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PSD II - Den Verbraucher im Fokus

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Es ist Mitternacht. Sie brauchen dringend Bargeld, haben Ihre EC- oder Kreditkarte aber nicht dabei. Also nehmen Sie ihr Mobiltelefon zur Hand, öffnen Ihre Banking-App und wählen die benötigte Summe aus. Innerhalb weniger Sekunden erhalten Sie eine SMS mit einem PIN-Code auf Ihr Handy, geben diesen am nächstgelegenen Geldautomat ein und heben das Geld ab. Einfach, bequem, sicher - und in der App Economy längst Alltag.

Das ist nur eine der vielen Szenarien, die beschreiben, wie die neue EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD II (Payment Services Directive II) unser Leben vereinfachen wird - nicht nur bei der Interaktion mit Banken, sondern auch mit dem Einzelhandel, der Telekommunikation, Gastronomie sowie mit allen anderen Dienstleistern.

Doch was steckt eigentlich hinter PSD II? Die ursprüngliche PSD-Richtlinie wurde 2007 von der Europäischen Union als Daten- und Technologie-gestützter gesetzlicher Rahmen für alle Zahlungsvorgänge in Europa initiiert, mit dem Ziel, europäische Zahlungsdienste schneller, effizienter und einfacher zu machen.

PSD II baut darauf auf und berücksichtigt neue Entwicklungen in der Bezahllandschaft, etwa durch neue Zahlungsdienste wie Kontoinformationsdienste oder Zahlungsauslösedienste. Einige der wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Auskunftsplicht: Finanzinstitute und andere Unternehmen, die elektronische Zahlungen erhalten, müssen ihre Kundeninformationen mit Inkrafttreten der PSD II für sogenannte dritte Zahlungsdienstleister (ZDL) zur Verfügung stellen.
  • Auflagen: Für Zahlungen an oder aus Drittländern gelten bestimmte Regelungen, sofern einer der Zahlungsdienstleister in der EU ansässig ist.
  • Strenge Authentifizierung: Die neue Richtlinie geht noch einen Schritt weiter als die vorherige PSD-Richtlinie und die EBA-Leitlinien, die bereits den Schutz sensibler Zahlungsdaten bei der Speicherung, Verarbeitung oder Übermittlung forderten.
  • Wettbewerbsförderung: Neue elektronische Zahlungsdienste und ein erleichterter Einstieg für neue Anbieter in den Markt fördern den Wettbewerb zwischen traditionellen Finanzinstituten und neuen Anbietern wie Online-Händlern, Fintechs und Telekommunikationsanbietern.

Ziel der Richtlinie ist es, über den europäischen Markt hinweg Innovation und Transparenz voranzutreiben - und gleichzeitig die Sicherheit von Online-Bezahlungen und Account-Zugriffen zu erhöhen. In der App Economy greifen immer mehr Verbraucher zu mobilen Anwendungen um ihre finanziellen Geschäfte abzuwickeln.

enau hier setzt PSD II an - und schafft innovative Zahlungsvorgänge und eine veränderte Nutzererfahrung mithilfe mobiler Anwendungen. Doch was genau hat eigentlich der Verbraucher davon?

Mehr Sicherheit durch strenge Authentifizierung

Momentan ist es so: Beim Online-Shopping teilen Kunden ihre Kartendaten mit dem Händler und einem oder mehreren Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder MasterCard. Dieser wickelt mit der Bank des Kunden die Zahlung ab und informiert die Bank über den Status der Transaktion.

Mit PSD II steht der Verbraucher im Mittelpunkt des Bezahlvorgangs - nicht die Transaktion. Denn künftig wird sicheres und vertrauliches Online-Shopping auch möglich sein, ohne über das Internet Kartendaten mit mehreren Parteien teilen zu müssen. Der Kunde kann selbst entscheiden, wie lange er dem Online-Händler Zugang zu seinen Kontoinformationen gewähren möchte und wie hoch der maximale Transaktionswert ist, bevor eine zusätzliche Nutzervalidierung notwendig wird.

