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New Work: Warum wir mehr Kooperation und weniger Teamarbeit brauchen

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TEAMWORK
Hinterhaus Productions via Getty Images
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Das Ende der Ego-Kultur naht. Durch New Work und agile Arbeitsformen ist ein Wir-Trend in der Arbeitswelt entstanden. In diesem Beitrag möchte ich im Rahmen von #Newwork17 über den Wandel zur Wir-Kultur schreiben.

Vom Ich zum Wir: Statt um Einzelleistung und Zielerreichung geht es in der neuen Arbeitswelt plötzlich um Verbindung.

Die Ursache für diese Werte-Veränderung liegt im Innen und Außen. Karriere im Sinne einer aktiven beruflichen Laufbahngestaltung ist heute immer weniger ein Einzelprojekt, sondern immer öfter das Ergebnis der guten Zusammenarbeit von vielen. Zunehmend ist Karriere auch Selbstverwirklichung. Und diese ist im Auge von Fach- und Führungskräften aller Altersstufen immer seltener im Einzelkampf befriedigend abgebildet.

Außen: Immer spezieller, immer mehr Verantwortung

Die Entwicklung lässt sich aus dem Innen und Außen begründen: Im Außen führt die Digitalisierung zu immer spezialisierteren Berufsbildern, die mehr Verantwortungsübernahme vom Einzelnen als früher erfordern.

Gleichzeitig ist das Ergebnis immer öfter ein gemeinsames. Während Arbeit früher wie eine Panzerkette organisiert war, bei der alle Glieder zusammenpassen und -spielen mussten, fügen sich die einzelnen Elemente heute freier zusammen. Das fordert andere Strukturen, die dem Einzelnen mehr Raum geben - innerhalb des Teams.

Innen: Tiefe Sehnsucht nach dem Gemeinsamen

Im Innen, in der gesellschaftlich-kulturell beeinflussten Wertewolke der Menschen entdecke ich nach Jahrelangem Einzelkult, Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung eine tiefe Sehnsucht nach dem Gemeinsamen.

Ich stelle diese Sehnsucht selbst bei überzeugten Selbstständigen meiner eigenen Beraterspezies fest, die den Einzelkampf satthaben. Ich merke es auch im Coaching, wo die Nachfrage nach Teamformaten permanent steigt.

Business Coaching als Reflexionshilfe und Zielerreichungs- und Problemlösungsunterstützung ist wichtig, ja, aber das gleiche brauchen auch Teams. Damit steigen auch die Komplexität des Coachings und die Anforderung an Coachs und deren Ausbildung.

Reibung ist nötig, weil sie Wärme erzeugt

Es geht mehr und mehr um Teamcoaching und Teamentwicklung. Dabei haben diese Formate ihr Sandkasten-Feeling verloren. Seltenerer geht es darum, miteinander Burgen zu bauen als effektiv und effizient und Spaß- und vertrauensvoll zusammen zu arbeiten.

Das nette und konfliktfreie Miteinander ist nicht mehr der Idealzustand. Stattdessen wird Reibung auch in ihrem physikalischem Sinne angenommen. Durch sie geht eben keine Energie verloren, sondern sie erzeugt Wärme - und neue Formen der Zusammenarbeit von Teilen.

Viel zu lange haben Unternehmen nicht beachtet, das ein Team viel mehr und auch viel weniger als die Summe seiner Individuen sein kann. Gruppendynamische und psychologische Aspekte der Zusammenarbeit sind unterbewertet worden und selten als Teil der Führungskräfteausbildung gesehen.

Teamarbeit wurde nicht mit ihren vielen Facetten erkannt: zwischen der netten Zusammenarbeit gleichberechtigter Glieder in einer Kette und der Arbeit in einem crossfunktionalem Team liegt eine erhebliche Spannbreite.

Ein „High Performance Team" geht weit über ein „working Team" hinaus. Das bedeutet auch Veränderungen für die Führung: Wenn unterschiedliche Experten ihr Wissen in den Ring werfen, so sind die Anforderungen an Führung auch gänzlich andere, als wenn die Glieder einer Kette zusammengehalten werden sollen.

Kooperation ist mehr als Teamarbeit

Ich unterscheide deshalb Teamarbeit von Kooperation. Erstere ist als Grundlage für letztere nötig, aber letztere ist die höhere Form. Teamarbeit ist im Ideal wertschätzendes Zusammenarbeiten, bei dem sich alle gegenseitig unterstützen.

Kooperation ist dagegen ein dynamischer Zustand respektvoller und sich weiter entwickelnder Zusammenarbeit. Anders als bei der Teamarbeit hat bei der Kooperation jedes Teammitglied sich selbst UND das Gemeinsame im Blick - Kooperation ist also das perfekte Sowohl-Als-Auch und beinhaltet darüber hinaus auch eine Synthese auf höherer Ebene.

In einem kooperativen Team ist jeder in der Lage verschiedene Rollen einzunehmen, nicht nur die angestammte. Wenn die Führungsrolle rotiert, kann das Selbstorganisation ermöglichen oder auf eine neue Ebene bringen.

Nicht zuletzt ist eine solche kooperierende Teamarbeit auch eine Vereinbarung von ICH und WIR in der PRAXIS, die auch unserem Ausbildungskonzept bei TeamworksPLUS® zugrunde liegt.

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Wissen über Gruppendynamiken wichtig

Dabei hilft Wissen über psychologische und systemische Zusammenhänge auch den Teammitgliedern sehr dabei, sich selbst zu reflektieren. Gruppendynamiken befördern auch im agilen Umfeld nach wie vor den Einzelkult.

Es bilden sich trotz Rollen und antihierarchischer Struktur informelle Machtzentren wie auch in traditionellen Firmen. Das kann auch gut gemeinte Rollenkonzepte wie die aus der Holakratie ad absurdum führen. Wenn jetzt immer mehr Unternehmen „new work" entdecken und agile Ideen weitere Kreise ziehen, sollten sie das auf keinen Fall vergessen.

Dieser Beitrag ist Teil der Themenreihe "New Work". Alle aktuellen Beiträge dazu findet ihr hier.

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