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Liebesbrief an deinen starken Willen

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Lieber Wille,

Ich wei├č... Es hat etwas gedauert, aber ich muss mich aufrichtig bei dir entschuldigen.

Lange warst du etwas, das mich gestresst hat.
Etwas, das mich ge├Ąrgert hat und mich unsicher gemacht hat.

Lange malte ich mir ein Bild von dir in meinem Kopf, das aussah, wie ein schreiender Riese, wie eine nervige M├╝cke oder wie ein l├Ąstiges Hindernis.

Lange schimpfte ich auf dich und stritt mich mit dir, weil ich immer das Gef├╝hl hatte, dass du mich in Frage stellst... Irgendwie "gegen mich bist" und mir das Leben schwer machst.

Lange versuchte ich, an dir herumzuschrauben und dich zu z├Ąhmen. Eigentlich wollte ich dich schw├Ącher machen, damit du nicht so bedrohlich auf mich wirkst.

Lange rechtfertigte ich diese Dinge, und sagte mir, dass es ja schlie├člich alles deine Schuld ist und ich mich f├╝r dich nun mal nicht so verbiegen sollte... Oder du derjenige sein solltest, der flexibler sein muss - nicht ICH.

Bis zum Tag, an dem ich dich endlich klar sah und verstand.

Einen besseren Freund k├Ânnte ich mir f├╝r mein Kind nicht w├╝nschen.

Du, der Verfechter, das Sprachrohr und der Bef├Ąhiger meines Kindes.

Ich verstand endlich, dass ich dich ganz einfach akzeptieren muss, so wie du bist und so wie du dich ausdr├╝ckst - ohne dich ├Ąndern zu wollen.

Ich verstand endlich, dass ich dich unterst├╝tzen und gut auf dich gut aufpassen muss, damit du nicht zerbrichst. Ohne dich w├Ąre mein Kind ja nur ein Schatten seiner selbst!

Ich verstand endlich, dass sich dein Ausdruck in einiger Zeit ver├Ąndern wird, wenn du reifer bist und du meinem Kind DANN hilfst, seine Interessen, seine Kreativit├Ąt, seine Vision und seine Tr├Ąume umzusetzen.

Ich verstand endlich, dass DU dann der Motor bist f├╝r mein Kind, damit es sich in sozialen Situationen nicht unterkriegen l├Ąsst.

Ich verstand endlich, dass DU dann sein R├╝ckenwind sein wirst, auch wenn es mal l├Ąnger bergauf geht.

Ich verstand endlich, dass DU meinem Kind in vielen Bereichen die Angst vorm Neuen nehmen wirst, damit es sich und seine Talente in dieser Welt freier entfalten kann.

Ich muss mich aufrichtig bei dir entschuldigen.

Ich verstehe jetzt, dass es nicht meine Aufgabe oder mein Recht ist, dich oder die Gef├╝hle, denen du Ausdruck gibst zu ├Ąndern. Ihr geh├Ârt zu meinem Kind und das ist gut und wichtig so.

Ich wei├č jetzt, was meine wirkliche Aufgabe ist:

Dir zuh├Âren und dich so annehmen, wie du bist.

Ich sollte dich mit meinem Willen bekannt machen, auf Augenh├Âhe, ohne Hierarchie oder Rangordnung, so dass ihr euch mal richtig anfreunden k├Ânnt, ohne euch als Konkurrenz zu sehen.

Ich sollte den Dialog zwischen euch er├Âffnen, so dass sowohl dein, als auch mein Wille regelm├Ą├čig Geh├Âr erfahren und sich beide gesehen f├╝hlen und ausgeglichen sind... So das es ok ist f├╝r beide.

Lieber starker Wille, so lernst du auch, mit den anderen vielen Willen der Welt umzugehen und Dinge auszuhandeln... Denn wei├čt du was?

DAS ist der Stoff, aus dem gesunde Beziehungen gemacht sind.

Danke, dass du soviel Geduld hattest mit mir und nicht kaputt gegangen bist.

In ewiger Liebe und Dankbarkeit!

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