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Ausufernder Hass in Teheran

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Cartoons haben seit jeher eine lange und bedeutende Geschichte in der politischen Kultur. Sie k├Ânnen menschliche Schw├Ąchen dem Gesp├Âtt preisgeben, anma├čende Politiker in die Schranken weisen, Korruption aufzeigen oder gar die ├ľffentlichkeit zur Unterst├╝tzung einer Seite aufrufen. Cartoons k├Ânnen die Wahrheit offenbaren. Sie k├Ânnen allerdings auch Hass sch├╝ren und L├╝gen verbreiten.

In letzte Kategorie fallen die Zeichnungen, die vor Kurzem als Teil des Zweiten iranischen Internationalen Holocaust-Cartoon und Karikatur-Wettbewerbs in Teheran gezeigt wurden. Am 30. Mai wurden die Gewinner vor einem Publikum bekannt gegeben, in welchem auch Regierungsvertreter anwesend waren. Obwohl Irans oberster F├╝hrer, Ayatollah Ali Khamenei, nicht an der Zeremonie teilnahm, gratulierte sein B├╝ro den Organisatoren zu einer "ausgezeichneten" Veranstaltung.

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Um die Sache noch schlimmer zu machen, hat Teheran soeben angek├╝ndigt, einen neuen Cartoon-Wettbewerb mit dem Thema "zionistisches Kalifat" auszutragen, welcher die ungeheuerliche Anschuldigung bekr├Ąftigt, dass Israel mit dem ISIS im Bunde stehe. Ungeachtet Au├čenminister Mohammad Zarifs Dementis erhalten diese Veranstaltungen finanzielle Unterst├╝tzung und Zuspruch des iranischen Regime. Sie dienen dazu, Hass gegen Juden und gegen den Staat Israel zu sch├╝ren. Was hier als Antizionismus ausgegeben wird, ist in Wirklichkeit Antisemitismus.

Beginnen wir mit der letztj├Ąhrigen Ank├╝ndigung des Holocaust-Cartoon-Wettbewerbs. Die Organisatoren erkl├Ąrten ├Âffentlich: "Wir sind keine Holocaustleugner, wir sind keine Antisemiten." Daran schloss jedoch schnell ein "aber" an.

Beginnt jemand einen Satz mit "Ich bin kein Antisemit, aber...", so folgt in der Regel antij├╝dische Rhetorik. In diesem Fall erkl├Ąrte der iranische Sprecher, dass der Wettbewerb drei Punkte ansprechen sollte: westliche Heuchelei ├╝ber Meinungsfreiheit, wobei jedoch Wissenschaftlern und Historikern die "Betrachtung des Holocausts" untersagt sei; den Umstand, dass Pal├Ąstinenser gezwungen w├╝rden, f├╝r den Holocaust zu bezahlen und die Besorgnis der iranischen Organisatoren ├╝ber andere "Holocauste" wie zum Beispiel den "Atomaren Holocaust (Holocaust im Irak, in Syrien und in Gaza)".

Die Bemerkung zur Meinungsfreiheit ist h├Âchst ironisch, da der Iran als einer der weltweit schlimmsten Verletzer dieses Menschenrechts gilt. Iranische Journalisten, Karikaturisten und Aktivisten werden regelm├Ą├čig verhaftet oder ins Exil verbannt, wenn sie mit dem Regime in Konflikt geraten. Der Staat sperrt r├╝cksichtlos den Zugang zu alternativen Informationsquellen, einschlie├člich Websites, die detailierte Informationen ├╝ber den Holocaust zur Verf├╝gung stellen.
Betrachten wir nun einige der Zeichnungen. Einige der Wettbewerbsteilnehmer griffen auf ein weit zur├╝ckreichendes und hasserf├╝lltes Repertoire an antisemitischen Illustrationen zur├╝ck, inklusive solche der Nazipropaganda. Sie bedienten sich klassischer, jahrhundertealter Vorurteile, welche den Grundstein f├╝r den Holocaust gelegt hatten: geldgierige Juden, Juden als blutsaugende Vampir-Flederm├Ąuse, Juden als Kindesm├Ârder, Juden als b├Âswillige Drahtzieher und Juden als die einheimische Bev├Âlkerung ausnutzende Fremdk├Ârper.

