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Ich bin nicht so eine Mutter

13/01/2016 14:22 CET | Aktualisiert 13/01/2017 11:12 CET

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Ich bin nicht so eine Mama, die auf dem Boden sitzt und stundenlang My Little Pony spielt. Ich bin nicht die Mama, die in Minecraft ganze Städte aufbaut. Ich habe nie gelernt, wie man Pokémon spielt und ich werde es auch nie. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in dieser Hinsicht als Elternteil Nachholbedarf habe.

Ich bin dankbar für meinen Mann, der mit euch voller Hingabe Zeichentrickserien schaut und Videospiele spielt. Ich muss lächeln, wenn ich ihn und die Kinder dabei beobachte, wie sie im Hof Fußball spielen. (Im Hof. Bloß keine Bälle im Haus. Mein Gott.)

Ich muss lachen, wenn sie sich kabbeln und kitzeln und einfach nur spielen, spielen, spielen.

Aber so eine Mama bin ich einfach nicht.

Ich war die junge werdende Mutter, die furchtbare Angst hatte, aber entschlossen, so entschlossen war, euch auf die Welt zu bringen und wie nichts auf dieser Welt zu lieben.

Ich war die alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die Überstunden machte und trotzdem Tanzpartys mit ihren beiden Jungs veranstaltete, bei denen wir aus vollem Halse sangen und unser Lachen so laut wie die Musik ertönte.

Bevor ihr überhaupt geboren wart, war ich die Mama, die Käsekuchen mit Kirschen aß, so dass ich euch tanzen sehen konnte. (Und wegen des Käsekuchens.)

Als ich dich das erste Mal sah, wusste ich, dass dir mein Herz für immer gehören würde. Es folgten zwei weitere süße Babys und noch zwei Mal mehr öffnete ich mein Herz und schloss euch alle darin ein.

Als du klein warst, war ich es, die nicht schlafen konnte, weil ich dich die ganze Zeit anschauen musste. Ich weiß noch genau, wie du dich anfühltest - so winzig, an meine Brust gekuschelt.

Wenn du schläfst, sehe ich dich noch genau vor mir, wie du in deinem Strampelschlafanzug eingerollt dalagst, mit deinem flaumigen Haar und den dunklen Wimpern auf makelloser Haut.

Ich war die Mama, die dich die ganze Nacht sanft geschaukelt hat, deinen Po tätschelte, auf dem Gymnastikball auf- und abwippte und dich durch leises shh, shh, shh beruhigte, wenn du geweint hast.

Ich war die Mama, die bei jeder Beule und jedem blauen Fleck in Panik ausbrach. Ich war die Mama, die die Wehwehchen weggepustet hat. Ich war die Mama, die unzählige Stunden darauf gewartet hat, dass der Gips um einen gebrochenen Arm oder ein gebrochenes Bein aushärtet.

Ich war die Mama, die eure Wunden verarztet hat, wenn ihr euch in den Finger geschnitten hattet (von wegen Kinderschere). Ich war die Mama, an deren Bein ihr euch festgeklammert habt, wenn wir uns Vorschulen anschauten. Ich war die Mama, die Fernunterricht nahm, damit sie von zu Hause arbeiten konnte, weil ihr mich brauchtet.

Ich bin die Mama, die Zettel unterschreibt, Hausaufgaben kontrolliert und Brotdosen packt. Ich bin die Mama, die Arzttermine macht, mit euch zum Zahnarzt geht und an Eltern-Lehrer-Konferenzen teilnimmt.

Ich bin die Mama, die seit Jahren nichts anderes als Second-Hand-Klamotten trägt, damit ihr in der Schule Kleidung tragen könnt, die anscheinend von den berühmten Sportlern der Welt per Hand genäht wurden.

Ich bin die Mama, die dumme Witze macht, schief singt und sich alberner verhält, als sie wirklich ist, um euch zum Lachen zu bringen. Ich bin die Mama, die dieses Lachen gegen nichts in der ganzen Welt eintauschen würde.

Ich bin die Mama, die euch so sehr liebt - mehr als ich jemals sagen könnte. Und diese Mama versucht alles, um euch das zu zeigen.

Aber meistens habe ich das Gefühl, dass ich auch die Mama bin, die versagt.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die sich häufig langweilen

Ich bin die Mama mit chronisch wiederkehrenden Depressionen. Ich bin die Mama mit einer generalisierten Angststörung. Ich bin die Mama mit einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Ich bin die Mama mit chronischer Migräne. Ich bin die Mama mit chronischen Schmerzen. Ich bin die Mama, die öfter zum Arzt als zum Friseur muss. (Hahaha, ich kann mich nicht mal an den letzten Friseurbesuch erinnern. Aber du hast morgen einen Termin.)

Ich bin die Mama, die jeden einzelnen Tag ihr Bestes tut, damit die Dinge erledigt werden, die getan werden müssen, damit du ein ‚normales' Leben führen kannst. Ich bin die Mama, die deine Wäsche macht, auch wenn ich mich zum Sortieren hinsetzen muss.

Ich bin die Mama, die die Wasserrechnung bezahlt, damit du duschen kannst. Ich bin die Mama, die dir deine Fingernägel schneidet und Zahnpasta kauft und nörgelt, dass du Deo benutzen sollst.

Ich bin auch die Mama, die Sachen vergisst. Nichts Großes wie Geburtstage oder Weihnachten, obwohl es schon anstatt Geld ein paar Zeilen von der Zahnfee gab. Aber ich vergesse Dinge, die du mir schon erzählt hast. Ich vergesse, dass du bei deinem Videospiel gestern 58 Touchdowns und einen Freiwurf errungen hast und irgendetwas gespawnt hast...war es ein Huhn? Ich weiß es nicht. Ich habe es vergessen.

Aber ich bin auch die Mutter, die auf einen Blick erkennt, wenn du durcheinander bist. Die dir zuhört, wenn du traurig und wütend bist. Und wenn du glücklich und aufgeregt bist - auch wenn ich vergesse, wie die deine Ponys heißen, wie LeBrons Statistiken sind und wie man alle Pokémon fängt.

Ich bin die Mama, die alle deine Drachen töten will und Feuer spuckt, sollte es jemand nur wagen, dir wehzutun.

Ich bin auch die Mama, der es oft zu schlecht geht, um das Abendessen machen zu können. Ich bin die Mama, die euch zu oft ungesunde Makkaroni und Pizzabrötchen vorsetzt. Ich bin die Mama, die Berge sauberer Wäsche ungefaltet auf dem Sofa liegen lässt, weil ihre Arme so sehr schmerzen.

Ich bin die Mama, die zu schnell überfordert ist. Ich bin die Mama, die flüchtet, wenn alles zu viel wird. Ich bin die Mama, die im Badezimmer weint, wenn ich euch enttäuscht habe.

Ich bin die Mama, die nachts wachliegt und sich Sorgen um euch macht. Ich bin die Mama, die sich wünscht, all eure Umarmungen und all eure „Ich liebe dich" aufbewahren zu können, damit ich sie an Tagen, an denen es keine Umarmungen, sondern nur knallende Türen gibt, hervorholen kann.

Ich bin die Mama, die euch SO SEHR liebt. Ihr seid die Kinder, die jeden Tag mein Leben bedeuten. Ich bin die Mama, die ihr Bestes tut, um die Mutter zu sein, die ihr verdient, auch wenn ich nicht die Mama bin, die ihr euch vielleicht wünscht.

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Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Janine Pecher aus dem Englischen übersetzt.


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