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Agiler Führen: Die 6 besten Entscheidungstechniken

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BUSINESS TEAM
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Sie sind Führungskraft, Unternehmer oder Personaler? Dann haben Sie sicher vom neuen Leadership-Trend "agiles Führen gehört". Was ist das überhaupt? Und kann ich es für mich oder unser Unternehmen nutzen?

Agiles führen bedeutet dem Team mehr Verantwortung zu geben, Selbstverantwortung zu stärken. Ein Aspekt davon ist die Teamentwicklung. Nicht mehr der Manager, sondern sein Team verantwortet eine Entscheidung, die fachliche Themen, aber den Bereich der Organisation und Strategie betreffen kann. Doch wie funktioniert eine solche Teamentscheidung? Wir haben die 6 besten Entscheidungstechniken für Sie zusammengestellt.

1. Abstimmung - die Basisdemokratische Entscheidung


Arbeiten wir das Wochenende durch oder nicht? Nutzen wir den Weg A oder B? Für einfache Entscheidungen bietet sich die basisdemokratische Entscheidung an.

Einfachste Variante: Per Handabstimmung. Wollen Sie ein komplexeres Bild erfassen, kann das Team grüne (ja), gelbe (unentschlossen)und rote (nein) Moderationspunkte kleben. So erkennt man auch die genaue Verteilung der Ja/Nein-Haltung im Team - und kann Bedenken oder Fragen noch einmal aufgreifen.

2. Konsens - für den Interessenausgleich


Konsens bedeutet, sich auf etwas zu einigen. Dabei rückt jede Partei ein Stück von der eigenen Position ab - man einigt sich auf eine Lösung, die für beide nicht optimal, aber annehmbar ist. Win-Win ist eine Variante des Konsenses, die darauf abzielt, das jeder das bekommt, was er oder sie gerade braucht.

Ein Konsens kann sinnvoll sein, wenn etwas nicht wichtig ist, sondern es vor allem um Interessenausgleich geht. Als Coach oder Führungskraft müssen Sie hier nur den Prozess moderieren und dafür sorgen, dass am Ende jeder das bekommt, was ihm/ihr wichtig ist.

3. Konsent - nur kein Widerspruch


Der Begriff Konsent stammt aus der Soziokratie. Das ist eine Form der agilen Selbstorganisation von Unternehmen, NGOs und Institutionen. Die Entscheidung erfolgt nach dem Prinzip „gerade gut genug." Wenn ein Teammitglied kein schlagkräftiges Argument gegen einen Vorschlag haben, so gilt dieser als angenommen.

So geht es: Problem skizzieren, Lösungsvorschläge einholen, zu denen alle Verständnisfragen stellen können. Die Gruppe entscheidet sich schließlich für eine „gut genug"-Lösung, gegen die es kein wirklich gutes Argument gibt.

4. Veto - als Führungskraft zur Not dagegen stimmen


Ein Vetorecht bedeutet, dass Führungskraft oder Management im Zweifel ihr Veto gegen eine Teamentscheidung erheben können.

Sinnvoll ist dies bei Entscheidungen, die eine hohe Folgewirkung haben können, etwa die Einstellung eines Mitarbeiters: Das Team ist dafür, einen Mitarbeiter einzustellen, die Führungskraft votiert dagegen, ergo wird dieser Mitarbeiter nicht eingestellt.

5. Systemisches Konsensieren - Rücksicht auf Widerstände und Gefühle


Das systemische Konsensieren ist nah am Konsens, verfeinert diesen aber. Es handelt sich um eine Art von Widerstandsmessung in der Gruppe.

Die Frage ist dabei, wie sehr sich jemand gegen etwas sträubt. Der individuell gefühlte Widerstand lässt sich zum Beispiel anhand einer Skala messen. Am Ende ist es das Ziel, Lösungen zu finden, die wenig Widerstand erzeugen.

6. Konsultativer Einzelentscheid - bei wichtigen Fragen


Der konsultative Einzelentscheid kombiniert das Wissen der Vielen mit der Kompetenz des Einzelnen. Zunächst geht es darum, den richtigen Entscheider oder die richtige Gruppe von Entscheidern auszuwählen. Dies sind Menschen, die sich in einem Thema besonders gut auskennen oder einen guten Zugang zu zentralen Konsultationspartnern haben.

Diese Konsultationspartner sind Berater beim Entscheidungsprozess. Sie müssen gefragt werden, bevor die zur Entscheidung bestimmte Person oder die Gruppe eine Entscheidung treffen darf. Hinter dieser Entscheidung muss dann das ganze Team und auch die Führung stehen - auch, wenn sie sich im Nachhinein als falsch erweist.

Dieser Beitrag ist die gekürzte Version eines Kapitels aus meinem Buch "Agiler führen: Einfache Maßnahmen für bessere Teamarbeit, mehr Leistung und höhere Kreativität", das im Springer-Verlag erscheint.

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