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Führung: Warum oft die falschen Menschen am Hebel des Kulturwandels sitzen

04/12/2016 17:47 CET | Aktualisiert 05/12/2017 11:12 CET
Creatas via Getty Images

Kürzlich fragte ich die Mitarbeiter eines Unternehmens nach ihren Werten. Eine Mitarbeiterin wollte sie suchen gehen. Die Werte würden irgendwo stehen... aber wo?

Das ist spezifisch für einen falsch verstandenen Veränderungsprozess und fehlgeleitete Werteorientierung. Werte können nirgendwo stehen, sie können nur gelebt sein. Und wenn sie sich ändern sollen, dann braucht man Menschen, die das vorleben können. Und niemand, der die Werte "ablegt".

Zu oft werden in Unternehmen gute „Kulturmanager" befördert und nicht etwa Personen, die die Kultur ändern könnten. Kulturmanager nenne ich Führungskräfte, die sich innerhalb einer Unternehmenskultur bewegen können, die ungeschriebene Gesetze kennen und damit „arbeiten".

Es sind gut angepasste Menschen, die indes kaum geeignet sind, Grundlegendes zu ändern. Sie treiben Lösungen voran, die auf dem bisherigen Denken basieren, anstatt das Denken zu ändern. Im Sinne des Einkreis- und Zweikreislernens nach Chris Agyris, drehen sie sich im Kreis, ohne einen neuen zu öffnen.

Das Denken, das wir für Kulturwandel brauchen, kann nicht in einem solchen geschlossenen Kreis entstehen. Dieser absorbiert alles Neue und passt es dem vorhandenen System an.

Besonders wirksam sind in Veränderungsprozessen nicht Kulturmanager, sondern so genannte Katalysatoren. Das sind Menschen, die sich von einem überindividuellen Werteverständnis leiten lassen.

Katalysatoren sind

  • Kontext-bewusst: Sie wissen, dass Umfeld, Situationen und Personen ihre und die Wahrnehmung anderer prägen.
  • Realitäts-Aktualisierend: Sie aktualisieren ihre Wirklichkeit aufgrund neuer Erfahrungen, ohne frühere Standpunkte zu rechtfertigen.
  • Selbst-aktualisierend: Sie sehen sich selbst nicht als statisch an, sondern erkennen laufende Entwicklung, die frühere Annahmen integrieren, aufgeben und neuordnen kann.
  • Konstrukt-bewusst: Sie wissen nicht nur, sondern verstehen auch, dass jeder Mensch seine Wahrheit konstruiert.
  • Eigenen Maßstäben folgend: Sie haben überindividuelle Wertmaßstäbe, die sie leiten, auch wenn sie niemand kontrolliert oder überprüft.
  • Sie sind annehmend: Menschen, die annehmen, tolerieren nicht einfach und sie akzeptieren auch nicht. Widersprüche sind für sie Teil des Lebens. Sie streben nicht danach, diese aufzulösen.
  • Sie sind orientiert an Anderen und an sich selbst: Sie tun etwas für die Gemeinschaft, ohne von ihr abhängig zu sein.

13 Anhaltspunkte, anhand derer man diese Menschen erkennt:

  1. Ihr Denken bezieht viele verschiedene Aspekte und Perspektiven ein.
  2. Sie fragen viel.
  3. Sie sehen sich selbst als Prozess und nicht als statisches Produkt.
  4. Sie können über ihre inneren und äußeren Wahrnehmungen sprechen.
  5. Sie suchen aktiv Feedback von vielen verschiedenen Personen.
  6. Sie werten Feedback als Selbstaussage der Feedbackgebenden Person und nicht als Urteil.
  7. Sie konzentrieren sich auf das Problem und nicht auf das „Kulturmanagement".
  8. Sie handeln entsprechend eigener Maßstäbe.
  9. Sie treffen Entscheidungen ohne Rücksicht auf sich selbst, entsprechend dieser Maßstäbe.
  10. Sie interessieren sich oft für Philosophie und ethische Fragen.
  11. Sie können neue, eigene Gedanken produzieren.
  12. Sie denken dialektisch, sehen also die Zweiwertigkeit in allem, etwa Flexibel/Strukturiert.
  13. Sie sind sprachlich gewandt, komplex ohne kompliziert zu sein.

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