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Wie wir eine unfähige Generation erziehen, ohne es zu merken

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KINDER WEICHEIER
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Bei unserem letzten Skiurlaub beobachtete ich mit Schrecken Pierre, den selbstverliebten, unfreundlichen Skilehrer meiner Kinder, wie er eine Zigarette rauchte und nonchalant mit den ebenso selbstverliebten, unfreundlichen Liftbetreibern scherzte.

Hat er denn nicht das kleine Mädchen in seiner Skiklasse schreien hören? Die gesamten Alpen haben es gehört. Sie hatte unglaubliche Angst, in den Lift zu steigen. Und alles, worum Pierre sich kümmerte, war, wie gut wohl sein Körper in dem roten Einteiler zur Geltung kam.

Ich unterdrückte den Drang, zu ihm zu rennen und ihn verärgert darüber zu informieren, dass er kaltherzig war und die Kinder vernachlässigte. Ich wollte ihn fragen, ob er niemals sein "Wie man macht, dass Kinder sich gut fühlen"-Training absolviert habe? War er überhaupt zertifiziert?

Das Kind brauchte Hilfe. Sie brauchte Unterstützung und Aufmerksamkeit. Aufmunternde Worte und Sätze, wie stolz wir alle auf sie wären, wenn sie es schaffte.

Aber Moment mal - als das extrem gestresste Mädchen an der Reihe war, sich den Bügel des Skilifts zu greifen, ging sie einfach vor und tat es. Et voilà, weg war sie. Die Schluchzer vergingen langsam, als sie, scheinbar glücklich, nach oben gleitete.

Sie hat es getan, weil sie keine andere Wahl hatte. Und ich muss zugeben, obwohl es zunächst herzlos wirkte, war Pierres Technik, sich nicht einzumischen, genau richtig in diesem Moment.

Es sind nicht nur Skilehrer. In Frankreich oder anderen Ländern scheinen Eltern dieselbe Mentalität bei der Kindererziehung zu haben. Sie verhätscheln die Kinder weniger, sondern scheinen eher zu sagen: "Mach's halt, du bist ein Kind und du musst lernen, dass manche Dinge eben schwer sind."

Und das ist effektiv.

"STEH AUF UND HÖR AUF ZU HEULEN"

Als wir unser jüngstes Kind am ersten Tag in der Anfänger-Skigruppe ließen, haben alle Kinder geweint. Wer würde es ihnen auch verübeln? Unser kleiner Schatz dachte, er würde die ganze Woche lang eine Figur in Frozen spielen, und nun lassen wir ihn bei dieser komischen Frau, die kaum unsere Sprache spricht. "STEH AUF UND HÖR AUF ZU HEULEN" konnte sie jedoch ziemlich fließend.

Die Franzosen und Skandinavier ließen ihre Kinder mit wenig Tamtam zurück. Einmal die Wange tätscheln, Tränen ignorieren, und ab ging's, um an einem wunderbaren Morgen ein bisschen Ski zu fahren. Sie waren nicht ignorant, nur pragmatisch. Sie taten das, wofür sie hergekommen waren.

Nur unsere Kinder waren noch da, hingen herum, ihre Herzen brachen, alle weinten in ihre Skibrillen. Ich hörte, wie Paare sich darüber berieten, wer seine morgendliche Skifahrt aufgeben würde, um beim kleinen Johnny oder der kleinen Jemima zu bleiben, denn sie könnten unmöglich alleine bei diesen barbarischen Lehrern bleiben.

Und rat mal, was am zweiten Tag passierte? Natürlich wussten die anderen Kinder schon, dass Weinen nichts ändern würde, deswegen fuhren sie einfach los.

Unsere Kinder jammerten und klammerten immer noch. Alle weinten immer noch, und deren Eltern hatten bestimmt den schlimmsten Urlaub ihres Lebens.

Lieben wir zu viel?

Mein Punkt ist also: Lieben wir zu viel? Sind wir überengagiert? Fassen wir unsere Kinder nur mit Samthandschuhen an, indem wir ihnen beibringen, dass sie nichts tun müssen, was auch nur ein bisschen außerhalb ihrer Komfortzone liegt (was übrigens, mal ehrlich, alles ist, was nicht am iPad spielen involviert)?

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Ich gebe zu, ich applaudiere meinen Kindern für so großartige Errungenschaften zu wie sich selbst anzuziehen. "Super gemacht, du hast deine Jeans so toll angezogen, hier ist ein Schokokeks."

Versteh mich nicht falsch, ich bin immer dafür, das Gute zu loben, anstatt sich auf das Negative zu fokussieren. Aber tun wir unseren Kindern immer einen Gefallen damit? Werden sie einen Preis erwarten dafür, dass sie es alleine aus dem Bett geschafft haben?

Ziehen wir eine Generation von Weicheiern groß?

Sie werden nicht lernen, mit Fehlern umzugehen, weil wir ihnen sagen, dass alles, was sie tun, ausschließlich großartig ist. Wenn sie also wirklich mal etwas Großartiges tun - wird unser Lob dann noch einen Effekt haben, wenn sie es ständig hören?

Meine Eltern lobten mich nicht so viel. Ich zweifelte niemals an ihrer Liebe zu uns, aber meine Brüder und ich mussten hart dafür arbeiten. Keine Belohnungen, keine Geschengutscheine von Woolworths, wenn wir uns gut verhalten haben in der Schule, kein Spielzeug für tolle Noten.

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Aber wir haben hart gearbeitet. Immer. Uns wurde beigebracht, dass Gelegenheiten uns nicht auf einem Silberteller präsentiert werden. Wir mussten uns das selbst verdienen.

Kleine Prinzen und Prinzessinnen

Wenn wir gelobt wurden, wusste ich, dass das wirklich etwas bedeutete und das hat sich großartig angefühlt. Sogar heute noch strahle ich richtig, wenn meine Eltern sagen, sie wären stolz auf mich, weil ich weiß, dass sie das nicht nur einfach so sagen.

Vielleicht war Pierre also auf dem richtigen Dampfer. Okay, vielleicht nicht mit dem scheinbar aufgemalten Skianzug, aber es ist wohl besser, Kinder einfach mal selbst lernen zu lassen, auf die harte Tour. So werden sie keine kleinen Prinzen und Prinzessinnen, die meinen, sie könnten die Welt regieren und erwarten, dass alle nach ihrer Pfeife tanzen.

Das ist nicht das echte Leben, aber hart zu arbeiten, um das zu erreichen, was du willst, ist es.

Es ist nicht immer einfach und je früher wir das unseren Kindern beibringen, umso einfacher wird es für sie.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der HuffPostUK und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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