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Sajad soll Teil unserer Familie bleiben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SAJAD UND SUSANNE
Susanne Raab
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Wir brauchen eure Hilfe!

Mein Pflegesohn Sajad soll auf keinen Fall nach Afghanistan abgeschoben werden - dort herrscht Krieg - dort wird er sterben!

Mein Name ist Susanne Raab und ich habe im April 2016 Sajad bei mir aufgenommen. Mittlerweile ist er volljährig und soll laut Bescheid des BAMF abgeschoben werden. Gegen diesen Bescheid haben wir natürlich Klage erhoben und wir hoffen, dass ihr uns unterstützt.

Sajad hat sich voll integriert, wird zu 100 Prozent von meiner Familie akzeptiert. Zu meinem Papa sagt er Opa, meine Oma ist 87 Jahre alt - er ist für sie wie ein eigener Enkel und sie versteht die Welt nicht mehr.

Er geht fleißig in die Schule, hat gerade erfolgreich die Prüfung A2 absolviert, macht in jeden(!) Ferien ein Praktikum (als Mitarbeiter im Bauhof, als Fenstermonteur, als KFZ-Mechaniker, als Lagerist und Motorradmechaniker). Ausnahmslos alle waren sehr zufrieden mit ihm und haben uns dies auch bescheinigt.

Sajad hat massive Angst vor seiner Abschiebung

Er hat sich entschieden, dass er Motorradmechaniker werden möchte. In seiner Freizeit macht er leidenschaftlich Kung Fu und spielt Fussball. Er wird voll akzeptiert - trotz seiner Schüchternheit. Sajad ist ein anständiger, höflicher junger Mann, der das Recht hat, das Leben zu genießen.

Aber er hat Angst! Massive Angst davor, zurück zu müssen. Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen sind unser Alltag.

Sajad gehört zu dem Volksstamm der Sadat, einem Unterstamm der Hazara. Sein Vater hatte zwei Supermärkte in Parwan. Er wurde von den Taliban in eine Falle gelockt und mit dem Auto überfahren. Er starb an seinen Verletzungen.

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Die Taliban nahmen den kompletten Besitz des Vaters ein. Sajad musste daraufhin die Schule abbrechen und arbeiten gehen. Seine Mutter ist schwer krank und er musste zum Lebensunterhalt beitragen.

Kurze Zeit später wurde sein Onkel, der in Kabul studiert hat, von den Taliban mit ca. 60 Messerstichen ermordet. Dessen Tochter, die zu diesem Zeitpunkt bei ihm war (zwei Monate alt) wurde auch Opfer dieser Attacke.

Sajads älterer Bruder hat für eine afghanische Firma gearbeitet, die amerikanische Stützpunkte beliefert hat. Sajad ist mitgefahren, um zu helfen. Als sie eines Tages auf dem Weg von Kabul nach Kandahar waren, wurden auch die Beiden von den Taliban überfallen.

Die Taliban wollen Sajad töten

Durch Schüsse stoppten sie den LKW - und setzten ihn damit in Brand. Er war mit Benzin beladen. Sein Bruder verlor durch dieses weitere Verbrechen ein Bein. Laut den Taliban ist Sajad der Nächste, den sie töten wollen.

Daraufhin begab er sich auf die Flucht. Was er alles auf der Flucht erlebt hat - von Misshandlungen und davon, dass ihm alles was er hatte gestohlen wurde - darauf gehe ich hier nicht näher ein. Das würde den Rahmen sprengen.

Nach dem Negativbescheid hat er einmal zu mir gesagt: „Susanne, meine Seele ist in Afghanistan, ich habe soviel Tote auf der Flucht gesehen, wir mussten über Berge von toten Menschen klettern, ich habe gedacht, hier bin ich sicher. Lieber bin ich tot in Deutschland als nach Afghanistan zurückzugehen." Diese Worte haben mein Herz zerrissen.

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Wie ihr sicherlich wisst, gibt es einen Deal zwischen Afghanistan und der EU, bei dem Milliarden von Dollar gezahlt wurden, damit Geflüchtete „zurückgenommen" werden. Außerdem trägt der Wahlkampf natürlich auch dazu bei, soviel Afghanen wie möglich abzulehnen.

Einfach dazu, um Wähler zu gewinnen und damit erfolgreicher aus der Wahl hervorzugehen. Es werden die Menschenrechte schutzbedürftiger verletzt, nur damit einige sich profilieren können und noch mehr Geld verdienen - mit Menschenleben!

Afghanistan ist kein sicheres Land

Die Ablehnung wurde unter anderem damit begründet, dass es in Afghanistan sichere Gebiete gäbe. Zum Beispiel Kabul. In diesem „sicheren" Gebiet wurden am 31.05.17 durch einen Bombenanschlag in der Nähe der deutschen Botschaft mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 300 wurden schwer verletzt.

Durch die Dimension dieses Anschlages konnten die Medien diesen auch nicht unter den Teppich kehren. Aber JEDEN TAG gibt es Anschläge. Jeden Tag gibt es dutzende Tote. Dies wird - warum auch immer - mit keiner Silbe in den Medien erwähnt.

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Der am 14.02.17 in das „sichere Herkunftsland" abgeschobene Farhad Rasuli wurde am 10.05.17 von den Taliban ermordet. 2016 wurden laut UNO von den Taliban über 11.000 Zivilisten schwer verletzt oder getötet.

Das auswärtige Amt rät dringend von Reisen nach Afghanistan ab!

Afghanistan ist nicht sicher! In diesem Landschaftlich wunderschönen Land ist man in keiner Ecke sicher - und schon gar nicht als Rückkehrer aus Europa.

Bitte helft uns! Wir wollen nicht, dass Sajad in den sicheren Tod geschickt wird.

Sajad gehört zu unserer Familie! Wir wollen unseren Sohn und Enkel nicht verlieren. Wie wir alle, wünscht sich auch Sajad, ein menschenwürdiges Leben führen zu können.

Er weiß die ihm entgegengebrachte Hilfe sehr zu schätzen und möchte mit seiner angestrebten handwerklichen Berufsausbildung unserer Gesellschaft etwas zurückgeben.

Warum soll er - quasi dem Tod geweiht - zurück geschickt werden? Bitte helft uns bei der Petition!

Beim Schreiben dieser Petition hat er gesagt: Danke, dass Du mir soviel hilfst. Ich kann Dir jetzt nicht helfen, aber später. Später helfe ich Dir viel.

Unterschreibt die Petition auf Change.org und helft Sajad und seiner Familie.


(kap)

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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