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Warum Batman keine Kinder hat

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BATMAN
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Vom Versuch, die Welt alleine zu retten, und der Erkenntnis: Das geht sich weder zeitlich noch kraftmĂ€ĂŸig aus.

Dass mein Mann nicht nur mit einer Schlagbohrmaschine umgehen kann, sondern auch mit einem BĂŒgeleisen, hat mir schon bei unserem Kennenlernen weiche Knie beschert. Und auch heute noch finde ich es ziemlich mĂ€nnlich, dass er sich redlich bemĂŒht unseren Arbeits- und Familienalltag fifty-fifty zu gestalten. Manchmal braucht es dazu zwar ein paar sanfte Erinnerungen und gelegentlich kleinere NervenzusammenbrĂŒche meinerseits, aber immerhin.

Auf unserem Weg in Richtung Gleichberechtigung sind wir zuletzt ein großes StĂŒck weitergekommen. Das liegt vor allem daran, dass der Sommerurlaub von einem  - sagen wir mal - etwas grĂ¶ĂŸeren Nervenzusammenbruch geprĂ€gt war.

Bis zum Tag vor der Abreise habe ich noch gearbeitet wie eine Blöde und sĂ€mtliche AuftrĂ€ge  - bei allen ging es natĂŒrlich um Leben und Tod, was denn sonst -  irgendwie eingezwickt. Doch es war nicht dieser temporĂ€r hohe Druck, sondern die Tatsache, dass sich das Tempo ab dem ersten GeschĂ€ftstermin kurz nach der Geburt unseres Sohnes laufend gesteigert hat.

Das wurde mir zu diesem Zeitpunkt das erste Mal klar. Im Urlaub dann der Breakdown. Als hĂ€tte jemand eine Sektflasche mit aller Gewalt geschĂŒttelt und ihr anschließend den Hals abgeschlagen, entlud sich der Stress des letzten Jahres explosionsartig.

Ausflug ins Land der Ausgebrannten

Die Wahrheit ist: Ich war mit meiner Kraft am Ende. Ich hatte weder Lust auf diese ganze Familienidylle noch darauf, in meinen Job zurĂŒckzukehren. Am liebsten hĂ€tte ich meinen Koffer ein weiteres Mal gepackt, um noch viel, viel weiter weg zu fahren. Alleine.

Doch es wĂ€re eine Flucht gewesen und hĂ€tte das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben. Die letzten Tage des Urlaubs konnte ich dann doch noch entspannen ,  indem ich die freie Zeit dazu nutzte mir zu ĂŒberlegen, was sich Ă€ndern musste.

Mir wurde sehr schnell klar, dass es leider unmöglich ist, die Welt alleine zu retten - vor allem als Mutter (ich glaube, deswegen haben Batman und Co keine Kinder). Eines war klar: Ich brauchte UnterstĂŒtzung.

Daheim angekommen, organisierte ich mir einen GĂ€rtner, eine Freundin kĂŒmmerte sich um meine Abrechnungen, meiner Mama brachte ich zum ersten Mal bereitwillig die BĂŒgelwĂ€sche vorbei und ich plane seither zwischen den einzelnen Projekten mehr zeitlichen Puffer ein.

Als Außenstehender wird man sich vermutlich nicht wundern, wenn ich sage, dass es sich verdammt gut anfĂŒhlt, nicht alles selber zu machen. Ich allerdings war anfangs ĂŒberrascht. Ich komme aus einer Selbermacher-Familie, in der Fleiß und Perfektion einen hohen Stellenwert haben.

Mir war mulmig zumute, als ich die Mail an meine Freundin schickte, in der ich ihr kurz erklĂ€rte, welche Rechnungen wie verschickt werden mussten. Und kurz bevor der GĂ€rtner das erste Mal kam, habe ich noch ĂŒberlegt, ihm abzusagen und die StrĂ€ucher doch selber zu stutzen. WĂŒrde schon irgendwie gehen, in einer von Söhnchens mittlerweile knapp bemessenen Schlafphasen, zwischen Mittagessenkochen, KundenrĂŒckrufen und Partnerschaftspflege ...

Kind on top

Ja, es geht schon irgendwie, alles selber zu machen. Aber nicht gut und auch nicht besonders lange. Dass ich als Mutter nicht nur verantwortlich fĂŒr mein GlĂŒck bin, sondern auch fĂŒr das meines Kindes, ließ mich in den letzten Wochen vieles ĂŒberdenken.

