig und etwas Neues muss her.

Doch wie viel Spielzeug braucht ein Kind eigentlich? Bedeuten zu viele Spielsachen eine ständige Überforderung oder benötigen Kinder tatsächlich viele unterschiedliche Spielsachen für ihre Entwicklung?

Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de

Mehr zum Thema Spielzeugahn findet ihr hier.


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