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Mehr als Stempel im Pass- der langfristige Nutzen von Auslandsaufenthalten

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REISEPASS
dpa
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Neue Stempel im Pass, ein paar Sätze in einer fremdem Sprache, und tausende Bilder exotischer Orte sind fast immer Mitbringsel eines längeren Auslandsaufenthalts.

Das Leben im Ausland bringt viele Abenteuer und neue Erfahrungen mit sich. Dass man dabei aber viel wertvollere Andenken als einen tollen Instagramfeed im Gepäck hat, realisieren die meisten Zurückkehrenden oft nur sehr schwer oder spät.

Lasst uns daher heute einmal über die unmittelbaren Erfahrungswerte hinaus schauen. Du wirst feststellen, dass das Leben und die Arbeit in einer anderen Kultur mit vielen wichtigen, längerfristigen Folgen und Nutzen verbunden ist. Genau diese Folgen können grosse Vorteile fuer zukünftige Lebens- und Karriereschritte bringen, und sollten sich deshalb vor Augen geführt werden. Nach einer erfolgreiche Auslandsentsendung sitzt man bei Personalern und Headhuntern nämlich in der ersten Reihe bei ihrer Suche nach globalen Fuehrungskräften.
Was sind also die fünf wichtigsten langfristigen Vorteile eines erfolgreichen Auslandsaufenthaltes?

1) Man gewöhnt sich an Ungewissheit.

Zu sagen, dass man während der Zeit im Ausland einige Male aus dem eigenen Komfortbereich treten musste, wäre eine Untertreibung. Ich weiss noch genau wie ich mir das erste Mal Mayonaise auf den Salat in der amerikanischen High School Kantine geschmiert habe. Schliesslich stand Saladdressing drauf. Vom Supermarktabenteuer über das Verstehen von lokalen Kollegen oder Mitstudierenden bis hin zur Erforschung bisher unbekannter Sprachen, Mahlzeiten und kulturellen Gepflegenheiten. Alles ist neu und ungewiss. Aber genau jedes Mal dann, wenn es sich ein wenig unbequem oder unnatürlich anfühlt, tritt man in den eigenen Lern- oder auch „Stretch"-Bereich. Dies ist wichtig, denn genau dort beginnt die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten und der Lernprozess während eines Auslandsaufenthaltes. Da wo sich alles gut anfühlt, lernt man wahrlich wenig neues.

Die Ungewissheit über zukünftige (technologische, gesellschaftliche oder politische) Entwicklungen wird grösser . In einer Situation mit vielen unbekannten Variablen trotzdem erfolgreich agieren zu können, ist daher ein immenser Vorteil für die weitere berufliche Karriere.

2) Man wird anpassungsfähiger.

Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geht Hand in Hand mit der Ungewissheit. Erst muss man natürlich feststellen, dass Verhalten, Normen und Werte in der neuen Umwelt anders sind. Dann muss ein Weg gefunden werden, diese neuen Standards zu integrieren und flexibel genug zu handhaben, um erfolgreich zu sein. Stellen wir uns vor, wir haben anfangs leicht panisch feststellt, dass die Art und Weise eine hochfrequentierte Strasse als Fussgänger zu überqueren sich völlig von der von uns gelernten unterscheidet (Ich denke da an ein persönliches Beispiel meiner ersten Woche in China). Da man selbst so oft wie möglich auf „Autopilot" schaltet, wird man erstmal versuchen, die Strasse so zu überqueren, wie man das gewohnt ist (sprich, man sucht nach der Ampel, die es leider a) nicht gibt, oder b) nicht beachtet wird). Gleichzeitig beobachtet man jedoch die lokalen Gewohnheiten (Jeder läuft zielstrebig los und die Autos richten sich danach aus). Nach einer Weile wird die neue Art, die Strasse zu kreuzen, zur Gewohnheit. Bis zu jenem Tag an dem ein deutscher Besucher uns wieder auf diese ungewöhnlichen Verhältnisse aufmerksam macht. Unsere Anpassungfähigkeit half also nicht nur beim Überleben, sondern unterstützt uns, so erfolgreich wie möglich zu handeln. Wieso sollte man diese im Ausland oft erprobte Faehigkeit nun nicht auch im Inland bei der Suche nach neuen Lösungen oder Innovationen nutzen?

