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Natürlich ist es anstrengend, Mutter zu sein

07/03/2016 15:50 CET | Aktualisiert 08/03/2017 11:12 CET
Sally Anscombe via Getty Images

„Oh, das wird jetzt aber anstrengend als Mutter von drei Kindern!" sagt mir meine Mutter als sie erfährt, dass wir ein drittes Kind bekommen. Seit dieser Nachricht habe ich noch unzählige andere solcher Hinweise bekommen. Zwei Kinder - das ist noch recht normal, da wird noch ein Auge zugedrückt.

Drei Kinder - also das ist wirklich anstrengend. Jetzt, kurz vor der Geburt, häufen sich die Meldungen in diese Richtung: „Und wie habt Ihr das jetzt geplant, so mit drei Kindern?" „Puh, da habt Ihr Euch ja ganz schön was vorgenommen!" Ich höre die Worte und verstehe doch nicht den Sinn dahinter. Sind Kinder eigentlich immer nur noch Belastung für viele?

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Ja, ich würde sagen, dass sich mein Leben durch das Vorhandensein meiner Kinder grundlegend geändert hat. Und dies sicherlich auch durch die Art, wie ich Elternschaft lebe und leben möchte. Ich würde sogar sagen, dass ich selbst mich verändert habe durch meine Kinder.

Das fängt bei der Ernährung und Pflege des Körpers mit Bioprodukten an, geht weiter über meine Erwartungen an faire und gute Arbeitsbedingungen für mich und andere Frauen und Mütter und endet bei persönlichen Einstellungen und Erwartungen an mein Leben und meinen Alltag. Ach ja, und natürlich hat sich auch verändert, wie ich meine Partnerschaft lebe und gestalte - einfach deswegen, weil Kinder da sind.

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Natürlich hätte sich mein Leben auch verändert, wenn ich keine Kinder bekommen hätte. Ganz einfach durch das Älterwerden, durch das Kennenlernen anderer Menschen, durch die emotionale Entwicklung. Freunde wären auch gestorben, wenn ich keine Kinder bekommen hätte.

Ich hätte auch dann Krisen erlebt, Freundschaften beendet, neue angefangen und Jobs gewechselt. Mein Leben würde anders aussehen als jetzt als Mutter, aber es wäre auch ein anderes als das vor 10 Jahren. Ich wäre - auch ohne Kinder - nicht gleich geblieben. Leben bedeutet immer auch Veränderung.

Mein Leben ohne Kinder wäre auch anstrengend, hätte auch seine Herausforderungen. Wahrscheinlich eben andere als diese jetzt. Mein Leben mit drei Kindern wird auch wieder andere Herausforderungen mit sich bringen als das mit zwei Kindern. Es werden sich wieder Dinge ändern, die Lebensumstände werden andere sein, auf die ich reagiere. Urasche und Wirkung, so ist das Leben für mich.

"Anstrengend" ist keine Beschreibung

Mein Leben wird wieder anders. „Anstrengend" ist eine Bewertung, keine Beschreibung. Und nein, das Leben mit Kindern hat es nicht verdient, abgewertet zu werden. Manchmal ist der Alltag anstrengend, weil es eben der Alltag ist. Er ist nicht anstrengend, weil darin Kinder sind. Kinder sind nicht der ausschlaggebende Faktor dafür, dass das Leben manchmal schwierig sind. Die Rahmenbedingungen drum herum machen das Leben manchmal schwer. Aber nicht die Kinder an sich.

Ich habe meinen Kindern sehr viel zu verdanken. Sie haben mich mehr Rücksichtnahme gelehrt, Empathie, Emotionalität, Liebe. Sie haben mir gezeigt, wie man das Leben auch sehen kann, wie wunderbar ein Blatt aussehen kann, wie phantastisch es ist, eine kleine Schnecke zu beobachten. Sie haben mein schnelles Leben verlangsamt.

Ich glaube ganz fest, dass meine Kinder mein Leben noch ein wenig lebenswerter gemacht haben, weil ich es einfach aus anderen Augen sehen darf. Und deswegen denke ich auch, dass ich einfach noch mehr Glück, noch mehr Positives erfahre durch noch ein Kind. Liebe kann sich vermehren. Ja, die Rahmenbedingungen sind manchmal nicht einfach. Aber daran müssen wir etwas ändern und nicht an der Anzahl an Kindern, die wir uns wünschen

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Geborgen-Wachsen.de

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