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So kommen Sie Ihren Stärken auf die Spur

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PROSPERITY
Otmar Winterleitner via Getty Images
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Frank meint, seine Stärken zu kennen. Er sieht sich als unternehmerisch denkender Mensch, der sehr einsatzbereit ist. Seine Vorgesetzten beurteilen ihn im Jahresgespräch aber kritisch: In ihren Augen ist Frank zu wenig genau und zu ambitioniert.

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In seinem Mitarbeiterbewertungsbogen und im persönlichen Jahresgespräch attestieren sie ihm zudem eine geringe Analyse-Neigung. Frank ist frustriert. Er fühlt sich nicht anerkannt.

Wie kann so eine unterschiedliche Sicht aus Stärken sein? Ganz einfach: Stärken definieren sich aus verschiedenen Perspektiven: der Selbst- und Fremdsicht.

Deshalb ist es für die persönliche Stärkenentwicklung so wichtig, nicht nur die Eigenwahrnehmung, sondern auch die Sicht der anderen immer wieder zu reflektieren.

Das heißt nicht, alles anzunehmen. Aber warum andere etwas so oder so sehen, das sollten Sie einmal hinterfragen. Denn aus welcher Perspektive die anderen urteilen, ist nicht minder entscheidend: Oft habe ich es erlebt, dass dieselbe Führungskraft in dem einen Unternehmen erfolgreich war und im anderen gegen Windmühlen kämpfte.

Stärken definieren sich über Unterschiede, über Abweichungen, über das Überdurchschnittliche

Stärken sind relativ zu anderen Menschen. Sie definieren sich über Unterschiede, über Abweichungen, über das Überdurchschnittliche: Jemand, der mehr von etwas hat als andere in seinem Umfeld, fällt damit auf.

Der Perfektionist etwa hat eine höhere Neigung zur Genauigkeit. Das kann positiv sein, wenn es in einem Job gebraucht ist, aber auch störend, wenn es zu viel wird. Dann wird aus der Stärke Genauigkeit ziemlich schnell die Schwäche „übertriebener Perfektionismus".

Das Überdurchschnittliche bei einer Stärke ist auf der anderen Seite eben oft auch das Unterdurchschnittliche. Wenn jemand sehr genau ist, dann ist er auf der anderen Seite eben auch oft etwas langsamer, weniger flexibel und spontan.

Vielleicht kann er nicht loslassen. Vielleicht lenkt er seinen Blick auf Details, die gar nicht wichtig sind. Dann gilt es zu fragen: Muss ich mich verändern? Oder bin ich im falschen Job?

Wir mögen die Stärken, die unseren ähneln

Ob andere, etwa Chefs und Kollegen, unsere Stärken mögen, hat auch viel mit ihnen selbst zu tun: Jemand, der selbst wenig Fantasie hat, empfindet jemand mit blühendem Ideenwachstum schnell als anstrengend. Ist er wenig selbstreflektiert, lehnt er die Stärke Fantasiereichtum oft sogar unbewusst oder offen ab.

Das ist wahrscheinlich bei Frank so: Seine Vorgesetzten schätzen das Unternehmerische und Gestaltungsfreudige an ihm nicht, weil es in der Kultur der Firma nicht verankert ist.

In einem anderen Unternehmen könnte es ganz anders sein! Oft habe ich erlebt, dass Menschen bei einem Wechsel aufblühen, weil sie dann endlich Wertschätzung für das erhalten, was sie gern machen. Denn jemand der Spaß am unternehmerischen Denken und Handeln hat wie Frank wird sich eher nicht wohl fühlen, wenn er eng und kontrollierend geführt wird.

Entscheidend sind auch die Motive als innere Wegbereiter und Entwicklungshelfer für Stärken. Was würden Sie tun, wenn sie kein Geld verdienen müssten, sie niemand gefallen wollten und Dinge einfach nur so aus sich heraus machten?

Was ist Ihr Raum der freien Gestaltung? Das frage ich meine Klienten oft - und komme so Motiven auf die Spur. Sie sind die Basis, um Stärken zu entwickeln. Sie liefern den Grund, die Antwort auf das „warum sollte ich?"

Frank möchte sein unternehmerisches Denken gern weiter entwickeln, weil ihn sein Freiheitsstreben treibt. Er bewirbt sich deshalb bei einem Startup. Dort sind seine Stärken plötzlich gefragt. Und die Arbeit macht wieder Spaß. Auch wenn er hier sehr gefordert ist, er sieht es positiv.

Feedback hilft beim Stärkenfinden

Stärken, das ist eine Botschaft meines Buchs „Was sind meine Stärken? Entdecke, was in dir steckt", das einen Stärkentest enthält, kommen nicht fertig auf die Welt: Man muss sie entwickeln, mit Hilfe von Wissen über Motive, aber auch durch bewusste Planung.

Wo stehe ich jetzt? Und wo möchte ich hin? Dafür muss man seine Stärken erst einmal erkennen. Ein Stärken-Test kann helfen, aber auch Feedback. Oft helfen andere sehr beim Stärkenfinden. Deshalb fragen Sie möglichst viele unterschiedliche Personen, welche Stärken sie bei Ihnen erkennen.

Dabei sollten Sie nicht vergessen: Stärken kann aber nicht jeder sehen, sondern nur jemand, der eine Stärke auch als Stärke schätzt, weil sie in seinem „Weltbild" und seinem Umfeld verankert ist.

Es ist also wichtig, erst einmal herauszufinden, welche Stärken Sie nicht nur haben, sondern welche Sie auch gern mögen - und entwickeln möchten.

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