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Familiäre Führungskompetenzen - Das unterschätzte Potential Teil 12

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„Harte Schale - weicher Kern"

(hier finden Sie den Teil 11, Teil 10, Teil 9, Teil 8, Teil 7, Teil 6, Teil 5, Teil 4, Teil 3, Teil 2 und Teil 1)

Die Tochter sitzt mit ihrer Mutter am Abendbrottisch.
Wie beinahe jeden Abend erzählen sie sich von ihren Erlebnissen und den Begebenheiten des nun zu Ende gehenden Tages.
Die Tochter wirkt nachdenklich: „Weißt du, Mama. Heute habe ich wieder die Laura, meine Sportkameradin, erlebt. Sie ist ein cooles Mädchen. Doch manchmal hat sie so ´ihre Phasen`. Wenn jemand sie anspricht - auch total nett - und ihr ´passt das grad nicht `oder sonst was, wird sie total aggressiv. Ich mein dann immer, da steht dann ne total andere Laura, ein komplett anderes Mädchen.
Wie kommt denn sowas? Wieso ist die dann so? Ich verstehe das überhaupt nicht."
Die Mutter antwortet behutsam: „Hm, ich verstehe, dass dir das Verhalten, die Reaktion von Laura manchmal ein Rätsel ist. Ich kann deine Frage weder für Laura noch allgemeingültig beantworten. Doch ich kann meine Vermutung mit dir teilen. Magst du eine kleine Geschichte dazu hören?"

„Ein kleines Mädchen besuchte sehr gerne eine ältere Nachbarsfrau. Diese hatte eine wunderschöne Katze. Sie lag im Winter immer auf ihrem Lieblingsplatz an einem Kachelofen in der Küche. Einmal setzte sich das kleine Mädchen zu der Katze und wollte sie streicheln. Behutsam streckte sie ihr Händchen zum Fell der Katze aus. Sobald diese das bemerkte, fauchte sie fürchterlich, sprang auf und rannte weg. Das Mädchen erschrak und fragte die alte Nachbarin, warum die Katze so heftig reagiere. Sie habe ihr doch Gutes tun wollen mit dem Streicheln. Die alte Frau erzählte daraufhin, dass die Katze einmal sehr verletzt worden sei. Unter ihrem Fell verbargen sich Narben, die bei Berührung schmerzten. Darum habe sie Angst davor, von einem Fremden gestreichelt zu werden. Wer die Narben nicht kannte, tat ihr - ohne es zu wollen - weh."

Die Tochter schaut ihre Mutter an: „Ah, verstehe. Dann löst ein bestimmter Satz von uns eventuell bei Laura einen Wutausbruch aus. Hm."

Die Mutter antwortet: „Ja. Menschen tragen oft alte Verletzungen aus der Vergangenheit in sich. Diese erzeugen Unsicherheit, Ängste oder gar Aggression. Sie prägen den Umgang mit anderen Menschen. Wir müssen verstehen: Wenn wir die ´Narben` anderer berühren, sind wir eventuell Auslöser, jedoch nicht Ursache ihres Schmerzes.
Laura wird sich irgendwann einmal fragen müssen, warum ein bestimmtes Verhalten so vehemente Gefühle bei ihr auslöst. Ich wünsche ihr, dass sie dann jemanden hat, der mit ihr Antworten finden mag und eine Lösung finden kann."

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