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Was ist Coaching? Ein Dialog und fünf verschiedene Erwartungen

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Was erwarten Menschen von Coaching? Wenn das so klar und eindeutig wäre! Der folgende Dialog zeigt, wie unterschiedliche Wahrnehmung und Erwartungen sind.

Theresa: Kennt jemand einen guten Coach?

Sabine: Ich habe gerade eine schlechte Erfahrung gemacht.

Theo: Wieso?

Sabine: Nach der langen Auszeit ist mir noch mehr deutlicher bewusst geworden, dass kleine Korrekturen an meinem Leben nicht mehr reichen. Es ist etwas Neues dran! Ich habe Ideen, aber ist es das? Eigentlich wollte ich nur ein Feedback zu meinen Gedanken, wollte diese einmal in ihrer Tiefe beleuchten, darüber reflektieren. Ich habe so viele Fragen!

Warum gehen mir diese Dinge im Kopf herum? Warum handeln viele Menschen so völlig anders als ich? Bin ich richtig so? Aber der Coach hat gar nicht verstanden, was ich wollte. Er verstehe sich als Prozessgestalter -- was immer das ist. Dann wollte er mit mir eine Aufstellung machen und eine Zielvereinbarung treffen.

Das fand ich richtig blöd! Ich suche nun nach einem neuen Coach. Kennt einer von euch jemanden, mit dem man einfach mal so sprechen kann, ohne dass er gleich seine ganzen Tools auspackt?

Theresa: Einfach nur sprechen kannst du auch mit mir. Wieso Coaching?

Sabine: Mit dir kann ich nicht so sprechen, du bist nicht neutral.

Theo: Ich sehe das mit dem Coaching inzwischen auch kritisch. Meine Frau hatte auch ebenfalls ein Coaching. Ihr wisst, sie ist Bankerin. Sie nahm zehn Stunden, das zog sich über Monate hin. Sie erarbeitete mit dem Coach, dass sie in einem Kirchenbüro beschäftigt sein wollte.

Das hat fand sie kurze Zeit gut gefunden, aber dann ... wurde sie wütend. Das Coaching war völlig am Ziel vorbei. Da verdient man doch nichts! Sie hat sich dann auch über das herausgeworfene Geld geärgert. Jetzt sucht sie seit mehr als zwei Jahren nach einem Job und alle sagen, sie sei schon zu lange arbeitslos. Das verschlechtert ihre Situation. Schuld ist der Coach.

Axel: Seid doch nicht so negativ. Mir hat es sehr geholfen, als ein Coach mit mir konkret besprochen hat, was ich meinem Chef sagen soll, wenn der mich kritisiert. Das hat viel gebracht.

Sabine: Das war doch kein Coaching! Coachs sagen dir doch nicht, was du machen sollst! Da kann ich ja gleich meine Mutter fragen ...

Axel: Der hat Psychologie studiert und eine Coaching-Aausbildung absolviert. Er arbeitet schon lange in dem Job. Er hat das gelernt! Mir hat es jedenfalls geholfen. Wozu suchst du denn einen Coach, Theresa?

Theresa: Ich will wissen, ob noch mehr für mich drin ist. Das kann doch nicht alles gewesen sein.

Theo: Kann es eigentlich sein, dass jeder von euch vom Coach etwas ganz Anderes erwartet?

Axel: Ich will jemand, der mir konkret zeigt, wie etwas geht.

Theresa: Ich brauche wohl einfach nur ein neues Ziel.

Sabine: Für mich ist es ein Sparring. Mir hilft es am meisten, wenn mir jemand kluge Fragen stellt. Wenn Raum für neue Gedanken entsteht, ist das toll. Ich will aber auch ein klares Feedback. Ein Coach muss doch auch einen Standpunkt haben!

Und was erwarten Sie? Was erhoffen sich Ihre Mitarbeiter oder Ihre Kunden wirklich von Coaching? Und was hilft Ihnen am Ende weiter?

Der Dialog stammt aus Svenja Hofert Buch "Hört auf coachen. Wie Sie Menschen wirklich weiterhelfen" (Kösel-Verlag, 2017).

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