Zusätzlich sichert und schützt eine strenge Authentifizierung die Transaktion, während diese zentral gesteuert und Risiko-basiert evaluiert wird. Das Ergebnis: Mehr Transparenz und Kontrolle für den Kunden, schnellere und günstigere Transaktionen und letztlich mehr Sicherheit und Innovation.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von PSD II ist die starke Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der Nutzer ihre Identität mittels zweier unabhängiger Komponenten nachweisen müssen, etwa durch ein Passwort in Kombination mit einer Gesichtserkennung oder einem einmaligen PIN-Code, den sie direkt aufs Handy erhalten.

Sie dient dazu den Nutzer und die Transaktion in Echtzeit zu validieren und Betrugsfälle schnell zu identifizieren. Dabei werden Nutzer, die ihre Transaktionen rechtmäßig durchführen, bei ihrem Kaufvorgang nicht belästigt und können ihre elektronischen Zahlungen und Überweisungen schnell und bequem abwickeln.

Mehr Komfort für Kunden durch APIs

APIs - Application Program Interfaces -, die Finanzinstitute nutzen, bringen Kunden mehr Komfort und ermöglichen neue Arten der Interaktion. Die Programmierschnittstellen integrieren verschiedene Systeme und erleichtern dem User die Navigation über unterschiedliche Oberflächen hinweg.

Der durch PSD II geförderte Wettbewerb wird neue Anbieter stärken, die durch optimale Beziehungen zum Endverbraucher zur Anlaufstelle Nr. 1 für Zahlungsdienste werden könnten. Ein Beispiel: Spracherkennungssysteme wie die von Amazon, Google oder Apple werden immer ausgereifter und bieten schon bald eine sichere Oberfläche, die es Nutzern erlaubt, mit ihren Finanzdienstleistern zu kommunizieren und Transaktionen durchzuführen.

Lästige Warteschleifen am Telefon oder endloses Navigieren durch Apps sind damit Geschichte. Und auch Peer-to-Peer Bezahlungen werden durch die API-basierten Rahmenbedingungen von PSD II Realität. Hierbei können Kunden auf ihrem mobilen Endgerät einen Kontakt auswählen und diesem eine Zahlung überweisen ohne die spezifischen Kontendetails zu kennen.

Auch die Verwaltung mehrerer Konten wird durch APIs zum Kinderspiel. Durch Single Sign-On (SSO) melden sich Kunden einmalig über ihr mobiles Endgerät bei ihrer Hausbank an. Weitere Konten bei anderen Finanzinstitutionen können nach einer Authentifizierung problemlos verknüpft werden. Der Nutzer erhält so eine einzige, vollständige Sicht auf alle seine Konten, ein umfassendes Bild seiner finanziellen Situation und kann alle Transaktionen zentral verwalten.

PSD II - eine Chance für IT und Business

PSD II revolutioniert die Rolle der IT: Sie übernimmt schon lange nicht mehr nur unterstützende Funktionen fürs Business, sondern wird zum Treiber für neue Business-Modelle. Banken werden skalierbare API Management-Lösungen fordern, um ihren Kunden sicheren Zugang zu Konten zu gewähren und die Zahlungssysteme Dritter mit ihren eigenen Systemen zu verknüpfen. Und sie brauchen Security-Lösungen um die strenge Authentifizierung und Sicherheit bieten zu können, die PSD II erfordert um die Nutzer und die Transaktion zu validieren - all das ohne die Customer Experience zu beeinträchtigen.

Solche Technologien müssen auf Abruf skalierbar sein, denn die E-Commerce-Landschaft wächst stetig weiter und bringt ein immer höheres Transaktionsvolumen mit sich. Die Richtlinie ist eine Herausforderung - sowohl für das Business als auch für die IT. Und doch müssen sowohl traditionelle Finanzhäuser als auch Fintechs genau diese technische Dimension in ihr strategisches Denken mit einbeziehen, wenn sie sich auf PSD II einstellen. Denn die digitale Transformation macht aus jedem Unternehmen ein Softwareunternehmen - ein Wandel, den auch die Finanzbranche nicht verschlafen darf.

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