Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Svenja Hofert Headshot

6 Anzeichen für eine Managementmode

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MANAGERMODE
iStock
Drucken

Managementmoden sind vergänglich. Sie machen vor allem Beratern Freude, Unternehmen dagegen bereiten sie in erster Linie Kosten. Was unterscheidet eine vergängliche Managementmethode von einem nachhaltigen Ansatz? 6 Punkte, die helfen, die Managementmode zu identifizieren.

1. Der absolute Ansatz

Der absolute Ansatz ist der allein gültige. Nur er kann die Probleme der Zukunft lösen. Es gibt keine andere Herangehensweise, „Rom" lässt sich nur auf einem einzigen Weg erreichen. Dieser Ansatz wird von Panikmache begleitet. Angst wird geschürt, dass man zu Verlierern der digitalen Transformation gehöre, wenn man diesen Ansatz nicht nutzt. Oft wird dabei die Systemtheorie zitiert, aber der absolute Ansatz ist nicht systemisch, denn systemisch kann nie schwarz oder weiß bedeuten.

2. Zeitgeist schwimmt mit

Fast alle Methoden berufen sich auf eine Theorie. Diese Theorie ist nicht unbedingt eine wissenschaftliche, auch wenn sie meist an Universitäten erdacht wurde. Oft ist sie getrieben von den Werten und Überzeugungen des Initiators, der seiner Zeit normalerweise voraus war, aber seine Theorie mit den Annahmen seiner Zeit konstruierte. Der Zeitgeist spielt bei Managementmoden eine große Rolle. Das Viable System Model von Stafford Beer geht davon aus, dass das Ziel des Unternehmens nicht Gewinnmaximierung, sondern sein Überleben ist. Sie ist damit gut zur Systemtheorien anschlussfähig. Die Theorie von Claus Otto Scharmer sieht keine Ziele, sondern einen Auftrag: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Sie ist gut anschlussfähig zu Theorien wie Spiral Dynamics oder der integralen Theorie Ken Wilbers.

3. Es gibt keine Fallhöhe

Ganz oder gar nicht: Oft gibt es da, wo vermeintliche Vordenker neue Methoden als Mode in die Welt tragen, eine Haltung, die starrer gar nicht sein könnte. Es geht nur radikal und revolutionär oder gar nicht. Die Möglichkeit einer unterschiedlichen Fallhöhe - etwa von Agilität - wird nicht in Erwägung gezogen, ist nicht vorgesehen. Dabei könnte es diese geben. Agiles Management beispielsweise kann unterschiedlichste Methoden beinhalten. Es ist keine Methode an sich.

4. Der wissenschaftlich fundierte Ansatz

Studienergebnisse verkaufen sich gut. Und so findet sich für fast jede These eine Gegenthese. Und für die Wirksamkeit jeder Managementmode auch irgendein Beweis. Doch Beweise kann es bei Managementmethoden gar nicht geben, zu unterschiedlich sind Unternehmen, zu komplex wäre jedes Studiendesign, Einflussgrößen gar nicht kontrollierbar.

5. Die Best Practice-Falle

Wer mit der Wissenschaft nicht weiterkommt, der nimmt halt die Praxis, aber besser nicht seine eigene. Und so werden von Vordenkern immer die gleichen Unternehmen genannt, die durch den Einsatz einer Managementmethode den Durchbruch erzielt haben. Sie finden sich in allen Büchern, werden von Artikel zu Artikel gereicht. Teils sind sie jedoch gar nicht mehr existent.

6. Der revolutionäre Ansatz

Revolutionäre geben sich mit kleinen Schritten nicht zufrieden, sie wollen top-down alles durchdrücken. Evolution ist für sie keine Option. Das kann durchaus einmal so sein, dass das auch Sinn macht, aber in seltenen Fällen - wenn andere der Managementmoden-Kennzeichen dazu kommen, ist eher Vorsicht geboten. Viel besser ist oft ein kleiner konsequenter Anfang und ein offener Umgestaltungsprozess.

Sind Managementmoden immer schlecht? Nur dann, wenn sie alle Jahre wieder ausgetauscht und durch eine neue ersetzt werden. Und wenn die Mode nicht zum Stil des Unternehmens passt, ist auch Vorsicht geboten.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.