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Willkommenskultur ist die beste Waffe gegen Terroristen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANSBACH
DANIEL KARMANN via Getty Images
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Wir haben hier gerade den Frieden betrunken und nun scheint es so, als ob wir Krieg im eigenen Land haben. Die Eilmeldungen jagten am vergangenen Freitag hintereinander auf mein Smartphone. Unter Kolumbianern die Terror gewohnt sind, wusste ich nicht wie ich reagieren sollte.

In einem Land, in dem bei einem siegreichen Fußballspiel der Nationalmannschaft dutzende Menschen sterben können und das Tod und Gewalt aus den Medien gewohnt ist, wollte ich nicht überreagieren.

Nach all den Terrormeldungen der letzten Tage traf mich der Amoklauf in München und der Selbstmordanschlag von Ansbach mit einer unumwundenen und selbst verschuldeten Wucht. Man hatte es erwartet und obwohl wir seit langem in einer Welt leben, in der der Terror selbstverständlich geworden ist, lässt jede neue Horrormeldung einen innerlich verstummen.

Falschmeldungen und Terrorwarnungen

Zu Silvester feierte ich in München. Es gab Falschmeldungen und Terrorwarnungen. Ich erinnere mich noch an eine Gruppe von Kumpels die sich Zuhause einsperrten. Sie saßen da und starrten gespannt auf die Tweets und Posts. Es gibt keine Sicherheit gegen den Terror, dass was schon viele Analysten schrieben, scheint sich zu bewahrheiten. Terror nimmt dir deine Sicherheit und oft auch deine Unschuld.

Die Panik, die in München ausbrach, verbreitete sich über die Medien und die sozialen Netzwerke bis in die letzten Winkel der globalisierten Welt. Keine Information war mehr sicher. Der Terror hatte alles angesteckt. Selbst mich und ich lebe in einer Stadt, die noch vor einigen Jahren von einer deutschen Boulevardzeitung als die gefährlichste der Welt eingestuft wurde. München gehört nicht zu diesem Klischee, es ist ein sicheres Eiland in dem ich zwei friedliche und langweilige Jahre verbringen durfte.

Sicher in Kolumbien

Umso mehr verstört der Anschlag, sei er nun von Islamisten oder von einem Amokläufer initialisiert. Es ist merkwürdig, aber ich fühle mich seit den Anschlägen in Europa sicherer in diesem Land, das seit Jahrzehnten Opfer eines unbeherrschbar erscheinenden Konfliktes ist.

Drogenbarone, rechte Paramilitärs, korrupte Sicherheitskräfte und linke Guerilla haben Kolumbien einen miesen Ruf verschafft. In Bogotá, der Hauptstadt dieses Gewalt gewöhnten Landes, verstört vor allem die alltägliche Straßenkriminalität, bei der schon Kinder für ein Handy oder weniger töten.

Es ist also allemal wahrscheinlicher, dass mir hier etwas passiert. Allein schon im wilden Straßenverkehr sterben doppelt so viele Menschen wie in Deutschland. Doch hier gewöhnt man sich daran und man hält sich an die Regeln einer lateinamerikanischen Großstadt. Achte immer darauf wer sich dir gerade nähert und gehe jeder Gefahr aus dem weg. „Tranquilo" und „No dar papaya" sagen die Kolumbianer dazu, was ungefähr meint, dass man ruhig bleiben und es einem Dieb nicht zu einfach machen soll.

Gegen unsere „Ruhe" zielt der Terror

Ähnliches gilt wohl nun auch für Deutschland. Die Augen offenhalten und aufpassen, ohne dabei seine Ruhe zu verlieren. Das hört sich einfach an, doch ist es das wirksamste Mittel gegen Terror. Denn genau gegen unsere „Ruhe" zielt der Terror, er möchte uns Angst machen, unseren freien Lebensstil einschränken und uns in einen Kreislauf der Gewalt hineintreiben.

Was haben die französischen Bomben auf Syrien, was hat all die Kriegsrhetorik gebracht? Nichts, nach Paris folgte Nizza, nach Nizza Rouen und es werden noch weitere folgen. Wir leben in einer Zeit des Terrorismus und diese wird nicht sobald zu Ende gehen.

Auch wenn man den Guerillakrieg in Kolumbien nicht mit den Terrorangriffen des IS vergleichen kann, so lässt sich doch die Parallele ziehen, dass beide nicht mit konventioneller Kriegsführung zu beenden sind. Deswegen bringt auch die Diskussion über einen Einsatz der Bundeswehr im Inland oder ein weiterer Auslandseinsatz in welcher Forma auch immer nichts. Man muss den Terroristen ideologisch das Wasser abgraben.

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Willkommenskultur und Terrorismus

Die Willkommenskultur ist deswegen die beste Waffe gegen Terroristen. Das muss man auch nach Würzburg und Ansbach noch betonen. Es ist schrecklich was dort, gerade im beschaulichen Bayern passiert ist, aber es darf uns nicht dazu bringen, uns gegen die große Mehrheit der Geflüchteten zu stellen, die ja gerade vor diesem Terror geflohen sind und Schreckliches erlebt haben. Wir dürfen nicht Grund und Folge des Terrors verwechseln.

Kolumbien hat es geschafft, aus diesem Kreislauf der Gewalt auszusteigen und feiert vor Kurzem einen beidseitigen und dauerhaften Waffenstillstand. Ich hoffe, dass Deutschland sich von Terroristen und rechten Populisten nicht in eine Spirale der Gewalt treiben lässt.

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