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Treiber der digitalen Transformation

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Regierungen, Unternehmen und Start-Ups unter der Lupe

Wie heißt es immer so schön? „Viele Köche verderben den Brei" - aber: In Bezug auf die digitale Transformation und den Wandel von Industrie- zu Wissensgesellschaften gehören etliche Köche an den Herd. Regierungen, Unternehmen und Startups müssen zusammen ein Süppchen kochen, damit am Ende mehr für alle auf dem Teller ist.

Die gute Nachricht: Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von CA Technologies, die das Zusammenspiel zwischen dem öffentlichen Sektor, Unternehmen und Startups als Wachstumstreiber der App Economy untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass das Anbandeln der Beteiligten in vollem Gange ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass bei den Zutaten für die Suppe Einigkeit herrscht.

Keine andere Branche ist in den vergangenen Jahren so rasant gewachsen wie die App Economy. Die Zahl der weltweit heruntergeladenen Apps hat sich innerhalb von nur fünf Jahren fast verzehnfacht - auf über 225 Milliarden Downloads im Jahr 2016. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs ist Vertretern von Regierungen bewusst. In einer aktuellen Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU), die von CA Technologies in Auftrag gegeben wurde, gaben 85 Prozent der weltweit Befragten aus dem öffentlichen Sektor an, dass die Technologiebranche (und hier im Besonderen die App Economy) eine wichtige (54 Prozent) und sogar entscheidende (31 Prozent) Rolle für das volkswirtschaftliche Wachstum spielt.

Regierungen als treibende Kraft!?

Regierungen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um das Wachstum einer Branche geht. Sie können die richtigen Impulse setzen oder Entwicklungen Steine in den Weg legen. Dem öffentlichen Sektor sind die Benefits, die die App Economy mit sich bringt, durchaus bewusst.

So erkennen 65 Prozent der Befragten von Behörden und Regierungen, dass die App Economy einen positiven Einfluss auf die Beschäftigungsentwicklung und die Steuereinnahmen hat, und dass sich mit Hilfe der „neuen" Technologien das Service-Angebot für Bürger verbessern lässt.

Die Einsicht ist vielerorts also da - nun gilt es die richtigen Maßnahmen zu finden. Was können Regierungen also tun, um Treiber der App Economy zu sein und keine Bremsklötze?

Regierungen können finanzielle Anreize bieten und gesunde Wachstumsbedingungen für Startups und Unternehmen schaffen. Aber - wer hätte das gedacht- es fehlt an Geld und das bremst das Wachstum. Von den europäischen Befragten aus dem öffentlichen Sektor gab jeder Zweite (48 Prozent) an, dass der Mangel an öffentlichen Mitteln zur Unterstützung von Unternehmen ein Hindernis für das Wachstum der App Economy ist; einen Mangel an Privat-Investitionen nannten 24 Prozent.

Startups und etablierte Unternehmen erachten es jedoch laut der EIU-Umfrage als hilfreich, wenn Regierungen ihnen hinsichtlich der Sozialleistungen für Angestellte Unterstützung bieten sowie Finanzierungsmöglichkeiten bereitstellen - in Form von Startkapital oder anderen finanziellen Förderungen. Fast 75 Prozent der weltweit befragten Startups und 85 Prozent der Unternehmensvertreter gaben dann, dass in der Vergangenheit vor allem finanzielle Anreize zum Unternehmenswachstum beigetragen haben.

Es bedarf also einer Reihe unterschiedlicher Investitionsstrategien, die beispielsweise zur Unternehmensgründung einladen. Wirtschaftsnationen brauchen Start-Ups um den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft zu meistern. Denn Start-Ups bringen Innovationen und damit Wachstum.

Ein weiterer wichtiger Beitrag, den Regierungen für die digitale Transformation leisten können, ist der Ausbau der Internetinfrastruktur. Das sieht ein Drittel der weltweit befragten Unternehmen und Startups so - 33 Prozent halten den Netzausbau für einen essentiellen Regierungsbeitrag zum Wachstum der Branche. Nur damit bleiben die „heimischen" Start-Ups und Unternehmen global wettbewerbsfähig.

Wenn es um die Erarbeitung neuer Richtlinien und Rahmenbedingungen für Startups und Unternehmen der App Economy seitens der Regierungen geht, scheiden sich die Geister. Etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) der europäischen Befragten aus dem öffentlichen Sektor gab in der EIU-Umfrage an, dass sie bereits verbesserte Richtlinien erarbeitet haben.

