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Das agile Mindset: Warum wir dynamisches Denken brauchen

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Allenorten zieht mehr Agiltät in die Unternehmen ein. Die Angst als Digitalisierungsverlierer dazustehen, treibt. Doch ist es überhaupt möglich, mit altem Denken neue Arbeitswelten zu produzieren?

In einer Studie untersuchen wir derzeit das Denken deutscher Führungskräfte. Wir fragen uns, ob es dynamisch oder statisch ist. Unsere These: Mit statischem Denken lassen sich die notwendigen grundlegenden Veränderungen für den digitalen Wandel nicht produzieren. Denn Menschen, die davon überzeugt sind, dass jeder Mensch ist wie er ist, glauben nicht daran, dass Entwicklungssprünge möglich sind. Diese aber sind die Voraussetzung, um Mitarbeiter zu mehr Verantwortungsübernahme, zum Mitdenken und aktiven, produktiven Handeln zu bewegen.

Die Stanford-Professorin Carol Dweck hat Jahrzehntelang zum Mindset geforscht. Sie hat herausgefunden, dass die meisten Menschen ein „fixed mindset" haben. Das ist eine statische Denk- und Handlungslogik, die auf dem "ich bin wie ich bin" basiert. Man ist so oder so und kann daran nichts machen, basta. Und gibt es nicht all diese Studien, die einen in dieser Annahme bestätigen? Etwa darin, dass Intelligenz erblich ist. Und Charaktereigenschaften, die so genannten Big Five, ebenso. Dem gegenüber stehen allerdings immer mehr Untersuchungen zur Neuroplastizität des Gehirns, die belegen, dass Veränderung immer und in jedem Alter möglich ist. Nie mitgedacht wird außerdem das Thema Ich-Entwicklung.

Carol Dweck hat herausgefunden, dass Menschen mit einer wachstumsorientierten Denk- und Handlungslogik, einem growth mindset, ganz anders an Herausforderungen herangehen. Sie wollen sich entwickeln. Sie machen gerne Fehler. Sie sehen das als Chance, besser zu werden. Sie hoffen nicht darauf, dass ein Test ihnen Stärken zuteilt, sondern arbeiten daran, sich diese selbst zu erschließen.

Menschen mit wachstumsorientierten Mindset zeigen im MRT mehr Gehirnaktivität, während sie etwas tun. Nun stellen Sie sich Führungskräfte im agilen Wandel mit einem fixed und einem growth mindset vor. Die mit einem statischen Mindset werden Seminare besuchen und Vorschriften umsetzen, aber nicht an Veränderung glauben. Die mit einem dynamischen Mindset dagegen wollen lernen, das ist ihr innerer Antrieb. Sie werden Mitarbeitern Verantwortung übertragen, nicht nur Aufgaben, die der diagnostizierten Begrenzung angemessen sind.

Aus Carol Dwecks Mindset-Fragebogen habe ich vier Fragen herausgezogen, mit denen sich sehr schnell entscheiden lässt, in welche Richtung die grundlegende Einstellung eines Menschen zeigt. Testen Sie selbst wie stark oder weniger stark Sie zustimmen bzw. die Aussage ablehnen:

  1. Menschen sind wie sie sind, und können daran nicht viel ändern.
  2. Jeder Mensch kann neue Dinge lernen, aber Intelligenz und Eigenschaften nicht entscheidend beeinflussen.
  3. Man kann sich als Mensch jederzeit grundlegend verändern.
  4. Jeder Mensch kann selbst beeinflussen, wie er ist und auch wie intelligent er ist.

Falls Sie nicht wirklich an Entwicklung glauben, gehen Sie auf die Suche nach Gegenbeweisen für ihre These. Sprechen Sie mit Menschen aus agilen Firmen, die oft ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Ein dynamisches Mindset verlangen auch die DOO´s (Deliberately Developmental Organization) nach Robert Kegan. In diesen agilen Unternehmen arbeiten alle ständig auch an sich selbst - um die eigenen Begrenzungen des Denkens aufzulösen.

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