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Agiles Management: Wann Sie erst mal beim Alten bleiben sollten

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BUSINESS TEAM
Clerkenwell via Getty Images
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Agiles Management ist Unternehmensführung nach agilen Grundsätzen, agile Führung will Teams selbstorganisiert in die Verantwortung nehmen und sich vor allem auf die Beseitigung von Hindernissen konzentrieren. Doch macht das immer Sinn? Unter diesen Umständen nicht:

1. Die Mitarbeiter und Führung sind demotiviert, haben keine Ziele


Einer der agilen Kernwerte ist Commitment. Alle sollen sich auf ein Ziel verpflichten. Das geht nur, wenn es überhaupt ein attraktives Ziel und einen sinnversprechenden Unternehmenszweck gibt. Sonst ist erst einmal etwas anders an der Reihe.

Hierarchieabbau und agile Maßnahmen wie Selbstorganisation würden in Chaos münden. Statt agiles Management einzuführen, könnte zum Beispiel erst mal an Dysfunktionen gearbeitet wird - etwa am grundlegenden Vertrauen der Mitarbeiter. Wie dysfunktional Ihr Team ist, dafür gibt unser Dysfunktionen-Test Anhaltspunkte, die Teilnehmer an unserer Ausbildung auch als Gruppen- und Organisationsbild erheben können.

2. Agile Werte sind im Unternehmen nicht anschlussfähig


Die Generation Y muss vielfach als Begründung für notwendigen Wandel herhalten. Wenn man sie halten und gewinnen wolle, müsse man umdenken. Die Generation Z, so erforscht es seit einiger Zeit Prof. Christian Scholz, kommt da schon viel nüchterner ins Berufsleben, bevorzugt Zweiraumbüros und eine Trennung von privat-Beruf.

Unternehmen, die sich an Generationen orientieren, müssen laufend umdenken und können nur immer wieder falsch liegen. Viel sinnvoller ist es erst einmal zu schauen, welche (neuen) Werte mit der alten Unternehmenskultur dauerhaft anschlussfähig sind.

3. Führungsstile sind nicht anschlussfähig


Auch die Führungsstile müssen anschlussfähig sein. Die oft zitierte Dienstleistende Führung mag in einem Projektumfeld im Form eines agilen Coachs ihre Berechtigung haben, an der Unternehmensspitze ist sie eben oft nicht anschlussfähig - und auch gar nicht sinnvoll. Hinzu kommt: Dienstleistende Führung ist als Führungsstil nicht untersucht. Es ist eine Idee von Praktikern, ohne wissenschaftliche Empirie.

Wenn Führungsstile anschlussfähig sein müssen, bedeutet das auch, dass nicht einfach der eine durch den anderen ersetzt werden kann. Auch die im agilen Kontext üblichen Rollen nivellieren zudem nicht die Persönlichkeit dessen, der diese ausübt... Führungskräfteentwicklung im Kulturwandel ist Werteentwicklung unter dem Aspekt der Anschlussfähigkeit.

4. Teamarbeit macht im Arbeitskontext keinen Sinn


Gerade sind Teams mega-in. WIR ist das große Ding, der Individualismus vorbei. Doch das Kollektiv ist nicht immer schlauer als der einzelne. Ohne eine sehr hohe Reife und Reflexionsfähigkeit sind Teams eben nicht kreativer und innovativer, sondern verdrängen auch Talente. Es gibt begabte Einzelkämpfer, die besser sind, wenn sie allein arbeiten.

In der Gruppenarbeit lauern zahlreiche Biasse und Heurisiken, beispielsweise das Groupthink oder Gruppendenken. Und auch ohne Hierarchie entstehen Rang- und Hackordnungen sowie lazy Co-Working, also soziales Faulenzen. Teamarbeit passt nicht in jedes Umfeld und auch nicht zu jeder Persönlichkeit.

5. Mitarbeiter und Führungskraft sind zu fortgeschrittener Kommunikation gar nicht fähig



Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation. An ihr zeigt sich auch persönliche Entwicklung. Ein Beispiel ist die im agilen Kontext gern eingesetzte Metakommunikation, also das Reden über das Reden. Wie sprechen wir miteinander? Um sich überhaupt auf Metakommunikation einlassen zu können, müssen Führungskraft und Mitarbeiter entwicklungspsychologisch eine höhere Reife haben, sonst bringt diese mehr Probleme mit sich als Lösungen.

Wenn Menschen sich beispielsweise dafür schämen, kritisiert zu werden oder die kommunizierte Unentschiedenheit der Führungskraft als Schwäche interpretieren, ist das völlig fehl am Platz. Hier hilft ein einfaches Kommunikationstraining nach Schultz von Thun oder ein Seminar in gewaltfreier Kommunikation den Mitarbeitern sehr viel mehr...

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