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Maßgebliche Änderungen antreiben: Eine neue europäische Führungsrolle

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BRAUNKOHLE
dpa
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In diesem Jahr haben eine beispiellose Anzahl an Firmen und Investoren die Bewegung für transparenteres und besseres umweltliche Risikomanagement angetrieben. Nahezu 6.000 Unternehmen ergreifen durch CDP inzwischen Klimamaßnahmen - im Interesse von Investoren, die insgesamt Vermögenswerte im Wert von mehr als 100 Milliarden US Dollar verwalten.

In Europa wurden währenddessen konkrete Fortschritte in Richtung der entscheidenden politischen Veränderungen gemacht, die notwendig sind, um endgültig eine breite Öffentlichkeit für den Klimaschutz zu sensibilisieren.

Trotz der bedauernswerten Entscheidung der Vereinigen Staaten, aus dem Klimavertrag von Paris auszusteigen, hat sich der Umschwung in Richtung Klimaschutz weiter beschleunigt. Firmen, Investoren, Städte und regionale Regierungen haben sich dem Pariser Abkommen durch die Initiative We Are Still In verpflichtet. 290 Firmen, deren Emissionen äquivalent zu denen von über 150 Millionen Autos sind, haben sich dazu verpflichtet, die von der Science Based Targets Initiative (SBTi) empfohlenen Ziele zur Emissionsreduktion einzuhalten.

Von diesen 290 Firmen sind 113 aus Europa - 45% mehr als noch zu Beginn dieses Jahres. Und mehr als 100 der weltweit größten Firmen, wie zum Beispiel IKEA und Unilever, haben sich mit der Initiative RE100 dazu verpflichtet, vollkommen auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Währenddessen hat die TCFD - eine internationale Arbeitsgruppe, die Methoden entwickelt, finanzielle Offenlegungen in Bezug auf Klimarisiken für Unternehmen einfacher und konsistenter zu gestalten - ihre endgültigen, in den letzten 18 Monaten erarbeiteten, Empfehlungen veröffentlicht."

Klimaschutz ist irreversibel

In Hamburg haben die Oberhäupter der anderen neunzehn G20 Staaten gezeigt, dass ihr politischer Wille nicht geschwächt ist, und einen neuen Plan - den Aktionsplan der G20 von Hamburg zu Klima und Energie für Wachstum - erarbeitet, um ein eindeutiges Zeichen zu setzen: die Ambition, die Ziele des Pariser Abkommens möglichst schnell zu erreichen, bleibt bestehen.

Dieser in der Abschlusserklärung der G20 Staaten verkündete Plan, beinhaltet den phasenweisen Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe sowie Ziele, möglichst zügig auf ein neues, kohlenstoffarmes Energiesystem hinzuarbeiten. Damit haben die weltweit wichtigsten Nationalökonomien ihre Verpflichtung, für den Klimaschutz zu kämpfen, nochmal bekräftigt.

Europa hat besonderes Potenzial, die starke Führung und den politischen Kurswandel beizustellen, die für den Kampf gegen Klimawandel, Wasserknappheit und die Effekte von Waldzerstörung vonnöten sind. Auf dem nationalen Level gibt es klare Zeichen, insbesondere von Frankreich, dass diese Verpflichtung ernst genommen wird.

Eine stärkere französische Führungsrolle ist begrüßenswert

Eine französische Führungsrolle ist in Europa nichts neues; so wurden in Frankreich die Auflagen an Unternehmen, Umweltberichte zu erstellen, bereits sechs Jahre vor der EU-weiten Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung eingeführt.

Nun ist Frankreich einmal mehr an der Speerspitze der europäischen Umweltpolitik: Das Land hat vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, welches Unternehmen dazu auffordert, auf der Ebene der Zulieferkette umweltliche und soziale Risiken sowie Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und Adaptationsstrategien anzugeben.

Diese Regulation füllt eine Lücke der EU Richtlinien zu nicht-finanziellen Angaben, welche sich zwar auch auf Zulieferketten bezieht, deren Formulierung jedoch eine zu flexible Interpretation seitens der Unternehmen ermöglicht.

