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Digitale Eltern - mein Leben zwischen Erholung und iParenting

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MUM TELEPHONE DAUGHTER
Guido Mieth via Getty Images
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Das letzte Wochenende verbrachte ich in einer Therme. Alleine. Nur unter Erwachsenen. Ich wollte mir eine Auszeit vom Mama-Sein nehmen - ein Wochenende nur für mich, ausschlafen, Sauna, Yoga, bekocht werden, keine Verpflichtungen, Termine und Kinder.

Nach 8 Jahren bindungsorientierter Elternschaft war es einfach mal an der Zeit, die eigenen Energiereserven wieder aufzuladen. Lange habe ich meine Bedürfnisse reduziert, habe mein Leben fremdbestimmen lassen und mich ganz der Aufgabe hingegeben, die Signale meiner Kinder zu verstehen. Kurze Auszeiten waren immer wieder möglich und das ist auch wichtig, aber meine Sehnsucht nach einem Wochenende alleine nahm zu.

Mama-Sein ist anstrengend, herausfordernd, aber ich würde es gegen keine andere Tätigkeit eintauschen wollen. Wer sich nun fragt warum ich damit so lange gewartet habe, dem sei gesagt: Ein hochsensibles Kind lässt "man" nicht so gerne zurück.

Ich wartete also Jahr für Jahr darauf, dass das besagte Kind "bereit" für ein Wochenende ohne mich ist. Eben so, dass sie sich gut fühlt damit und es nicht nur über sich ergehen lässt und hinnimmt. Ich wollte, dass auch sie sich bei der Entscheidung gut fühlt.

Das Mama-Heimweh

Was sich in meiner Vorstellung so toll anhörte, entpuppte sich als Heimweh-Wochenende. Nicht nur ich hatte Heimweh, auch die Kinder hatten Mama-Heimweh. Vor allem unser hochsensibles Kind.

Ich erwachte also in einem Hotelzimmer - viel zu früh. So viel zum Thema ausschlafen: Die ungewohnte Situation ließ mich nicht zur Ruhe kommen und mir fehlte meine Familie. Kein Kinderlachen. Ich blickte auf mein Smartphone in der Hoffnung, schon eine Nachricht von zu Hause zu haben. Aber nichts. Ein gutes Zeichen, dachte ich und machte mich auf in den Spa-Bereich.

Zuvor hatte ich mit Herrn Bart vereinbart, mir auch eine digitale Auszeit zu gönnen und mein Handy auf dem Zimmer zu lassen. Auch das tat mir gut: Nicht ständig erreichbar sein.

Als ich das nächste Mal auf mein Handy blickte schrieb mir Frau L., dass sie abends noch einen Film schauen dürfen. Mit Popcorn. Und dass Herr Bart ihnen erlaubt hätte, sich zu verkleiden - mit meiner Kleidung. Ein paar Beweisfotos folgten und ich musste lachen.

Ach meine Lieben! Ich konnte die Zeit so richtig genießen mit dem Gefühl, zu Hause ist alles gut. Herr Bart schafft das und fängt auch Midi emotional auf, wenn sie es braucht. Ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann. Ich ließ mich fallen, konnte abschalten, entspannen. Es tat so gut.

Schnell verflüchtigte sich meine positive Stimmung jedoch, denn innerhalb von 3 Stunden kamen 24 Nachrichten. Mit jeder Nachricht wurde es emotionaler und für mich schwerer auszuhalten. Midi hatte Mama-Heimweh. Ganz schlimm. In jeder Nachricht betonte sie, wie sehr sie mich „färmisst", wie sehr ihr mein Lachen fehlt und dass wir kuscheln. Auch das verschwitzte Mama-Ersatz-T-Shirt nutzte nicht viel und in Papas Armen ist es anders.

Am liebsten hätte ich mich in den nächsten Zug gesetzt und wäre zu ihr gefahren - stattdessen liegt noch eine Nacht der Trennung zwischen uns. "Nein, ich muss loslassen und vertrauen - umgekehrt war es auch schon so, als Herr Bart nicht da war.

Ich weiß, sie ist gut aufgehoben und ich weiß, dass dieses Wochenende wichtig für mich und meine Akkus ist" sprach ich mir selbst Mut zu. Ich verdrückte ein paar Tränen und antwortete ihr mit Sprachnachrichten. Das mag sie besonders gern. Und ich war dankbar über die modernen Medien.

Unsere Kinder sind "Digital Natives"

Unsere Kinder kennen eine Zeitrechnung ohne Internet, Smartphone und Co. gar nicht mehr. Sie sind "Digital Natives" und Medien sind eine Art zweite Heimat für sie. Als Teil der Medienkompetenz ist es für Kinder wichtig zu erfahren, wie sie Medien einsetzen können und wie sie den Alltag auch bereichern:

Sie können sich die Wetterprognosen anschauen, wenn sie mich etwas fragen und meine Antworten nicht genügen oder ich es nicht weiß können wir prompt nachschauen, sie können Spiele spielen, Bücher lesen, Fotos machen und bearbeiten und auch ein Video davon drehen, wenn sie ihr Lieblingsmärchen nachspielen.

Ja, Medien machen Spaß! Und wenn wir wollen, dass unsere Kinder mit 14 nicht den ganzen Tag mit dem gesenktem Kopf mit dem Smartphone herumlaufen, dann müssen wir ihnen nicht nur vorleben, wie der Umgang mit Medien ausschauen kann, sondern sie müssen es auch erfahren dürfen.

Sie müssen mit den Medien vertraut werden, sie ausprobieren, ihre Freude daran haben und erfahren, dass Kommunikation über viele Wege möglich ist. Und wenn ein Elternteil weg ist, dann können Medien noch etwas: Sie können Verbindung herstellen.

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sind auch eine Ausweitung der Beziehung, die Eltern zu ihren Kindern haben: Zwar kann die digitale Kommunikation den persönlichen Kontakt, den Geruch, die Nähe, die Berührungen, die Streicheleinheiten, das Umarmen nie ersetzen, aber sie können in einer Situation wie dieser das Heimweh ein wenig mildern.

Wir haben dann vereinbart, dass ich ihr abends die Gute-Nacht-Geschichte mithilfe von Videotelefonie vorlese. Ein Stück Mama, nicht ganz nahe bei sich, aber doch zugewandt und attached.

Die Autorin betreibt den Blog Welovefamily.

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, früh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schädlich - oder gar nützlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

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