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Mach's mir nochmal. Oder doch nicht?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MOTHER BABY FILTER
Eternity in an Instant via Getty Images
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Baby #1 wĂ€chst. Und alle fragen: Wollt ihr noch eins? Über den Versuch, eine emotionale und doch beruflich vertrĂ€gliche Antwort zu finden.

Die Frage nach dem zweiten Kind kam, als ich gefĂŒhlt gerade erst mit Nummer eins aus dem Kreißzimmer entlassen worden war. Seither schwanke ich zwischen einem euphorischen "Sofort! Es gibt nichts Abgefahreneres" und einem ĂŒberforderten "WTF?!".

Parallel dazu versuche ich herauszufinden, wann man als Mutter genug Runden gefahren ist, um wieder aus der Achterbahn der GefĂŒhle aussteigen zu dĂŒrfen. Ich meine: Das kann doch nicht ewig so weitergehen, oder? Bisher haben alle Befragten die Aussage verweigert.

Dabei hĂ€ngt von dieser einen Antwort fĂŒr mich sehr viel ab. Wird Baby #1 mit zwei Jahren schon so selbststĂ€ndig sein, dass mir bei Baby #2 genau so viel Zeit bleibt die Schwangerschaft zu genießen und jeden noch so winzigen Moment im ersten Lebensjahr fotografisch festzuhalten?

Oder sollten wir lieber warten bis Baby #1 so selbststÀndig ist, dass ich ihm nicht mit vielen "Neinneinneins" erklÀren muss, dass Griesbrei nicht in die Haare gehört, selbst dann nicht, wenn er statt mit dem Löffel mit den Fingern bis in die Wurzeln einmassiert wird?

Wie steht es um die Geschwisterliebe?

Aber wie sieht es dann mit der Geschwisterliebe aus, wenn wir noch lĂ€nger warten? Kann ich sie dann mal zu zweit irgendwo harmonisch spielend parken und sich selbst ĂŒberlassen, wĂ€hrend ich einen Kaffee trinke oder aufs Klo gehe (nur ein einziges Mal ganz allein, bitte)? Und ab wann darf man Außenstehenden zustimmen, die gern pauschal behaupten "Was? So lange wollt ihr warten? Dann habt ihr zwei Einzelkinder!"?

Wenn wir im Baby-Gremium darĂŒber beraten, kommen wir - wie so oft, wenn es um Kinder geht (und Kinder reden auch indirekt IMMER mit, sobald man welche hat) - zu dem Schluss, dass es keine Pauschalantwort gibt. Verdammt!

Auf emotional-rationalener Ebene kommen wir hier also nicht weiter. Ich versuche deshalb seither, die Frage auf dem rein rationalen Weg zu beantworten. Und plötzlich ist diese wunderbare Geschichte von den BlĂŒmchen und Bienchen ĂŒberhaupt nicht mehr so hĂŒbsch rosarot mit Mascherl.

Tatsache ist, dass ich mir derzeit so viele Gedanken ĂŒber das Arbeitsleben von Frauen und MĂ€nnern mit Kind mache, wie ich es bei Baby #1 nicht mal ansatzweise getan habe. Vermutlich, weil ich mittlerweile Experte fĂŒr diverse AbgrĂŒnde bin, die sich vor einem auftun. Hier ein klitzekleiner, auf die dramatischen Highlights fokussierter Blick in mein Gedanken-Karussell.

Mittelfristiges Ziel ersetzt große Vision? Face it!

Schon mit einem einzigen kleinen Kind kann man beruflich nicht unendlich in den Himmel wachsen. Dass ich nicht gerne auf etwas warte und ich mit Vorliebe PlĂ€ne in beachtlichen Dimensionen schmiede, prĂ€destiniert mich nicht wirklich fĂŒr die entspannte Mama mit Job, die sich mit MittelmĂ€ĂŸigkeit zufrieden gibt.

NatĂŒrlich: Dass man gerade in den ersten Wochen, Monaten, Jahren als Mama ein Projekt am Laufen hat, das grĂ¶ĂŸtmöglichen Einsatz erfordert (und verdient!), steht außer Frage.

