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"Mach das lieber nicht" - Wie wir Kindern den Entdeckungsdrang rauben

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CHILDREN PLAYING
Getty Images
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Manchmal f├Ąllt es mir im Alltag wirklich schwer, mich zur├╝ck zu halten. Das sind diese Momente, in denen ich oft - wenn es mir gelingt nichts zu sagen - ein Auge zukneife und den Kopf etwas schr├Ąg lege.

Momente, in denen alles in mir zu meinem Kind schreit: ÔÇ×Mach das nicht, es ist gef├Ąhrlich!" - und ich es doch nicht sage. Aber oft ist dieser Impuls da, zumindest der Wunsch, das Kind m├Âge es nicht tun. Besonders beim Sohn kenne ich diese Momente des W├╝nschens.

Ich meine dabei nicht, dass ich in wirklich gef├Ąhrlichen Situationen nichts sage, sondern in denen, die vielleicht gef├Ąhrlich sein k├Ânnten. In denen mein Mutterherz mir sagt, dass es doch eigentlich auch entspannter gehen w├╝rde. Lieber nichts riskieren - oder doch?

Situationen, die wirklich gef├Ąhrlich sind

Nat├╝rlich gibt es Situationen, die wirklich gef├Ąhrlich sind und in denen es keine Verhandlungsmasse gibt: kein Rennen auf die Stra├če, keine Experimente mit Steckdosen, kein Werfen von Dingen auf Spiegel innerhalb (und au├čerhalb) der Wohnung - letzteres gerade erst gestern wieder erinnert.

Und dann gibt es Momente, die sind nur aus meiner Sicht gef├Ąhrlich. Situationen, in denen ich mir denke: Ach nein, bitte jetzt keine Verletzung, nicht hinfallen, keine blauen Flecken, aufgesch├╝rften Knie oder blutige Nasen. Ich w├╝nsche mir oft, ich k├Ânnte meinen Kindern Schmerz und Leid ersparen und sehe oft besser als sie, wenn es kommen wird.

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Neben dem Aspekt, dass Kinder Erfahrungen ben├Âtigen, um sich mit der Welt vertraut zu machen und auch um Selbstvertrauen in sich, ihren K├Ârper und ihre F├Ąhigkeiten zu bekommen, gibt es einen Gedanken, der mir in solchen Situationen immer wieder vor Augen gef├╝hrt wird.

Sei es, wenn ich mich selbst mit meinen Kindern in einer solchen befinde oder wenn ich andere Eltern auf dem Spielplatz h├Âren sage: ÔÇ×Mach das lieber nicht!" oder ÔÇ×Ich hab Dir doch gesagt, dass das gef├Ąhrlich sein wird.".

Was vermitteln wir unseren Kindern mit unserer Angst oder einem ÔÇ×Siehst Du!"? Wir sagen ihnen, dass die Welt gef├Ąhrlich ist, dass sie nicht zu weit von uns weg gehen sollen, dass ├╝berall Gefahren lauern und sie eigentlich nur bei uns sicher sind, denn wir wissen es genau.

Die Welt ist an vielen Stellen gef├Ąhrlich

Wir machen sie abh├Ąngig und ├Ąngstlich, denn die Gefahr lauert auf dieser kleinen Mauer, auf der sie balancieren wollen, unter dem St├╝ck Holz im Geb├╝sch, das sie hochheben m├Âchten, in dem Stein, an dem sie sich die Finger einklemmen k├Ânnten.

Ja, die Welt ist an einigen Stellen gef├Ąhrlich. Aber sie ist auch aufregend, l├Ądt zum Entdecken und Erforschen ein. Und wir Eltern sind Eltern, die das Beste f├╝r ihre Kinder wollen. Wir sind der sichere Hafen, zu dem sie zur├╝ck kehren k├Ânnen, der immer da ist.

Wir nehmen in den Arm anstatt ÔÇ×Siehste!" zu sagen und tr├Âsten. Gute Bindung bedeutet auch, Sicherheit auszustrahlen und nicht Angst vor der Welt. Wir geben ihnen die M├Âglichkeit, sich zu bewegen und manchmal eben auch negative Erfahrungen zu sammeln. Wir hemmen sie nicht, brechen nicht ihren Entdeckerdrang, geben sie nicht nicht frei.

Manchmal f├Ąllt mir das schwer. Aber ich arbeite daran und denke dar├╝ber nach. Ihr auch?
Eure Susanne

Der Beitrag erschien urspr├╝nglich auf dem Blog der Autorin Geborgen Wachsen.

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