Das Ergebnis, zu dem ich kam, war ernĂŒchternd: Ich gestalte meinen Alltag, als wĂŒrden mein Mann und ich halbe-halbe machen, so wie frĂŒher. Nur, dass wir in Wahrheit weitermachen wie vor dem Kind und die Elternsache zusĂ€tzlich schmeißen.

Meine Arbeitslast war und ist so hoch wie vor der Geburt, nur dass ich jetzt noch bemĂŒhter bin als zuvor, den Haushalt perfekt zu managen -  immerhin ist das das Umfeld, in dem unser Kind aufwachsen und sich geborgen fĂŒhlen soll. Und natĂŒrlich auch noch die Kinderbetreuung selbst!

Mir ist schleierhaft, wie ich das so lange ausgehalten habe. Jedenfalls reichte es mir im Urlaub. Und das merkte auch mein Mann. Ich liebe ihn noch mehr als ohnehin schon dafĂŒr, dass er nach dem Urlaub keine hundert Erinnerungen gebraucht und nicht lange gefackelt hat, um zur EntschĂ€rfung der Lage beizutragen.

➚ Mehr zum Thema: Bekenntnis einer erschöpften Mutter

Er ist zu seinem Chef gegangen und hat gesagt: "Ab sofort möchte ich Stunden reduzieren und ab MĂ€rz gehe ich fĂŒr vier Monate in Karenz." Und sein Chef? Der sagte "okay". Seither hat mein Mann noch mehr Zeit, sich um unseren Sohn zu kĂŒmmern, zu kochen und zu putzen - ohne dass er sich diese Zeit irgendwie abzwicken muss, was mit zusĂ€tzlichem Stress verbunden wĂ€re.

Sogar in der Spielgruppe waren meine MĂ€nner schon zweimal zusammen  - und sorgten damit fĂŒr großen Wirbel (und Neid), weil kein Vater vor ihm es gewagt hat. Mein Mann findet's gut. Und ich sowieso. Zwar zog ich die Augenbrauen hoch, als er voller Euphorie zu unserem Sohn sagte: "Toll, dann machen wir einmal in der Woche einen Vater-Sohn-Projekttag und unternehmen etwas Spannendes!"

Aber eigentlich weiß ich, dass ihm klar ist, dass der Alltag mit Kind nicht nur aus Abenteuern besteht und ich keine Lust habe, abends dann erst recht alles selber sauber machen zu mĂŒssen. Zumindest hoffe ich, dass er das weiß ... Vermutlich ist das nur die AnfĂ€nger-Euphorie, die man als erfahrener Karenzler belĂ€chelt.

Heute umdenken, morgen Gleichberechtigung

Von Fifty-fifty sind wir zwar immer noch weit entfernt, aber wir nÀhern uns an. Und das gibt mir neuen Schwung. Und wann immer ich mir einbilde, es sei SchwÀche, meinen Mann oder andere in die Pflicht zu nehmen, dann weise ich meinen Ehrgeiz vehement in die Schranken.

Denn eines vergesse ich (und ganz bestimmt auch viele andere Frauen) hĂ€ufig: Bloß, weil wir uns um die Kinder kĂŒmmern und zum Lebensstandard der Familie auch finanziell beitragen wollen, ist Erschöpfung nicht allein unser Problem.

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Ich hoffe, dass es irgendwann keine ausgebrannten Frauen mehr braucht, die das Wort fĂŒr ihre MĂ€nner ergreifen und ihnen diktieren, was sie zu tun haben, damit die Gleichberechtigung möglich wird, die beide Partner wĂŒnschen und schĂ€tzen.

Bis dahin habe ich noch einiges zu tun. Beispielsweise die Zahl der familienunfreundlichen Yoga-Abendkurse sukzessive zu reduzieren und mir fĂŒr gewisse Textaufgaben UnterstĂŒtzung zu suchen.

Ich weiß jetzt schon, dass dazu einige KĂ€mpfe mit meinen tief verwurzelten Prinzipien nötig sein werden. Aber ich werde Übereifer und Perfektionismus nicht gewinnen lassen. Mein Wohl und das Wohl meiner Familie sind mir mehr wert.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf medium auf deutsch.

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