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55 Jahre Berliner Mauer: Nichts war gut in der „DDR" - Und wir haben nicht mal was draus gelernt ...

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BERLINER MAUER
claudiodivizia via Getty Images
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Neben dem 17. Juni, dem Tag des Arbeiteraufstandes in Ost-Berlin, ist der 13. August ein weiteres wichtiges Gedenkdatum gegen sozialistische Zwangsherrschaft und ihre katastrophalen Auswirkungen. Denn spĂ€testens am 13. August 1961 wurde klar, dass die Abwanderung der Jungen und der Leistungsbereiten aus dem „DDR"-Sozialismus nicht zu stoppen war. Warum es heute immer noch Menschen gibt, die Anleihen aus diesem System nehmen wollen, ist dem Autor dieser Zeilen daher unklar.

Wo nur 20 Jahre vorher die Nazis noch vom „Volk ohne Raum" fabulierten, da grassierte 1961 die Angst vor einem Raum ohne Volk. Und die war berechtigt, denn von ihrer GrĂŒndung bis zum Bau der Mauer hatte die „DDR" in nur gut zehn Jahren knapp zehn Prozent ihrer Bevölkerung verloren. Und das, obwohl die „Staatsgrenze West", also die Grenze zur alten (westdeutschen) Bundesrepublik, bereits gut gesichert und die Ausreise nur ĂŒber die Sektorengrenze in Berlin möglich war.

Die Tendenz war aber gleichbleibend und eindeutig - Abwanderung. Damit hatte die sozialistische „DDR" den Konkurrenzkampf mit der Marktwirtschaft bereits 1961 verloren. Nur durch das Einsperren seiner BĂŒrger konnte die SED-Zwangsherrschaft noch weitere 28 Jahre bis zum Zusammenbruch ausgeĂŒbt werden. In dieser Zeit lebte man von der Substanz. Die Infrastruktur verfiel zunehmend, ob Fabriken, Straßen und BrĂŒcken oder WohnhĂ€user.

Die Angst der „DDR"-FĂŒhrung vor einem „Raum ohne Volk" fĂŒhrte zur EntmĂŒndigung der BĂŒrger

NatĂŒrlich hatte man das alles nur gut gemeint mit dem Sozialismus. LegendĂ€r ist Erich Mielkes hilfloser Ausspruch in der Volkskammer der „DDR", er liebe doch alle Menschen. Er und seine Genossen liebten die Menschen so sehr, dass er sie vor dem bösen Kapitalismus schĂŒtzen wollte. Viele Menschen wollten aber gar nicht von ihm beschĂŒtzt werden, daher musste die SED-Regierung ihre Untertanen entmĂŒndigen, um sie vor sich selbst schĂŒtzen zu können.

ÜberzeugungstĂ€ter und -tĂ€terinnen wie Anetta Kahane halfen ihm gern dabei. Was sie alle nicht beachteten: Fortschritt und Erneuerung kommen immer von kreativen Menschen, die ein System und ihre AblĂ€ufe in Frage stellen. Von Menschen und Unternehmen, die etwas ausprobieren und ausgetretene Wege auf ihr eigenes Risiko verlassen wollen.

Am Ende war die „DDR" zwar nicht zahlungsunfĂ€hig wie etwa Griechenland heute, aber abgewirtschaftet und ohne RĂŒcklagen. Sie wĂ€re nicht mehr in der Lage gewesen, ohne massive Hilfe von außen Wirtschaft und Infrastruktur zu sanieren.

Zum GlĂŒck fĂŒr die Betroffenen fehlt den BĂŒrgern der ehemaligen „DDR" aber das Erlebnis des Falls ins Bodenlose, denn der große Bruder aus dem Westen hat damals den grĂ¶ĂŸten Teil der Zeche bezahlt, die durch 40 Jahre Planwirtschaft aufgehĂ€uft wurde. Die Schattenseite der „freundlichen Übernahme" aus Westdeutschland ist aber, dass wir aus der Geschichte zu wenig gelernt haben.

Deutsche Luxus-Vereinigung verstellt den Blick auf Sozialismus-Folgen

WĂ€hrend in den meisten Staaten des ehemaligen Ostblocks heute liberal-konservative Parteien mit marktwirtschaftlichen Konzepten dominieren, war die deutsche „Ostalgie" niemals klein zu bekommen , schwappte sogar in den Westen und lebt bis heute fort. Noch immer schwĂ€rmen insbesondere Ostdeutsche und GrĂŒne von den damaligen Errungenschaften des Sozialismus.