Die Beitr├Ąge zu diesem und vorherigen Wettbewerben sprechen B├Ąnde. 2006 stellte ein ber├╝hmter iranischer Karikaturist orthodoxe Juden dar, die wiederholt durch eine mechanische Z├Ąhlmaschine marschieren, um die Zahl 6 000 000 zu erreichen - eine direkte Anschuldigung, wonach die Juden heute den Holocaust ├╝bertreiben und die Opferzahlen ├╝berh├Âhen w├╝rden.

Der diesj├Ąhrige Sieg f├╝r die beste Karikatur ging an den franz├Âsischen Polemiker Zeon f├╝r sein "Shoah Business". Seine Zeichnung zeigt eine Registrierkasse gef├╝llt mit 6 000 000 Dollar aus dem "Verkauf" des Holocausts. Auf der Oberseite der Maschine ist ein Modell des Tors zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu sehen, wo eine Million j├╝dische M├Ąnner, Frauen und Kinder ermordet wurden. In diesem Fall werden Juden dargestellt, als ob sie vom Holocaust profitiert h├Ątten.

Die bissige Art von Zeons Karikaturen hat Zustimmung bei Neonazis und andere Antisemiten hervorgerufen, ebenso allerdings Anzeigen, wonach seine antisemitischen Karikaturen zum Hass aufstacheln w├╝rden, zur Folge gehabt. Seine bekanntesten Werke spielen auf zwei b├Âsartige, antij├╝disch Stereotypen an: der Jude als Kindesm├Ârder und als Satan. Diese beiden Bilder werden gelegentlich als Plakate bei europ├Ąischen "antizionistischen" Demonstrationen genutzt.

Es ist nicht verwunderlich, dass Zeon den ersten Preis f├╝r "Shoah Business" gewann. Das iranische Regime vertritt konsequent die Leugnung des Holocausts. Erst in diesem Jahr hat der oberste F├╝hrer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, ein Video ├╝ber den internationalen Holocaust-Gedenktag ver├Âffentlicht, in welchem die Meinung vertreten wird, dass es unklar sei, ob der Holocaust "Realit├Ąt" war und im Falle, dass er "Realit├Ąt" war, unklar sei, wie er vonstatten gegangen sei. Es ├╝berrascht nicht, dass Khamenei den Internationalen Holocaust-Cartoon-Wettbewerb mitfinanzierte.

F├╝r Leugner und andere Antisemiten bleibt der Holocaust ein Mythos, der von Juden als Teil eines ausgekl├╝gelten Komplotts ausgeheckt wurde, um Macht zu gewinnen und Kritik an ihrem angeblichen, globalen Schaften zu ersticken. Einige der diesj├Ąhrigen Einreichungen f├Ârderten diese Verschw├Ârungstheorie. Eine weitere Vorlage, die besondere Erw├Ąhnung durch die Jury fand, zeigt Juden mit langen B├Ąrten und traditionellen schwarzen Gewand, die eine "Holocaust"-Wurst f├╝r einen keuchenden Pavlovi'schen Hund aufschneiden, der darauf reagiert.

Warum sollten wir uns f├╝r diesen Wettbewerb interessieren? Was in Teheran passiert, bleibt nicht nur in Teheran. Das iranische Regime f├Ârdert eifrig diese Inhalte im Ausland. Und eben diese antij├╝dischen L├╝gengeschichen sind es, die heutzutage antisemitische Gewalt f├Ârdern. Nicht alle Schuld kann auf Teheran abgeschoben werden (leider gibt es viele solcher Quellen der Anstiftung), aber der Cartoon-Wettbewerb gibt solchen Ansichten Legitimit├Ąt und belohnt Karikaturisten f├╝r die Verbreitung von Hass.

Es gibt einen globalen Markt f├╝r solche Propaganda. J├╝ngste Skandale britischer Politiker der Labour-Partei, wonach Zionisten Kinderm├Ârder, Nazis oder die Bogen-Verschw├Ârer seien, die hinter den Attacken des IS steckten, zeigen die Allgegenw├Ąrtigkeit dieser Art von antisemitischer Analogie im zeitgen├Âssischen politischen und ├Âffentlichen Diskurs. An amerikanischen Universit├Ąten trifft man heutzutage auf ├Ąhnliche Rhetorik und st├Ârende Proteste gegen j├╝disch gesponserte Veranstaltungen.

Worte und Bilder haben Folgen - Nichtstun aber ebenfalls. Indem wir die Leugnung des Holocausts und andere Formen des Antisemitismus nicht verurteilen, helfen wir Gleichg├╝ltigkeit zu Hass zu z├╝chten. Im heutigen Klima der zunehmend dreister werdenden Intoleranz k├Ânnen wir uns das nicht erlauben.

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