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App Economy: Immer schön cool bleiben

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SMARTPHONE APPS
Guido Mieth via Getty Images
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In der App Economy können Unternehmen ihre Kunden nur dann langfristig für sich gewinnen, wenn sie im Wettbewerb die wichtigste Disziplin beherrschen: Software. Doch dazu müssen sie zunächst wissen, was ihre Kunden von einer App erwarten. Und das ist manchmal genau das Gegenteil von dem, was Unternehmen auf den ersten Blick vermuten.

FlightRadar24 ist eine Smartphone-App, die in Echtzeit Informationen über jedes beliebige Flugzeug auf der Welt anzeigt - Standort, Airline, Höhe, Geschwindigkeit, sogar Rufzeichen. Wer jemanden am Flughafen abholen möchte, sieht genau, wann dessen Flieger landen wird. Wer am Himmel ein Flugzeug sieht, weiß sofort, woher es kommt und wohin es fliegt. FlightRadar24 ist ein seltenes Beispiel für eine App, die alle wichtigen Kriterien erfüllt: Sie lädt in Sekundenschnelle, ist nützlich, verlässlich und einfach anzuwenden. Und sie gilt als „cool".

Moment - wieso muss eine App cool sein? Tatsächlich spielt die Coolness heute eine ebenso wichtige Rolle wie die Funktionalität. Eine Studie von Zogby Analytics und CA Technologies zeigt: 19 Prozent der europäischen Verbraucher würden eine Marke zeitweise oder sogar für immer verlassen, wenn sie ihr einen schlechten „Coolness-Faktor" zuschreiben.

Insbesondere Italiener legen darauf Wert: 27 Prozent würden eine Marke vorübergehend oder endgültig aufgeben, wenn sie ihnen nicht cool genug erscheint. In Deutschland sind es immerhin 20 Prozent, dicht gefolgt von Frankreich (17 Prozent) und Großbritannien (11 Prozent).

Schnelle Apps, schnelle Urteile

Markentreue und Kundenbindung sind essenziell - gerade in der Application Economy. Laut der Studie nutzen 45 Prozent der Verbraucher Applikationen, um täglich mindestens eine finanzielle Transaktion zu tätigen.

Was also, wenn eine App nicht gut abschneidet - nicht nur in Bezug auf Coolness, sondern auch bei anderen grundlegenden Kriterien wie Downloadgeschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit? Die Ergebnisse sind eindeutig: Nutzer nehmen sich nicht viel Zeit, um ein Urteil zu bilden und sind schnell bereit, eine App auf Basis einer schlechten Erfahrung zu verwerfen.

Insbesondere Schnelligkeit ist für die europäischen Verbraucher wichtig: 58 Prozent von ihnen erwarten, dass eine App innerhalb von sechs Sekunden lädt. Nur eine Sekunde länger - und die Kunden sind womöglich für immer weg und die Unternehmen verschwenden enormes Potenzial.

Vor allem bei deutschen Verbrauchern ist die Schmerzgrenze schnell erreicht: 87 Prozent von ihnen verlangen, dass eine App in weniger als sechs Sekunden lädt, Franzosen (48 Prozent) und Briten (40 Prozent) sind da deutlich toleranter.

Eine weitere Erkenntnis sollte Entwickler zum Nachdenken zwingen: Unternehmen haben oft eine bestimmte Vorstellung davon, was ihre Kunden wollen. Von der Realität ist dies jedoch oft sehr weit entfernt, die Kluft ist groß.

So sind 77 Prozent der europäischen Unternehmen der Meinung, dass App Convenience - also der Komfortfaktor bei der Nutzung einer App - wichtig ist, aber nur 63 Prozent der Verbraucher sehen das genauso.

Die Signale sind deutlich: Unternehmen müssen ihre Ansätze in der App-Entwicklung dringend überdenken. Apps müssen sofort zünden, schnelle Lösungen für die Probleme der Nutzer bieten und während der gesamten Nutzung intuitiv arbeiten. Andernfalls riskieren Unternehmen, viele ihrer Kunden an Wettbewerber zu verlieren.

Mehr Innovation, mehr Gewinn

Software wird mehr und mehr zur neuen Königsdisziplin im Wettbewerb um Markentreue - und das macht denjenigen das Leben schwer, die sich mit der App-Entwicklung beschäftigen. Wie kreiert man in ein und derselben App die ideale Mischung aus Nützlichkeit, Zuverlässigkeit und Kundenzufriedenheit und verleiht ihr noch diese magische Note cooler Kreativität?

Die Antwort lautet: Testen, testen, testen. Wer verschiedene (coole) Features, Konfigurationen und Designs immer wieder erneuern möchte, muss diese zunächst mit einer Gruppe von Probenutzern austesten, um zu sehen, wie sie bei den Nutzern ankommen. Unternehmen brauchen die Möglichkeit, regelmäßig neue Versionen ihrer App mit geringen Änderungen herauszubringen und diese auszuprobieren.

Das Geheimrezept: DevOps. Die Zutaten: in kurzen Innovationszyklen denken, Neues ausprobieren, Probleme schnell beheben, wenn etwas nicht funktioniert, und wieder mit einer anderen Gruppe testen.

Dabei ist DevOps mehr als nur die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Betrieb - es ist ein groß angelegter Ansatz, der über mehrere Entwicklungs-Tools, Sprachen und Methoden hinweg funktioniert und den Aufwand verringert, um API-basierte Apps zu entwickeln und zu testen.

Zudem gewährt DevOps tiefe Einblicke in Performance, Kundenzufriedenheit und Crash-Log-Analytics und ermöglicht die Automatisierung und den Support Mobiler Apps, wenn sie auf Millionen von Geräten im Einsatz sind.

Was bei all dem immer mitschwingt: Security. 67 Prozent der europäischen Verbraucher erwarten von Apps, dass diese Schwachstellen wie einen Virus oder DoS-Attacken verhindern. Auch in diesem Punkt überzeugt der DevOps-Ansatz, beschleunigt er doch die Implementierung von Security-Funktionen ebenso wie die neuer Features.

Dabei ist Security weit mehr als nur der Schutz vor Datenklau. Die gleichen Technologien, die bestimmen, wer Zugriff auf welche Daten hat, können auch entscheidend dazu beitragen, dem Kunden eine nahtlose Nutzung der App zu ermöglichen.

Mehr Verständnis für Kundenwünsche

In der Application Economy markieren Apps den Berührungspunkt zwischen Verbrauchern und Marken - ein entscheidender Moment, wenn es um langfristige Kundenbindung geht.

Unternehmen müssen deshalb die Kluft zwischen sich und ihren Kunden schließen und verstehen lernen, was Verbraucher wollen. Gerade in einer Zeit, in der diese immer wankelmütiger werden, sollten sie Apps entwickeln, die nützlich, sicher, einfach anwendbar und verlässlich sind - und letztlich auch cool.

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