Man stelle sich vor, ein ernstzunehmender Politiker wĂŒrde in gleicher Weise von den Errungenschaften der 1930er-Jahre schwĂ€rmen. Dass die gesammelte ZwangsbeglĂŒckung des Volkes letztlich zum Niedergang von Wirtschaft und Gesellschaft fĂŒhrten wird leider konsequent ausgeblendet.

Denn das Schock-Erlebnis des wirtschaftlichen Zusammenbruchs blieb aus. Mit dem Geld der florierenden Westwirtschaft wurden die Renten und Sozialleistungen ja weiterhin gezahlt. Trotz aller HĂ€rten im Einzellfall: Eine Rosskur fĂŒr eine auf sich gestellte „DDR" hĂ€tte sicher anders und fĂŒr die allermeisten Ost-Deutschen viel schlimmer ausgesehen.

Aus der Geschichte lernen: Auch Erich Mielke liebte alle Menschen

Um Griechenland steht es heute schlimmer als um die „DDR" der spĂ€ten 1980er-Jahre. In Griechenland kommen zum Verfall von Wirtschaft und Infrastruktur die Überschuldung und eine nicht funktionierende Verwaltung hinzu. Die EU-Politik wollte trotzdem den „DDR-Bailout" von 1990 wiederholen und Griechenland eine Ă€hnliche Komfortsanierung bieten wie damals der „DDR".

Sie ĂŒbersah dabei allerdings ein paar Dinge. Schon innerdeutsch gab es damals erhebliche Konfliktlinien, die bis heute fortbestehen. Die Stereotypen von „Jammer-Ossi" und „Besser-Wessi" sind keine Erfindungen von Satirikern, sondern sie beschreiben die damaligen gegenseitigen Empfindungen.

Aber wir Ost- und West- Deutsche hatten wechselseitige Verwandtschaften, eine lange gemeinsame Geschichte und uns die Wiedervereinigung mehrheitlich gewĂŒnscht. Zudem war die Aufnahme weiterer BundeslĂ€nder im Grundgesetz angelegt und damit StaatsrĂ€son. Auf die Rettung Griechenlands haben wir Deutsche uns aber nicht 40 Jahre lang gefreut. Und die Griechen sind bekanntlich ihrerseits wenig erfreut, nun von uns bevormundet zu werden.

Als wĂ€re alles nicht schon schlimm genug will unsere Regierung zusĂ€tzlich das ganze FlĂŒchtlingselend dieser Welt in Deutschland lösen. Weil sie, wie seinerzeit Erich Mielke, alle Menschen liebt. Dass das Gehalt jedes zusĂ€tzlichen Sozialarbeiters aus den Steuern von mindestens fĂŒnf Industriearbeitern bezahlt werden muss, das wissen unsere in sozialistische Traumwelten entrĂŒckten Entscheider offenbar nicht.

Dass die Grundsicherung fĂŒr kĂŒnftig hunderttausende arbeitslose Migranten ebenfalls von Industrie und Handel erwirtschaftet werden mĂŒssen ebenso wenig. Weil nun aber immer mehr Menschen diese gewaltige auf uns zukommende Kostenlawine erkennen, arbeitet eine Allparteien-Koalition im Bundestag daran, den freien BĂŒrger mundtot zu machen - oder zumindest mutlos. Freie MeinungsĂ€ußerung oder „Hatespeech"? Das entscheiden keine Gerichte mehr, sondern ein Leitfaden des Justizministers. ÜberzeugungstĂ€ter und -tĂ€terinnen wie Anetta Kahane helfen gerne dabei.

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Neuanfang mit alten Köpfen und Parteien?

Es bleibt zu hoffen, dass die derzeitige Allparteienkoalition im Bundestag schnellstmöglich zerbricht, Kanzlerin Merkel zum RĂŒcktritt gedrĂ€ngt wird und eine realistische Politik wie zum Beispiel in Österreich Einzug erhĂ€lt. Bevor die Jungen und Leistungsbereiten wegen der hohen Abgabenlast und der politischen Bevormundung erneut abwandern und wieder ĂŒber ReisebeschrĂ€nkungen zur Verhinderung von Ausreisen nachgedacht wird.

Die ehemals konservativen und liberalen Parteien sind aber wohl zu einem Neuanfang nicht mehr fÀhig, die AfD hat sich zur reinen Protestpartei entwickelt. Fortschritt und Aufbruch zur Lösung der aktuellen Probleme kann daher nur von etwas Neuem kommen. Vielleicht von ALFA?

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