Aber wenn ich daran denke, dass meine großen beruflichen TrĂ€ume noch lĂ€nger auf Eis liegen, wenn wir unsere Familie erweitern, schrumpeln meine Eierstöcke. Das spricht entweder fĂŒr ein Einzelkind oder dafĂŒr sofort nachzulegen, um nur möglichst kurz in der beruflichen Warteschleife zu hĂ€ngen.

Angenommen, wir wĂ€hlen Variante B: Haben wir bei Baby #2 nochmal so viel GlĂŒck oder sorgt das Universum fĂŒr Gerechtigkeit in Form eines nicht ganz so entspannten Charakters? Bleibt mit zwei Kindern wenigstens noch ein bisschen Zeit, um AuftrĂ€ge zu ĂŒbernehmen, oder falle ich dann fĂŒr einige Zeit beruflich komplett aus? Ist es gemein, Baby #1 frĂŒhzeitig in den Kindergarten zu geben, damit es daheim Ă€hnlich ablĂ€uft wie bisher, nur halt mit Baby #2?

Bevor Sie jetzt etwas sagen: Ja, danke, ich weiß, dass es auch darauf keine allgemeingĂŒltigen Antworten gibt.

Familienfreundliche Arbeitgeber? TrÀum weiter!

Wenn man Mama ist, entwickelt man eine Menge Allergien. Ich reagiere zum Beispiel dezent allergisch auf den Wissensaustausch mit Wildfremden, wenn es um mein Kind geht ("Also wissens, bei dem Wetter  - Anmerkung der Autorin: 30 Grad im Schatten - mĂŒssens dem Bub aber schon a Hauberl aufsetzen. Im ersten Jahr geht ma net ohne Hauberl aus dem Haus.")

Phasenweise bekomme ich auch Ausschlag von den Putzmitteln, mit denen ich dreimal tĂ€glich den KĂŒchenboden wische, seit der Kleine so groß ist, dass er selber essen will. Aber das fĂ€llt schon fast unter Situationskomik.

So richtig, richtig, RICHTIG allergisch reagiere ich mittlerweile darauf, wenn Unternehmen sich auf die Fahnen schreiben, familienfreundlich zu sein. Ist es wirklich im Sinne der Familie, wenn man als mĂ€nnlicher Arbeitnehmer der (entfernt bekannten) Kollegin Erziehungstipps gibt Ă  la "Also ich an deiner Stelle wĂŒrde schon lĂ€nger beim Baby daheim bleiben, bevor ich wieder in den Job einsteige"?

Dass Frauen es da nicht leicht haben, ist ein alter Hut. Aber VÀtern geht es nicht besser. Nicht selten bekommen sie sehr direkt gesagt, dass sie sich aufs berufliche Abstellgleis stellen, wenn sie in Karenz gehen und, Gott bewahre, danach womöglich auch noch Stunden reduzieren.

Familienfreundlichkeit ist leere Versprechung

Aber wenn dann eine Firmenfeier ist, dann laden wir natĂŒrlich auch die Heimchen am Herd samt Kindern ein und rĂŒhmen uns anschließend in sozialen Netzwerken mit vielen Fotos dafĂŒr, dass wir so wahnsinnig lieb zu den Mamis und Papis sind, fĂŒr deren Gleichberechtigung sind. Zumindest zu Werbezwecken

Im Namen aller Allergiker fordere ich eine unabhĂ€ngige PrĂŒfstelle, die kontrolliert, ob hinter Mitarbeiterköderungen mit Familienfreundlichkeit keine leeren Versprechen stecken. Firmen, die dagegen verstoßen, sollten mit entsprechenden Kennzeichen ausgestattet werden. So wie beim Schnitzel mit Panier. Nur dass halt dann hinter dem Firmennamen etwas steht in die Richtung "F, *, *, *, Y, O, U".

Kurz: Viele Arbeitgeber erleichtern uns die Entscheidung, ob Kind oder nicht beziehungsweise ob Kind Nummer zwei, drei, vier, fĂŒnf ... oder nicht. Allerdings selten zugunsten der Kinder.

Nach der Resignation die Konvention? Sicher nicht!

Mein Mann ist Feminist. WĂ€re er es nicht, hĂ€tte ich ihn nicht geheiratet. Sich den Partner vor der Kinderproduktion genau anzusehen, schĂŒtzt aber leider nicht davor, an patriarchalen Strukturen zu scheitern.

