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Der Tag, an dem ich aufhören wollte, aufzuräumen

15/02/2016 11:23 CET | Aktualisiert 15/02/2017 11:12 CET
Smith Collection via Getty Images

Ich muss mal kurz erklären, dass ich die letzten 5 Jahre bei und mit meinen Kindern zuhause war. Der Haushalt und alles was dazugehört, liegt in meiner Hand. Ich koche, putze, wasche, erledige die Einkäufe, beschäftige die Kinder usw.

Mein Mann arbeitet viel und oft lange, daher hab ich grundsätzlich auch kein Problem damit, dass ich alles mache. Aber dennoch hat mein Mann eine einzige Aufgabe. Autoputzen.

Ich hasse Autoputzen, und ich finde auch, dass das einfach eine Männeraufgabe ist. Soweit so gut - zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht nämlich so aus...

Der ganz normale Wahnsinn im Leben einer Mutter

Um allerspätestens 7 Uhr morgens weckt mich eins der Kinder, meist der Große. Also raus aus den Federn. Dies fällt mir, auch nach fast 6 Jahren Mama sein, immer noch schwer: Sofort auf zu müssen. Früher brauchte ich für das aufstehen, schon mal ne halbe Stunde, dies geht ja mit kleinen Kindern nicht mehr.

Natürlich wachen dann auch die anderen beiden Jungs auf. Frühstück steht auf dem Plan. Ich räume also alles her, schnipple Obst und Brot, richte Milch und Müsli. Schenke Getränke ein.

Es dauert keine 5 Minuten bis eins der Kinder entweder sein Glas umschüttet, oder sich mit Joghurt bekleckert. Wenn dann alle fertig gegessen haben, räume ich den Tisch ab, fülle die Geschirrspülmaschine, wische den Tisch ab. Hole den Staubsauger, denn unterm Tisch könnte sich sonst locker eine Horde Schweine 2 Tage lang ernähren.

Nach dem Frühstück geht es ab ins Bad - waschen, Zähne putzen und Schlafanzug ausziehen. Was für ein Theater. Die Schlafanzüge der Großen sind im gesamten Erdgeschoss verteilt. Teils finde ich Socken noch Tage später an den kreativsten Plätzen.

Wenn dann endlich alle angezogen sind, mache ich die Wäsche. Eine never ending Story...

Sie bauen die wildesten Türme aus den verschiedensten Spielsachen. Wenn sie umfallen, bleiben sie liegen.

Kurz danach beginnt das selbe Spiel mit dem Mittagessen. Kochen, Tisch decken, ausgeschüttetes aufwischen, Kinder wieder säubern, Tisch abräumen, saugen usw.

Am Nachmittag ist Spielzeit. Ich brauch euch glaube ich nicht wirklich erzählen, wie die Kinderzimmer nach 2 Stunden intensivsten Spielen von 3 Kindern aussehen.

Der Kleine leert momentan alles aus. Wirklich alles. Lego Duplo, Bausteine, Sammelkarten, Autos - ALLES.

Der Große und der Mittlere bauen die wildesten Türme und Bauwerke aus den verschiedensten Spielsachen. Wenn sie umfallen, bleiben sie liegen. Was soll´s.

Aber dann komme ich und sage das wohl schlimmste Wort für meine Kinder:

AUFRÄUMEN

Oh Gott, wie kann ich nur, das Drama bricht aus. Der Kleine weint und ist so müde, dass er nicht mal mehr laufen kann. Der Mittlere sitzt bockend am Boden und räumt sowieso nicht auf. NIE. Der Große räumt zwei Teile weg und beschwert sich, dass immer nur er aufräumen muss.

Doch genug ist genug: Macht doch was ihr wollt!

***

waaahhhhh, es reichte mir. Wirklich. Normalerweise versuchte ich immer spielerisch die Kinder zum aufräumen zu bewegen, machte es vor usw. Es dauerte immer ewig lange.

Doch heute hatte ich genug. Ich wollte nicht mehr. Hatte die Nase voll. Also sagte ich: Mir doch egal. Ich gehe jetzt runter. Macht doch was ihr wollt.

Drama seitens der Kinder. Ich ignorierte es tapfer. 20 min lang. Saß ich im Wohnzimmer und versuchte das Kinder-Aufräumdrama auszublenden.

Um mich abzulenken, wollte ich mir eine Zeitschrift holen, die ich mir am Vortag gekauft hatte. Doch dann bemerkte ich, dass ich diese im Auto vergessen hatte.

Im Auto das mein Mann eigentlich gestern noch putzen sollte. Also nicht so klinisch rein, aber doch so putzen, dass man ohne sich zu schämen wo hin fahren könnte.

Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Mann.

Als ich die Autotür aufmachte, trat Wut in mir hoch. Das Auto war natürlich nicht geputzt. Nicht mal ein wenig. Ich war so sauer, dass ich beschloss nie mehr aufzuräumen. Sollten die Männer des Hauses die Arbeit doch mal alleine machen. Ich würde bestimmt nicht mehr...

*lach *schwitz *hust

weitere 20 Minuten später wuselte ich durch das Haus. Räumte und putze alles auf in Windeseile. Ich saugte den Boden, sortierte die Spielzeuge auseinander und brachte sie an ihren Platz.

Ich hab wirklich einen Vogel. Einen Putzvogel.

Ich konnte das Chaos einfach nicht liegen lassen. Warum, weiß ich nicht. Es packte mich, wie von der Tarantel gestochen. Das Chaos musste beseitigt werden.

Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Mann. Meinem ist das Chaos im Auto ja auch egal - zumindest solange bis ich ihm androhe, mit dem aufräumen aufzuhören. ;-)

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