Eine größere Führungsrolle Frankreichs ist weiterhin in dem neuen Klimaplan erkennbar, der kurz vor dem G20 Treffen veröffentlicht wurde. Er beinhaltet eine Vielzahl an Maßnahmen, die es Frankreich ermöglichen sollen, bis 2050 CO2-neutral zu agieren - und die Forderung, dass Europa mehr Maßnahmen und Innovationen für den Klimaschutz entwickeln soll.

Der Plan schlägt einen "globalen Bund für die Umwelt" vor, sowie mehrere praktische Maßnahmen: so sollen zum Beispiel europaweit Kohlekraftwerke bis 2022 stillgelegt werden, und Autos, die Treibhausgase ausstoßen, bis 2040 verboten werden. Zusätzlich sollen Verbesserungen am carbon pricing vorgenommen werden, beziehungsweise das EU ETS reformiert werden.

Der Plan ist beispielhaft für die politische Ambition, die von allen EU-Mitgliedsstaaten ausgehen muss, damit die notwendigen weitreichenden Veränderungen der Wirtschaft und des Energiesystems möglich sind.

Auch die Ankündigung eines weiteren Klimatreffens im Dezember, mit dem Ziel, Finanzierung für Paris-bezogene Projekte zu sichern, ist begrüßenswert, um die derzeitige Schubkraft für politische Konzepte und praxisnahen Fortschritt aufrechtzuerhalten.

Eine entscheidende Veränderung in der EU Politik?

Derartig starke Führung ist in Europa eine willkommene Veränderung. Die Uhr des Klimawandels tickt, und Akteure in nationalen und übernationalen Parlamenten müssen dringend in Aktion treten, um die in Paris gemachten Versprechen einzuhalten.

Mutige, ambitionierte Politik ist notwendig, um Messungen und Transparenz in nicht-finanziellen Berichten zu verbessern. Die Empfehlungen des vor kurzem veröffentlichten Zwischenberichts der High-Level Expert Group on Sustainable Finance sollten angenommen werden.

Der Bericht empfiehlt unter anderem, die TCFD-Empfehlungen in zwingende Unternehmensberichte zu integrieren, sowie die Einführung eines EU-weiten Äquivalents des französischen Artikels 173. Dadurch würde die Qualität von umweltbezogenen Offenlegungen und Klimarisikomanagementgesetzen verbessert werden - was das Thema, auf welches sich CDP seit 15 Jahren fokussiert, weiter in den Mainstream bringen würde.

Während in Europa der Kampf gegen den Klimawandel kontinuierlich an Fahrt gewinnt - wobei größere Offenlegungen dabei von zentraler Bedeutung sind - hat sich der globale Wille bezüglich des Kampfes gegen den Klimawandel als entschlossen und innovativ erwiesen. Um eine blühende Ökonomie zu sichern, die nachhaltig für Menschen und Planet arbeitet, brauchen wir konzertierte Aktion von Unternehmen und Politik.

Für Firmen und Investoren sind die TCFD, carbon pricing beziehungsweise Emissionshandel, Szenarienanalyse und science-based targets allesamt Wege, den Fortschritt in Richtung unter 2° Welt nachzuvollziehen.

Durch den G20-Gipfel und derzeitige europäische Entwicklungen gibt es Grund zu Optimismus, da die ersten Schritte, um den Pariser Klimavertrag zu würdigen, gemacht werden. Während CDP weiterhin die Verabschiedungen von politischen Plänen und Gesetzen katalysiert, die zum erreichen der Klimaziele notwendig sind, ermutigen wir auch europäische Regierungen und die G20-Nationen dazu, möglichst bald über die Anordnung von regulatorischen Auskünften nachzudenken.

Dies würde ein Grundgerüst für Unternehmen und Städte schaffen, dass es erlaubt, die für unseren Planeten wichtigsten Maßnahmen bis 2020 zu ergreifen.

Steven Tebbe auf Twitter folgen: www.twitter.com/steventebbe

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