Jedoch gehen lediglich 32 Prozent der Startups und Unternehmen davon aus, dass Nachbesserungen von Regularien zum Unternehmenswachstum beitragen. Einen Brockhaus der Regeln und Richtlinien zu erstellen wird eher als Innovations- und Wachstumsbremse wahrgenommen.

Der öffentliche Sektor sollte zudem auf Bildung setzen. Denn obwohl die ganze Welt von Digitalisierung und Automatisierung spricht, heißt das noch lange nicht, dass es zukünftig keine Arbeit mehr für Otto-Normal gibt. Im Gegenteil - es mangelt schon heute an Fachkräften im Technologiesektor und dabei ist die App Economy noch nicht einmal in der Nähe des Zenits.

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass bis 2020 bereits 825.000 Beschäftigte im Technologiesektor fehlen werden. Regierungen sollten auch hier die entscheidenden Impulse setzen. Denkbar wären beispielsweise Investitionen in eine verbesserte (technische) Ausbildung.

Die Rolle von Startups und Unternehmen in der App Economy

Natürlich treiben auch Startups und Unternehmen das Wachstum der App Economy voran - sie sind es, die Innovationen auf den Markt bringen, neue Geschäftsmodelle entwickeln und der App Economy ein Gesicht geben. In der EIU-Studie wurde vorrangig die Zusammenarbeit zwischen innovativen Startups und etablierten Unternehmen unter die Lupe genommen.

Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) aus europäischen Unternehmen gab an, mit Startups zusammenzuarbeiten und von dieser Kooperation zu profitieren. Im Gegensatz zu ihnen sagten nur 18 Prozent der Startups, dass die Kooperation mit etablierten Playern gewinnbringend für das Wachstum des eigenen Unternehmens ist.

Das mag nicht zuletzt an der häufigsten Art der Zusammenarbeit liegen - dem Sponsoring von Startup-Events. Die Integration von Technologien oder Business-Partnerschaften (z.B. für Neukunden-Akquise) sind eher die Ausnahme - obwohl genau diese zielführender für beiden Seiten wäre.

Startups in Europa klagen nicht selten über mangelnde Partnerschaften und Netzwerke - so auch in Deutschland. Ganz aktuell hat deshalb das Bundeswirtschaftsministerium das Konzept sogenannter „Hubs" vorgestellt, die an zwölf deutschen Standorten etabliert werden sollen. Ziel dieser Initiative ist es, die Zusammenarbeit zwischen Gründern und Unternehmen zu fördern und den Austausch von Ideen anzuregen - alles im Sinne des Wachstums. Regierungen fungieren also auch hier als Impulsgeber.

Denn klar ist allen: Zusammen kann mehr erreicht werden, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht oder eben auf Grund fehlender Netzwerke gar nicht erst mit dem Kochen beginnt. Das Schaffen von Win-Win-Situationen zwischen Startups und Unternehmen würde sich auch auf eine bessere Wettbewerbsposition im internationalen und nationalen Umfeld auswirken.

Unternehmen können von der Dynamik der Start-Ups, die sie laut EIU-Umfrageergebnissen als größte Bedrohung für ihr eigenes Wachstum innerhalb der App Economy ansehen, profitieren; Startups wiederum z.B. vom Zugang zu einem großen Kundenstamm oder zu neuen Märkten. Auch wenn solche Partnerschaften den Konkurrenzdruck unter den Marktteilnehmern generell verstärken, so würde es der gesamten europäischen App Economy helfen schneller zu wachsen.

Fazit

Halten wir also fest: Es ist unumstritten, dass Regierungen, Unternehmen und Startups die Gestalter der „neuen" digitalen Welt sind - sie alle treiben die digitale Transformation voran. Die Studie zeigt, dass eine weitgehende Übereinstimmung darüber herrscht, welche Faktoren dabei helfen, ein dynamisches wirtschaftliches Umfeld zu schaffen - allerdings werden die notwendigen Maßnahmen von den unterschiedlichen Beteiligten teilweise verschieden stark gewichtet.

Vor allem mit finanziellen Anreizen und dem Ausbau der Datenautobahnen können Regierungen aus Sicht der Unternehmen und Startups einen essentiellen Beitrag zum Wachstum der App Economy leisten. Bei Unternehmen und Startups sind neben Inhouse-Innovationen vor allem intelligente Kooperationen gefragt. Wenn die App Economy (weiterhin) für volkswirtschaftliches Wachstum sorgen soll, müssen alle auf einer Linie sein. Und genau an dieser Stelle gibt es noch Verbesserungspotenzial.

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