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Mit dieser Art von Müttern will ich nicht mehr diskutieren

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KINDERGARTEN GETRENNT TRENNUNG
MICHAELA REHLE / REUTERS
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Von Katja N.

Es tobt wieder einmal der Kampf zwischen den Fronten. Zwischen Impf-Befürwortern und Impf-Gegnern. Und ich wollte mich dieses eine Mal raushalten. Dieses eine Mal wollte ich auf Durchzug stellen und nicht meine Meinung dazu - die wirklich und wahrhaftig unumstößlich und alternativlos ist - in die Blogwelt tragen... Tja. Wie ihr seht, ist es mir nur halb gut gelungen, meine Klappe zu halten.

Masern nehmen also wieder Überhand. Soweit, so Scheiße. Ich würde jetzt an dieser Stelle gerne eine Diskussion darüber anregen, warum Impfungen sinnvoll und wichtig sind. Aber ich tue es nicht. Und warum? Weil eine Grundlage notwendig ist, um über biologische und medizinische Fakten zu debattieren - und um deren Wirkungsweise überhaupt anzweifeln zu können. Aber leider geht es hier nicht um Sinn oder Unsinn, um Pro und Contra. Es geht nicht um das, was jemand besser oder schlechter findet. Aber um was geht es dann?

Masern nehmen also wieder Überhand. Soweit, so Scheiße.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die nicht an Bakterien und Viren „glauben", nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die behaupten, es gäbe keine Ansteckung, nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die die Schulmedizin und die böse Pharma-Industrie ablehnen, weil sie unter akutem Verfolgungswahn leiden, nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die Hunderte von Euro im Jahr für Heilpraktiker, Globuli und Wunderheiler ausgeben, der Pharma-Industrie aber pure Geldmacherei vorwerfen, nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die die einfachsten wissenschaftlichen Fakten, die jeder mit eigenen Augen unter dem Mikroskop sehen kann, anzweifeln und nicht daran „glauben", nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die keine Zahnpasta benutzen und Impfungen ablehnen, weil da „böse Stoffe" drin sind, die die Weltherrschaft an sich reißen und uns alle vergiften wollen (also die Pharmaindustrie), aber Zuckerkügelchen mit aufs nicht mehr Nachweisbare runterreduzierten Giftstoffen (Belladonna ist z.B. auch tödlich) als Allheilmittel ansehen, nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die mir vorwerfen, ich würde den falschen Quellen (Pharmaindustrie und StIKo) blind vertrauen, aber selbst selbsternannten Gurus hinterherrennen und alles vorbehaltlos nachquatschen, nicht diskutieren kann.

Ich bin für getrennte Kindergärten und Kitas.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die nachweislichen Impfschutz leugnen, die Risiken der Ansteckung (an die ja nicht geglaubt wird) mit Viren (an die ja nicht geglaubt wird) für Noch-Nicht-Geimpfte oder Kinder mit Immunschwäche in Kauf nehmen (weil das ja nichts mit alldem zu tun hat), nicht diskutieren kann.

Es geht darum, dass ich mit Menschen, die es nicht schlimm finden, wenn hunderte Kinder eine Krankheit bekommen, die sie nicht bekommen müssten, aber bei jedem vermeintlichen Impfschaden (Fieber nach der Impfung, rote, harte Stellen, Weinen, quersteckender Pups) laut schreien, nicht diskutieren kann.

Es geht um so viel mehr als um Ignoranz und Intoleranz. Es fehlt die Basis. Für meine Seite - und für die Gegenseite. Wie mein Mann so schön sagte: „Man kann nicht mit jemandem über die Planetenbewegungen diskutieren, der die Schwerkraft ablehnt."

Ich will auch gar nicht mehr diskutieren. Für mich gibt es da auch nichts mehr zu diskutieren. Ich bin für getrennte Kindergärten und Kitas. Für die Geimpften. Und die Impfgegner. Ende. Aus. Und ginge es nicht um das Leben von Kindern, wäre ich auch dafür, dass Kliniken und Ärzte alle Gegner der Schulmedizin in Notfällen mit dem Satz abweisen würden

„Oh, Sie sind Impfgegner und glauben nicht an die Schulmedizin? Dann können wir hier leider nichts für Sie tun."

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Müttermagazin.

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Geht Impfen!

Kaum ein Thema spaltet die Elternschaft so sehr wie das Impfen. Es ist ein Thema, bei dem die sonst so harmonischen Elternforen zu Kriegsgebieten werden. Beide Seiten - die Impfbefürworter und die Impfgegner - werfen der jeweils anderen Kindesmisshandlung vor, nennen sich gegenseitig Verbrecher und sogar Mörder. Es gibt auch genügend Mythen und Horrorgeschichten, auf die sich beide Fronten berufen.

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