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AfD: Personelle Breite oder politischer Inzest?

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„Vorsicht Altparteilinge" warnt die sogenannte Patriotische Plattform der AfD. Sie preist einen im bayerischen Landesverband gefassten Parteitagsbeschluss an, nach dem Parteiwechsler bis zur Bundestagswahl faktisch von der Mitgliedschaft in der AfD ausgeschlossen werden.

WĂ€hrend die Partei also einen guten Zulauf an Neumitgliedern und Interessenten hat möchte die FĂŒhrung lieber unter sich bleiben. Aus Sicht der FunktionĂ€re durchaus verstĂ€ndlich, denn die Jahre 2017 und 2018 versprechen „fette Beute" in Form von Mandaten.

Mittelmaß und Verbohrtheit versus politische Erfahrung

Mit Blick in manche LandesverbĂ€nde ist jedoch zu befĂŒrchten, dass dieser Beschluss der Partei mehr Schaden als Nutzen kann. Neumitglieder ohne politische Erfahrung werden derzeit kaum Chancen haben, sich fĂŒr Ämter zu positionieren, erfahrenes Politpersonal wird aber ausgeschlossen.

Damit nimmt sich die AfD zum einen die Chance, CDU und CSU personell zu kannibalisieren. Zum anderen wird sich die Verbreiterung der Mitgliederbasis nicht in den VorstÀnden und aufzustellenden Landeslisten widerspiegeln. Das wÀre aber sinnvoll, denn vielfach sitzen dort nicht die besten Köpfe, sondern diejenigen, die nach dem Petry-Putsch vom Juli 2015 am beharrlichsten und verbohrtesten waren.

Wenn die AfD aber als deutschnationale Volkspartei erfolgreich sein will, dann sollte sie politische Erfahrung nicht pauschal abweisen, sondern zielgerichtet einbinden.

Übrigens: Benjamin Nolte, der begeistert den Aufnahmestopp von Mitgliedern demokratischer Parteien feiert und Vorstandsmitglied der AfD in Oberbayern ist, hĂ€tte 2013 wegen seiner zweifelhaften Vergangenheit gar nicht in die AfD aufgenommen werden dĂŒrfen und wurde deshalb 2014 aus dem Vorstand der AfD-Jugend herausgedrĂ€ngt.

Die Forderung nach „Stallgeruch" macht die AfD selbst zur Altpartei

Die selbsternannten Patrioten der AfD, die inzwichen ausdrĂŒcklich auch „patriotische Linke" ansprechen wollen, sind der Meinung, wem es „wirklich" um die gute Sache gehe, der habe kein Problem damit, als stimmrechtsloser Förderer zunĂ€chst ein Jahr lang Beitrag zu zahlen und bei der Wahlkampfarbeit zu unterstĂŒtzen.

Auf den ersten Blick klingt das fair. Auf den zweiten Blick zementiert es aber fĂŒr die Riege der aktuellen VorstĂ€nde die derzeitigen MachtverhĂ€ltnisse.

Denn wer in die Parlamente zieht, der bestimmt das Bild nach außen und wĂ€hlt die vielen bezahlten Mtarbeiter aus, die fĂŒr die AfD-Fraktionen und -Abgeordneten maßgeblich die veröffentlichten Themen und Meinungen mitbestimmen werden.

Die mögliche Pragmatisierung der Partei treibt die Rechten in den SchĂŒtzengraben

Was haben die WortfĂŒhrer der heutigen AfD letztes Jahr gejubelt, als nach dem Petry-Putsch nicht nur Bernd Lucke, sondern ein großer Teil der Pragmatiker die Partei verließ. Die „Umvolkung" der Partei zu einer deutschnationalen Fundamentalopposition hatten sie von Anfang an ersehnt und sahen sich am Ziel.

Nun aber hat die katastrophale Willkommenspolitik Angela Merkels der AfD derart große Erfolge beschert, dass sie wieder fĂŒr Pragmatiker interessant geworden ist, die weder Union noch FDP in Sachen Euro und EU fĂŒr reformierbar halten. Mit den „Altparteilingen" kĂ€me politischer Pragmatismus in die Partei, der den fundamentalistischen Kurs der Patriotischen Plattform:gefĂ€hrdet.

Noch ein Schmankerl zum Schluss: Auch ehemalige Mitglieder der AfD, die sich zwischenzeitlich bei ALFA engagiert hatten, sollen nicht mehr aufgenommen werden. Eine menschlich verstĂ€ndliche Trotzreaktion, wenngleich hier unabhĂ€ngig von Misserfolg der ALFA sowieso kaum Potenzial fĂŒr die AfD wĂ€re.

Denn etwa die HĂ€lfte der ALFA-Mitglieder war niemals in der AfD und bei der anderen HĂ€lfte kommt nur fĂŒr wenige die RĂŒckkehr ernsthaft in Betracht. Die wirklich RĂŒckkehrwilligen jedoch wĂ€ren Fleisch von Fleische der AfD und es wĂ€re dumm, sie als „Apostaten" zu behandeln und politisch zu steinigen.

Was könnten wohl 100 Ex-ALFAs in einer Partei mit ĂŒber 20.000 Mitgliedern fĂŒr Schaden anrichten? Im Gegenteil: Die Wiederaufnahme könnte als Beleg fĂŒr die ernsthafte BĂŒrgerlichkeit der AfD ins Feld gefĂŒhrt werden.

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