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Vergesst eure Ziele!

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Wir pflegen einen unerschütterlichen Glauben an Ziele. Wir lassen uns coachen, um Ziele zu erreichen. Und wir verzweifeln an uns selbst, wenn wir keine haben. Das muss aufhören, fordert die Coach, Buchautorin und Bloggerin Svenja Hofert. Sie liefert fünf Gründe, auf Ziele zu verzichten.

Ziele stressen uns

Ich erlebe viele verzweifelte Menschen, die an ihren eigenen Zielen scheitern. Sie wollten auch großartige Unternehmer werden oder eine erfolgreiche Karriere hinlegen, doch es hat nicht geklappt. Oft liegt es daran, dass die Ziele viel zu groß sind und gar nichts mit uns selbst zu tun haben. Wer werden will wie Steve Jobs oder Richard Branson braucht nun mal die entsprechende Persönlichkeit. Mit Sicherheitsbedürfnissen passt das nicht zusammen.

Ohne Ziele fühlen wir uns nackt

Viele Menschen, die zu uns in die Beratung kommen, sind unglücklich, weil sie keine Ziele haben und sich deshalb für „falsch" halten. Sie wollen Ziele ausarbeiten. Manchmal klappt das, manchmal aber auch nicht. Meist fehlen Interessen. Es gibt nichts, was einen innerlich antreibt. In so einer Situation braucht niemand Ziele, sondern muss erst einmal das Leben neu entdecken. Was macht mir Freude? Was tue ich aus eigenem Antrieb? Wer etwas aus eigenen Antrieb tut, braucht keine Ziele mehr. Deshalb ist es viel spannender, nach dem eigenen Antrieb zu fahnden als nach Zielen.

Wir folgen Zielen, die andere uns eingeimpft haben

Zielstreben ist gesellschaftlich bedingt. Überall geht es um Ziele. Nur wer ein Ziel erreicht, ist es Wert im Beruf zu bestehen. Deshalb glauben wir auch welche haben zu wollen. Nicht selten nehmen wir dabei Ziele an, die eigentlich gar nichts mit uns zu tun haben. Wir verwirklichen zum Beispiel die Karriereträume unserer Eltern, ohne uns dessen bewusst zu sein. Oder wir setzen durch unsere Peergroups installiertes Denken in vermeintlich eigene Ziele um. Aber wollten wirklich wir selbst Lehrer, Marketingleiter oder Controller werden? Oft sind wir vor allem den Zielen anderer gefolgt und dachten, es wären unsere. Wie viel von uns selbst steckt wirklich in unseren Zielen? Oder sind es vielmehr oft nicht gesellschaftliche Erwartungen und der Wunsch nach Zugehörigkeit, die uns zu Zielen treiben?

Ziele halten uns von der Sinnfrage

Wer sich auf seine Ziele konzentriert, hat keine Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und muss nicht darüber nachdenken, warum er das tut. Er muss auch nicht an Alternativen denken oder die Chancen des Moments wahrnehmen. An den Sinn des Lebens denken. Zielorientierung vernebelt Grundsatzfragen. Verfolgen wir wirklich die richtigen Ziele? Ist es das, was wir selbst wollen? Ziele sind ein Wirtschaftsfaktor. So lange es Ziele gibt, funktioniert die Arbeit so wie sie derzeit ist. Würden wir dagegen innehalten und uns hineinhorchen, könnte das zu der ein oder anderen tieferen Erkenntnis führen. Und sogar zu persönlichem Wachstum.

Ziele machen blind für die Schönheit des Lebens

Vor einigen Jahren machte die Washington Post ein Experiment. Sie schickte den weltberühmten Geiger Joshua Bell als Straßenmusiker in ein Einkaufszentrum. Kaum jemand blieb stehen, niemand hielt inne - und hier spielte einer der berühmtesten Geiger der Welt auf einer millionenschweren Stradivari eines der schwierigsten Stücke von Bach. Das zeigt auch: Wir hetzen durch das Leben und nehmen die Schönheit des Moments nichts mehr wahr. Schuld sind auch unsere Ziele. Wir konzentrieren uns so darauf, dass wir darüber den Augenblick vergessen...

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