BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sven Eigebrecht Headshot

Job weg, Haus weg - jetzt müssen wir in einem verschimmelten Heim wohnen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EIGEBRECHTS
Privat
Drucken

Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland steigt. Trotz Beschäftigungsboom. Wie schnell ganze Familien aus einem Leben mit gut bezahlten Jobs und Reihenhäuschen abrutschen können, zeigt die tragische Geschichte von Sven Eigebrecht.

Vor fünf Jahren hatte ich ein glückliches Leben. Ich hatte einen gut bezahlten Job als Betriebswirt, ein hübsches Reihenhaus in Elmenhorst bei Hamburg, eine Frau und eine Tochter.

Doch außer meiner Familie ist mir davon nichts geblieben.

Wegen wirtschaftlicher Probleme meiner damaligen Firma wurde ich 2012 entlassen. Damit konnte ich die Kreditrate auf unser Haus nicht mehr bezahlen.

Auch das Arbeitslosengeld reichte dafür nicht. Und die Bank ließ nicht mit sich verhandeln: Der Vertrag wurde gekündigt und wir rutschten in die Privatinsolvenz.

Unsere Besitztümer wurden verpfändet, unser Haus schließlich im Januar 2014 zwangsversteigert.

Dann wurden wir vor die eigene Haustür gesetzt.

Mehr zum Thema: Durch diese Auslöser überschulden sich junge Menschen in Deutschland

Wir wohnen seit drei Jahren in einer Obdachlosen- und Flüchtlings-Unterkunft

Von einem Tag auf den anderen waren wir obdachlos.

Erst in diesem Moment half uns das Amt, vorher konnte oder wollte die Behörde nichts unternehmen.

Immerhin: Durch unsere Regelinsolvenz und der Schuldenbefreiung sind wir die Schulden los. Doch damit kamen neue, bisher nicht bekannte Probleme.

Denn aufgrund der Regelinsolvenz und unserer negativen Schufa-Einträge bekommen wir nirgends eine Wohnung. Nicht einmal eine Sozialwohnung.

Deswegen wohnen wir seit drei Jahren in einer Obdachlosen- und Flüchtlings-Unterkunft in Bargfeld-Stegen im Norden von Hamburg. Zu dritt auf 30 Quadratmetern.

40 Bewohner teilen sich hier einen Duschraum, der in einem Anbau untergebracht ist. Dafür bezahlen wir monatlich 320 Euro.

Das Problem ist aber nicht die Enge oder die bescheidene Ausstattung, sondern, dass die Wohnung schimmelt.

Bereits Ende 2014 haben wir uns regelmäßig beschwert. Selbst das Bauamt war da und hat festgestellt, dass alles zu feucht ist und die Wärmedämmung nicht ausreicht.

Aber das Amt weigert sich, etwas zu unternehmen, weil ein Neubau geplant ist. Die Behörde behauptet: "Ihr lüftet, heizt und kocht falsch."

Doch wir hatten eine Heizkostennachzahlung in Höhe von 700 Euro - und trotzdem schimmelt es überall!

wohnung
Der Schimmel hat sich überall in der Wohnung der Eigebrechts ausgebreitet (Foto: privat)

Wir alle haben gesundheitliche Probleme

Meine ganze Familie hat gesundheitliche Probleme. Meine Frau ist fast durchgehend krank. Daher kann sie auch keiner Nebentätigkeit nachgehen, so wie früher.

Zum Glück sind meine Tochter, die derzeit in die 9. Klasse im örtlichen Gymnasiums geht, und ich relativ robust. Nur ab und zu haben wir Probleme mit der Lunge und Hustenanfälle.

Einen Lichtblick gibt es:

Seit November 2015 arbeite ich wieder, als Außenhandelskaufmann in einem großen renommierten Hamburger Unternehmen.

Täglich pendle ich in die City. Doch trotz meines guten Nettoeinkommens finden wir einfach keine passende Wohnung im Raum Hamburg.

Wir haben in den vergangenen Jahren mindestens 1000 Anfragen verschickt und einige Dutzend Wohnungen angeschaut.

Aber die Vermieter lehnen uns von vornherein ab, weil ...

... wir nach wie vor in Regelinsolvenz sind (noch bis 2020),

... unsere Schufa-Einträge negativ sind,

... wir auch keinen Bürgen haben. Meine Mutter ist im Pflegeheim, die Mutter meiner Frau ist ebenso ein Sozialfall.

Wir haben nur einen Wunsch:

Eine Dreizimmerwohnung mit 600 Euro Warmmiete oder ein renovierungsbedürftiges Haus für einen Kaufpreis von maximal 30.000 Euro, den wir monatlich mit 600 Euro abbezahlen können. Beides sollte maximal anderthalb Stunden von Hamburg entfernt sein.

Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben. Aber unsere derzeitige Situation wird für uns zunehmend zur Belastung.

Das Gespräch wurde von Marco Fieber aufgezeichnet.

Wer der Familie Eigebrecht direkt helfen möchte, kann das auf einer von ihr eingerichteten Spendenseite tun.

Falls ihr den Dreien gar eine passende Wohnung anbieten könnt, meldet euch direkt bei der HuffPost:

Telefon: 089 9250 1553
E-Mail: marco.fieber@huffpost.de

Wir leiten dann alles an die Eigebrechts weiter!

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');

(sma)