3) Man entwickelt kulturelle Intelligenz.

Mit Menschen einer anderen Kultur tagtäglich zu interagieren, während man sich viel Unbekanntem ausgeliefert fühlt und die Anpassungsfähigkeit ständig erprobt wird, kann immens anstrengen. Wer sich jemals wie ich in Australien an das Autofahren auf der linken Strassenseite gewöhnen musste, weiss was ich meine. Oft hatte ich im Ausland das Gefühl, dass „Geduld" als Vokabel im Kopf gerade irgendwo in der hintersten Schublade festklemmte.
Schaut man jedoch zurück, erkennt man, dass über die Zeit all diese Anstrengungen plötzlich leichter von der Hand gingen. Auf einmal weiss man, wie man sich in einer bestimmten Situation in der „neuen Heimat" zu verhalten hat.

Man lernt kulturell intelligent zu handeln. Sich in einem fremden Ort und Land etabliert zu haben, heisst , effektiv und angepasst zu kommunizieren und interagieren. Der beste Beweis, dass man integriert ist, ist für mich immer noch die Fähigkeit in einer anderen Kultur Humor zu verstehen und zu benutzen.

Natürlich ist das eine unendliche Geschichte; da Kultur sich selbst ständig wandelt (Denken wir nur einmal, was sich in den letzten 20 Jahren alles verändert hat). Aber die Erfahrung im Ausland gibt uns einen klaren Vorteil durch eine erworbene Kompetenz, die im Globalisierungsalltag eine wichtige Rolle spielt: kulturelle Intelligenz.

4) Es wächst ein weltweites Netzwerk.

Es sollte eigentlich keine Erklärung brauchen, aber oftmals vergisst man wie sehr sich das persönliche Netzwerk nach einem längeren Auslandsaufenthalt erweitert. Während der Zeit im Ausland ist es schwierig, sein persönliches und berufliches Netzwerk NICHT auszubauen. Das wichtige ist jedoch nicht der Aufbau, sondern es aufrechtzuerhalten und weiter zu entwickeln. Dank vielen Plattformen wächst die Welt virtuell zusammen. Aber in vielen Kulturen sind echte Beziehungen der "Dealmaker". Ausländische Kollegen, Manager und Freunde entwickeln sich selbst beruflich weiter, und können oftmals indirekte Möglichkeiten, Kontakte, oder neue berufliche Wege aufzeigen. Man tut sich also keinen Gefallen, wenn man den Kontakt mit Menschen, die man im Ausland wertgeschätzt hat, nicht pflegt.

5) Man entwickelt sich persönlich weiter.

Der wahrscheinlich bedeutendste langfristige Nutzen einer Auslandseaufenthaltes von längerem Zeitraum ist die persönliche Weiterentwicklung, die sich keinesfalls auf den beruflichen Alltag beschränkt. Wenn man ständig mit Situationen konfrontiert ist, die einen an die Frustrationsgrenze treiben, lernt man sich sehr schnell sehr gut kennen. Situationen, in denen man zum Beispiel nur jedes fünfte Wort vom Taxifahrer versteht, oder versucht die Duschtemperatur im Hotelzimmer ertragbar einzustellen, zeigen die eigene Geduldsgrenze auf.

Das Leben im Ausland ist daher ein wenig wie ein Wachstumsschub im Jugendalter. Am Anfang ist alles ungewohnt, neu und ein wenig unbequem. Aber nach einer gewissen Zeit und mit Geduld und Routine sieht man das Wachstum als Vorteil.

Eine Auslandsentsendung sollte uns im Idealfall mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ausstatten. Gleichzeitig fährt man durch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Lebensumstaenden mit einer Bescheidenheit und Wertschätzung nach hause, die sich nachhaltig auf den Lebens- und (zukünftigen) Führungssstil auswirken können.

Wie hast du von deinem Auslandsaufenthalt(en) profitiert?

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