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Ich arbeite in einem Sexshop - das habe ich über die Deutschen gelernt

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Die Deutschen und ihr Sexleben - ein Thema, in dessen Zusammenhang gerne Wörter fallen wie "prüde", "verklemmt" und "Missionarsstellung".

Doch die Realität sieht anders aus. Man möchte fast sagen, "neugierig", "verspielt" und "experimentell", seien bessere Wörter. Ich weiß das, denn ich arbeite in einem Sexshop - und eins kann ich euch sagen: In den Jahren, die ich in dieser Branche arbeite, habe ich so Einiges über die Deutschen gelernt.

"50 Shades of Grey" und die Generation Internetporno

Zum Beispiel, dass Männer oft verklemmter als Frauen sind, wenn es um den passenden Vibrator geht. Oder das ältere Paare viel offener über Sex reden können als die Generation Internetporno.
Ach ja, und dass "50 Shades of Grey" sich tatsächlich auf das Sexleben der Deutschen ausgewirkt hat.

Ein Großteil unserer Kunden sind Frauen über 40. Mal alleine, mal in Begleitung ihres Mannes oder zusammen mit ihren Töchtern. Die kommen natürlich nicht alle, um den neuesten Umschnalldildo aus den USA zu kaufen.

Oft geht es um sexy Unterwäsche, Federn, Strapse oder ein besonderes Massageöl - Dinge, die das etwas schnarchige Sexleben aufpeppen. Nicht jeder hat einen "verrückten" Fetisch. Man gibt sich Tipps und tauscht sich darüber aus, was ihn oder sie letzte Nacht richtig angemacht hat.

Doch diesen lockeren Umgang kann man nicht herbeizaubern. Ich habe es auch schon oft erlebt, dass Stammkundinnen ihren Mann das erste Mal mitgebracht haben und der sich nicht so ganz wohl gefühlt hat.

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Manche Frauen neigen dann dazu, sich über ihren Mann lustig zu machen und ihn als prüde darzustellen. Frei nach dem Motto: "Zier dich nicht so!"

Das andere Extrem sind Männer, die ihre eigene Unsicherheit überspielen und anfangen mit mir zu flirten. Gerade jüngeren Verkäuferinnen gegenüber verhalten sie sich besserwisserisch, obwohl sie selbst überhaupt keine Ahnung haben, was ihre sexuellen Vorlieben sind.

"Die klauen unsere Jobs"

Beide Situation sind immer etwas unangenehm, aber mit Erfahrung und einer Prise Verständnis bekommt man das in den Griff. Irgendwo ist es ja auch nachvollziehbar, dass Männer Dildos und Vibratoren eher skeptisch begutachten - für viele stellen diese Spielzeuge eine Bedrohung dar.

Wenn nichts mehr läuft, tauscht man schnell die Batterien aus. Ein Vibrator kommt nie zu früh und man muss ihm auch nicht sagen, dass das "total normal ist" und "jedem mal passieren kann".

Ein Gedanke, der deshalb vielleicht vielen Männern im Kopf umgeht: "Die klauen unsere Jobs".

Das starke Geschlecht hat generell ein sehr technisches Verständnis von Sex, als sei es etwas Maschinelles. Ihnen ist nicht klar, dass Sex im Kopf beginnt und nicht irgendwo unterhalb des Bauchnabels.

Was das Alter unserer Kunden betrifft, war ich anfangs doch überrascht, wie locker ältere Paare mit ihrer Sexualität umgehen.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, haben sie wieder mehr Zeit für sich und beginnen, ihre sexuelle Routine zu hinterfragen. Wer älter ist, hat mehr Erfahrung im Bett und weiß genauer, was er (oder sie) will.

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Muss das immer so sein? Wieso sollte man erst mit 50 richtig guten Sex haben? Können wir nicht früher herausfinden, was uns anmacht?

Ich würde mir wünschen, dass die Deutschen mehr und offener über Sex sprechen. Immerhin sind sie weitaus weniger prüde als zum Beispiel die Amerikaner.

Egal ob ein LKW-Fahrer mit Waschbärbauch oder ein Topmodel mit Waschbrettbauch: In Deutschland wird die FKK-Kultur an Stränden gefeiert, man läuft am helllichten Tag nackt durch den Englischen Garten und kann ganz öffentlich Fetisch-Partys besuchen. Das stört keinen. In den USA ist das undenkbar.

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Den richtigen Rahmen haben wir also schon mal. Jetzt muss nur noch die Kommunikation besser funktionieren.

Werdet euch klar, worauf ihr steht. Spielt öfter miteinander. Probleme im Bett sollte man nicht totschweigen. Meine Botschaft an euch: Redet mehr über Sex!

Der Beitrag wurde von Julius Zimmer aufgezeichnet.

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