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Agiles Management: 3 Gründe, warum Sie die Finger davon lassen sollten

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Yagi-Studio via Getty Images
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Agiles Management: 3 Gründe, warum Sie die Finger davon lassen sollten
Wir müssen agiler werden! Können Sie es auch nicht mehr hören? Machen Sie die Schotten dicht. Denn wenn Sie dem Trend folgen, wird das ohnehin nichts bringen. Die Autorin und Führungskräfteentwicklerin Svenja Hofert argumentiert, warum Sie besser nicht mit der „Mode" gehen sollten:

1. Agilität fordert einfach zu viel Offenheit, das ist doch viel zu anstrengend


Ach Gott, offen. Wieso haben wir denn diese ganzen Seilschaften installiert, die Hinterzimmergespräche etabliert, den informellen Code geschrieben? Agilität beißt sich damit. Anstatt einfach nur schöne Werte zu liefern, will es auch Prinzipien umgesetzt wissen.

Da müsste man ja handeln. Da können unsere Werte doch gar nicht mehr im Aktenschrank verstauben. Was machen wir mit den ganzen Website-Texten für unsere teure Employer-Branding-Kampagne? Das alles einzumotten, wäre doch Verschwendung.... Und will Agilität nicht genau diese vermeiden?

Im Ernst: Agilität erfordert offenes Denken und ehrliche Reflexion. Sie verlangt, dass man Probleme nicht mit den vorhandenen Ansätzen und der bisherigen Denk- und Handlungslogik löst, sondern mit neuen. Die wichtigste Voraussetzung ist deshalb die Fähigkeit alles - auch sein eigenes Denken und Handeln als Führungskraft - in Frage zu stellen.

2. Agilität lässt sich nicht installieren, das ist ein guter Grund doch bei Microsoft Office zu bleiben


„Dieses Jahr führen wir mal Agilität ein!" sprach der CEO und drehte sich um. „Äh, was meinen Sie denn damit?" fragt die Personalabteilung. „Prio 3, sehen Sie was Sie daraus machen!" Gerne nimmt die Personalabteilung sich der Herausforderung an.

Da kommt auch gleich der passende Anruf eines Beraters, der mit seinem Werkzeugkoffer für zwei Schulungstage vorbeikommt. Agilität erledigt, könnte man nun sagen und endlich einen Strich unter den Hype ziehen. Denn so hat man den ersehnten Beweis, dass das alles eh nicht funktioniert.

Im Ernst: In der Annahme alles ließe sich genauso managen und messen wie gewohnt, wird Agilität in ein Raster des Command-and-Control-Zeitalters gezwängt. So können Sie sich sicher sein, dass Sie die Leute verunsichern, das Klima verschlechtern, aber nichts bewirken. Agilität liefert keinen Methodenkoffer, der einfach so ausgepackt wird und dann ist gut.

Es ist eine Haltung, ein Mindset, die ein Sowohl-als-auch-Denken und ein Loslassen von Planungsdenken verlangt. Die größte Herausforderung bei diesem Umdenken ist der Verzicht darauf, etwas wie ein Projekt organisieren und wie eine Software einführen zu wollen - und dann auch noch ein „Ende" zu erwarten. Wer Agilität ernst nimmt, begreift es als laufenden Prozess und dauerndes work in progress, an dem alle beteiligt sein müssen.

3. Agilität beißt sich mit allem, was Ihnen wichtig ist, also beißen Sie mal zurück


Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Mitarbeiter würden Sie wählen. Ach, ne. Dieses basisdemokratische Prinzip hat ja schon bei Trump nicht funktioniert. Das wäre populistisch. Da müsste man ja ein Programm aufstellen und eine Vision verkünden und überzeugen.

Wie soll das gehen, wenn man nicht mal Ziele hat? Und überhaupt, man müsste ja wirklich alles über Bord werfen! Karriereratgeber, die verraten, wie man sich verhalten soll, Tipps zum Vorstellungsgespräch, Anleitungen zum Überleben im Büro - alles kann ja eingemottet werden, wenn agiles Denken sich auf breiter Flur durchsetzt.

Im Ernst: Agilität fordert Konsequenzen und stellt Grundsätzliches in Frage. Sie rüttelt am Stuhl von allen. Wer sich dafür entscheidet lässt sich auch auf ein Experiment ein.
Das wollen Sie doch nicht im Ernst. Oder vielleicht doch?

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