Als Mann erntet man mancherorts immer noch schiefe Blicke, wenn man mehr Zeit daheim bei der Familie verbringen möchte. Blicke kann man ja ignorieren. Aber bei Zweifeln, die dabei aufkommen und tief im eigenen Inneren pochen, ist das schon sehr viel schwieriger: Geht es sich finanziell aus, wenn keiner von uns Vollzeit arbeitet? Wie takten wir die Arbeitszeit?

Wer kĂŒmmert sich sonst noch um die Kinder? Wann bleibt bei diesem ganzen Organisationsaufwand noch Zeit fĂŒr uns als Paar? Sich so viele Fragen auf einmal zu stellen, auf die es keine Pauschalantworten gibt, verursacht ziemlich viele graue Haare, und stĂ€ndig zu versuchen einen anderen, neuen, zielfĂŒhrenden Weg fĂŒr ein altbekanntes Problem zu finden, wĂ€hrend alle rundherum die Augenbrauen hochziehen, fördert Sodbrennen.

Das Schockierende ist: An machen Tagen finde ich dieses ganze GrĂŒbeln so furchtbar anstrengend, dass ich mir denke "Ach, scheiß drauf, dann soll mein Mann Karriere machen und ich begnĂŒge mich mit den wenigen beruflichen Möglichkeiten, die mir dann noch bleiben."

Familienmodelle sind nicht zeitgemĂ€ĂŸ

Doch dann gewinnt das System -  was ich auch aus Fairness gegenĂŒber meinem rebellischen, unangepassten Ich ebenso wenig zulassen kann, wie aus Fairness gegenĂŒber meinem Mann. Ich verdiene es, nicht nur die JobkrĂŒmel unterm Tisch serviert zu bekommen. Und mein Mann verdient es, so viel Zeit mit unserem Sohn zu verbringen wie ich.

Also was tun gegen all die Familienmodelle, die fĂŒr viele von uns nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ sind? Vermutlich mĂŒssen sich erst mal alle Frauen und ganz besonders alle MĂ€nner, die sich ein gleichberechtigtes Erziehungs- und Beziehungsleben wĂŒnschen, dickere Eier zulegen.

Denn die braucht es, um fĂŒr das kreative und vielleicht auch unkonventionelle Lebensmodell einzustehen, mit dem man sich wohl fĂŒhlt. Immerhin ĂŒbernehmen wir als Eltern verdammt viel Verantwortung, die mit pausenlosem Entscheidungentreffen verbunden ist. Und Zweifel, die irgendwann zu Resignation fĂŒhren, können wir echt nicht gebrauchen.

Ich habe ĂŒberlegt, selber ein kleines Zeichen fĂŒr mehr LebensplanungskreativitĂ€t zu setzen und meinen Yogakurs fĂŒr Mama und Baby umzubenennen in 'Yoga fĂŒr Eltern und Babys'. Der erste Mann, der sich ganz selbstverstĂ€ndlich anmeldet und keine Tausend Likes fĂŒr das entsprechende Foto im Firmenintranet erwartet, erhĂ€lt von mir ein Zertifikat.

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Obwohl ... Klassische Mama-Angebote zu gendern ist ebenso ein Zeichen, wie sich als Mann fĂŒr so ein Angebot anzumelden. Auf beides darf man ruhig stolz sein. Tue Gutes und sprich darĂŒber, denn diese Gesellschaft hat jede öffentliche Infragestellung von Rollenbildern immer noch dringend nötig.

Und jetzt?

Bleibt die Frage nach Baby #2. Aktuell tendiere ich dazu, es einfach mal zu versuchen. Schwerer als mit einem Kind kann das Job-Ding doch nicht sein. Andere Frauen haben das doch sicher auch ohne Nervenzusammenbruch geschafft (viele vermutlich sogar schaffen mĂŒssen), wieso sollte ich das dann nicht hinbekommen? Andererseits: Kann man es mit einem zweiten Kind einfach mal so "versuchen"?

Und - verdammt - hört man ab einem gewissen Alter der Kinder eigentlich auf, sich als Eltern stĂ€ndig irgendwelche Fragen zu stellen, die keiner beantworten kann, außer der Bauch?! Liebe Leserschaft: NotlĂŒgen Ihrerseits sind an dieser Stelle erwĂŒnscht.

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