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Warum mir mein Mann wichtiger ist als meine Kinder

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Bevor ich schwanger wurde, habe ich mir immer vorgestellt, welche Art von Mutter ich sein würde; ich wollte ein bisschen was von Carol Bradys Geduld haben, ein wenig Humor von Claire aus der Serie Modern Family. Und als Tüpfelchen auf dem i wollte ich auch ein bisschen so sein wie Peggy Bundy aus Eine schrecklich nette Familie. Ich wusste von vornherein, dass ich nicht so werden würde wie June Cleaver aus Erwachsen müsste man sein; denn mir fehlt das Hausfrauen-Gen und damit auch die Fähigkeit, jeden Abend ein kreatives Abendessen auf den Tisch zu zaubern. Und ich besitze nicht mal Perlen.

Als 2009 Baby Nummer Eins im Anmarsch war, habe ich realistische Erwartungen an mich als Mutter gesetzt. Und an uns als Paar. Denn wozu soll ich mir Ziele stecken, die ich nicht erreichen kann? Natürlich wollte ich die beste Mutter sein, die ich konnte. Aber ich wollte mich nicht aufgeben und mich nur noch um meine Kinder kümmern. Und mich deswegen von meinem eigenen Mann entfremden - oder von mir selbst. Als ich damit kämpfte, eine Balance zwischen diesem Vorhaben und der Realität zu finden, bemerkte ich erst, welche vordefinierten Erwartungen die Gesellschaft, und insbesondere andere Mütter, an mich stellte.

Ein Artikel mit dem Titel „Stellen Sie Ihren Mann an erste Stelle" von Amber Doty zweifelt an diesen drögen Vorstellungen, die man von der perfekten Mutter hat. In ihrem Beitrag trifft Doty die überraschende Aussage, dass ihr Mann ihre oberste Priorität ist:

Ich verstehe natürlich, dass eine Ehe vergänglicher ist als diese untrennbare Verbindung zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Aber ich denke, dass meine Investition in unsere Beziehung sich positiv auf unsere Familie auswirkt. Wenn ich die Bedürfnisse meines Mannes in den Vordergrund stelle, ist es weniger wahrscheinlich, dass wir uns scheiden lassen und unsere Kinder somit in einem intakten Familienhaus mit beiden Eltern aufwachsen.

Als ich diesen Abschnitt las, nickte ich zustimmend vor mich hin. Elternsein ist schwierig, und ganz ehrlich, ich möchte meine Kinder nicht ohne meinen Partner großziehen. Ich habe mich daran erinnert, wie oft ich die Bedürfnisse meines Mannes vor die unserer Kinder gestellt habe und - sitzen Sie gerade? - an die seltenen Tage, in denen ich meine Bedürfnisse vor die aller anderen stellte. Es steht außer Fragen, dass ein Abendessen mit Freunden oder eine Verabredung mit meinem Mann uns hilft, wenn das Elternsein mal wieder besonders turbulent ist.

Das Argument der Autorin - und dem stimme ich voll zu - ist, dass sie und ihr Mann ein Team sind, und dass Gewinnerteams alles gemeinsam machen und eine offene Kommunikation pflegen. Natürlich ist gerade der zweite Punkt oft nicht leicht zu realisieren, wenn die Kinder ständig die Unterhaltung stören (und auch die Zeit, die man zu Zweit hat). Es ist also umso wichtiger, dass man sich Zeit nimmt. Ohne Kinder. Es tut mir leid, Kinder, aber manchmal würde Mami eben lieber mit Papi auf dem Sofa kuscheln statt das elfte Mal Candy Land zu spielen.

Macht uns das zu einer schlechteren Mutter?

Ja. Zumindest sagen das die vielen bissigen Kommentare, die einige anonyme (wen wundert es!) Leser veröffentlichten. Viele waren unzufrieden mit der Idee, dass „Mütter aus lauter Selbstsucht ihre Kinder vernachlässigen" und sich „nur noch um ihren Ehemann kümmern". Andere konnten sich einfach nicht vorstellen, warum eine Frau Kinder hat, um sie dann nicht in den absoluten Fokus zu stellen.

Lassen Sie mich das klarstellen: Wenn unsere Kinder der einzige Grund sind, warum wir leben, dann werden sie als selbstsüchtige, rechthaberische Quälgeister aufwachsen, die nicht verstehen, wie man seine Zeit oder seine Besitztümer mit jemanden teilt oder einem anderen etwas Gutes tut.

Wenn wir unseren Kindern sagen, dass sie eine Minute warten sollen oder wenn wir einfach mal „Nein" sagen, dann wird das ihrem heranwachsenden Selbstbewusstsein nicht schaden. Wenn man dem anderen Elternteil Liebe und Aufmerksamkeit schenkt, wird es ihre Psyche nicht negativ beeinflussen. In Wahrheit ist es genau das Gegenteil. Wenn wir unserem Partner und manchmal auch uns selbst den Vorzug geben, leben wir damit unseren Kindern vor, respektvoll mit sich und mit anderen umzugehen. Wenn sie sehen, dass ihre Eltern sich hin und wieder um die Bedürfnisse des anderen kümmern, dann bringt ihnen das vielleicht sogar mehr über Geduld und Mitgefühl bei als alles andere. Ich verstehe nicht, was daran selbstsüchtig sein soll. Im Gegenteil, es klingt eigentlich nach einer ziemlich brillanten Erziehungsmethode.

Ich sage nicht, dass Sie den nächsten Flieger nach Paris nehmen oder einen Kochkurs besuchen sollen, während Ihre Kinder gerade ihren Schulabschluss machen. Aber wenn Sie die Kinder eine Nacht zur Großmutter schicken, macht Sie das nicht automatisch zu "schlechten Eltern".

In einer gesunden Ehe und einer glücklichen Familie können all diese Dinge nebeneinander existieren: Wertschätzung für den Partner, Liebe für die Kinder und Zeit für sich selbst. Wenn Sie ein Haus bauen ist ein festes Fundament das wichtigste. Deswegen wird für mich die Beziehung zu meinem Mann auch weiterhin wichtiger sein als die zu meinen Kindern.

Als Eltern ist es unser Ziel, dass wir in Zukunft gesunde, glückliche Kinder haben die nicht von uns abhängig sind. Und vielleicht ein Ferienhaus. Als Paar hoffen wir, dass wir nicht irgendwann am Küchentisch sitzen, uns anschweigen und uns nach 50 Jahren Ehe nicht mehr wieder erkennen. Und als Frau bin ich stolz darauf, dass ich den Titel Frau und Mutter trage. Aber bevor ich geheiratet habe, war ich einfach Stephanie. Und ich weigere mich, mich selbst aus den Augen zu verlieren.

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Dieser Beitrag erschien zuerst bei When Crazy Meets Exhaustion. Sie finden Stephanie auf Facebook.

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