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Mit Agilität vom Standstreifen auf die Überholspur

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AUTOMOBILE BUSINESS
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Wenn Ihr Navi Ihnen sagt: „Biegen Sie jetzt ab auf die A 4.0! Bleiben Sie bis auf weiteres auf der digitalen Autobahn, sonst verlieren Sie den Anschluss", wissen Sie, dass es an der Zeit ist, Gas zu geben. Denn Geschwindigkeit und Wendigkeit sagen nicht mehr nur etwas über die Performance eines Autos aus.

Es sind auch Eigenschaften, die Automobilunternehmen benötigen, um an den schnelllebigen Märkten zu bestehen. Wer einen kurzen Time-to-Market, Disruption und Digitalisierung erfolgreich umsetzen will, kommt um zwei Konzepte nicht herum: Agile und DevOps.

Agile Entwicklungs- und Managementmethoden in Kombination mit DevOps geben Automobilunternehmen die notwendige Flexibilität, um schnell auf Veränderungen am Markt zu reagieren, Kundenansprüche zu erfüllen und sich ihre Marktposition zu sichern. Beides im Unternehmen als Standard zu etablieren, wirkt sich positiv auf Wachstum, Kundenzufriedenheit und operative Effizienz aus.

Es sind Kriterien wie die Performance des On-Board Navigations- und Entertainmentsystems und deren Vernetzung mit anderen Services und persönlichen Devices, die zukünftig die Entscheidung zum Kauf eines bestimmten Autos mitbeeinflussen werden. Vorbei sind die Zeiten, in denen ausschließlich Pferdestärke, Komfort, Design oder ökologische Aspekte für Kunden ausschlaggebend waren.

Autos fungieren nicht länger als reine Transportmittel - sie fügen sich in unseren vernetzten Lebensstil ein und werden zu lernenden Maschinen, die uns zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen versorgen. Das bedeutet für Automobilhersteller nichts weniger, als Software-getrieben zu denken und zu agieren.

Die Agile-Methodik besteht dabei nicht nur darin, Teams mit Software auszustatten, die ein agiles Arbeiten begünstigt. Um bei hoher Skalierung agil zu handeln, müssen Organisationen agile Prinzipien von Grund auf in ihre Unternehmensstruktur, Unternehmenskultur, ihren Betrieb und ihr strategisches Denken integrieren.

Agiles Management muss horizontal und vertikal verankert sein, das heißt sowohl auf Teamebene innerhalb einer Abteilung als auch durch die Verbindung von Entwicklungsarbeit, Unternehmensstrategie und Portfolioinitiativen.

Drei Dimensionen von Agilität

Agilität beinhaltet drei Aspekte, die verzahnt ineinander greifen und nur durch ihr Zusammenwirken das ganze Potenzial ausschöpfen können. Dabei handelt es sich um „Execution Agility" (Bereitstellungsagilität), „Portfolio Agility" (Portfolioagilität) und „Business Agility" (Geschäftsflexibilität).

Execution Agility bedeutet für Unternehmen, fortwährend Erweiterungen oder Neuerungen ihrer Produkte anzubieten und das zu bester Qualität und auf Basis von eingearbeitetem Feedback von Kunden und Stakeholdern. Leistungsträger sind hier in erster Linie die Projekt- und Softwareteams. Mit dem Einsatz von Lean- und Agile-Methoden können sie Anwendungen schnell bereitstellen und damit zu einer verbesserten Wertschöpfung, kurzem Time-to-Market sowie hoher Kundenzufriedenheit beitragen. Die Voraussetzungen für diese agile Arbeitsweise muss das Management schaffen.

Auf Portfolioebene („Portfolio Agility") dienen agile Ansätze als Brücken zwischen Strategie und Umsetzung und ermöglichen verantwortlichen Managern einen Einblick in die Unternehmensprozesse und das Erkennen von Marktchancen. Darauf aufbauend lassen sich beispielsweise Initiativen oder Projekte optimieren, inkrementelle Anpassungen der Finanzierung vornehmen oder mit geringem Zeitaufwand tiefergreifendere Analysen und Schätzungen durchführen.

Die beiden erst genannten Aspekte bilden schließlich die Grundlage für die „Business Agility". Diese wird benötigt, um systematisch und als Teil des Tagesgeschäfts Veränderungen zuverlässig zu identifizieren und eine hohe Reaktionsfähigkeit über das ganze Unternehmen hinweg als Standard zu etablieren. Die organisatorischen Möglichkeiten und die strukturelle Flexibilität eines Unternehmens bilden den Rahmen für Business Agility. Je höher der Grad, desto besser lassen sich Marktchancen nutzen.

Agilität auf allen drei Ebenen zu schaffen ist ein entscheidender Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber: es geht noch besser.

Agile und DevOps - ein Powergespann

Im Zuge der digitalen Transformation wird jedes Unternehmen zum Softwareunternehmen - auch in der einst klassischen Automobilbranche. Wer hier bei der Entwicklung von Software und Applikationen nicht auch auf DevOps - sprich eine enge und effektive Zusammenarbeit von Entwicklungs- und Operationsteams - setzt, wird schnell abgehängt.

Denn die Vorteile agiler Methoden lassen sich durch den gleichzeitigen Einsatz von DevOps noch besser nutzen. Setzen Unternehmen DevOps in einem agilen Umfeld ein, wirkt sich das positiv auf das Unternehmenswachstum, die operative Effizienz und die Kundenzufriedenheit aus.

Das mag alles wie ein hartes Stück Arbeit außerhalb der Komfortzone klingen - und eine Herausforderung ist es allemal. Doch auf dem Standstreifen zu halten, ist keine Option. Wollen Automobilunternehmen im digitalen Zeitalter bestehen, lautet die Devise: Bremse lösen und Gaspedal treten.

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