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The Stones und The Real Trump: „You can't always get what you want"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ROLLING STONES
Sean Zanni via Getty Images
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„Vielleicht fragt man mich ja noch, ob ich auch noch bei seiner Amtseinführung auftreten will" twitterte Mick Jagger noch am Morgen des Wahlsiegs von Donald Trump. Auslöser für diese wohl nicht ganz ernst gemeinte Frage war, dass Trump nach seiner Siegesrede erneut den Rolling Stones Song „You can't always get what you want" gespielt hatte und dazu triumphal aus dem Saal geschritten war.

Mehrfach hatte die britische Rockband bereits Trump und sein Wahlkampfteam gebeten diesen und alle weiteren Stones Songs nicht mehr zu verwenden. Trump ignorierte diese Bitte der Künstler und ließ den Song ebenso auf dem republikanischen Parteitag in Cleveland vergangenen Sommer spielen. Der Song sollte eine Anspielung darauf sein, dass Trump gegen den großen Willen der Parteielite als Präsidentschaftskandidaten nominiert wurde.

Die USA verdienen Trump

In diese Richtung konnte man die weltbekannte Textzeile deuten: "You can't always get what you want / But if you try sometime you find / You get what you need" (z.dt. Du kannst nicht immer bekommen was du willst / Aber wenn du es manchmal versuchst, nun du könntest es vielleicht einfach finden / Du bekommst was du brauchst). Allerdings hört sich das nach seiner Siegesrede vergangene Woche noch einmal anders an. Ein Land bekommt also nicht den Präsidenten, den es haben wollte, sondern den, den sie brauchen, oder auch den, den sie verdient haben. Der Satz könnte auch an seine Wähler gerichtet sein, denn viele Analysten gehen davon aus, dass Trump möglicherweise nicht so radikal regieren wird, wie es seine Wahlversprechen erwarten ließen.

Mick Jagger schrieb den Text Ende der 6oer Jahre, um damit das Ende einer Epoche zu beschreiben. Die drei Strophen drehen sich um die drei Hauptthemen der Zeit: Sex, Drugs und Politics. Der Summer of Love war vorüber und die Euphorie verflogen. Die Proteste gegen das Blutvergießen in Vietnam und die korrupten politischen Eliten hatten nichts gebracht. Die Realpolitik holte die Ideale der 60er Jahre zurück auf den Boden der Tatsachen. In diesem Sinne wurde der Titel auch auf dem Album LET IT BLEED veröffentlicht.

Trump-Ideologie

Interpretiert man den Songtext in die Trump-Ideologie, läuft einem ein apokalyptischer Schauer den Rücken hinunter (hören Sie ihn hier). Aber dies überlasse ich der Phantasie des Lesers. Interessanter ist, dass die Rolling Stones und Trump schon einmal aneinander geraten waren. 1989 auf der Steel Wheels Tour, so erzählt ihr damaliger Tourmanager Michael Cohl, sollten die Briten in der Casinometropole Atlantic City auftreten.

Rockmusik war damals noch nichts für die Casinobetreiber an der Ostküste. Der einzige, den Cohl für ein Konzert mit den Stones gewinnen konnte, war ein gewisser Donald Trump, umtriebiger Casinobesitzer und so gar nicht der Typ mit dem sich die Bandmitglieder umgeben sehen wollten. Cohl kannte deren Abneigung (woher die Ursache für diese Abneigung der Stones gegen Trump stammt, konnte nicht recherchiert werden), trotzdem schloss er mit Trump einen Vertrag, in dem Letzterer zwar sein Gebäude für den Gig zur Verfügung stellte, selbst aber von jeglicher Teilnahme ausgeschlossen wurde. Er durfte an dem Abend des Konzertes laut Vertrag nicht mal anwesend sein.

„Do I have to go over there and fire him myself?"

Cohl verkaufte den Stones den Vertrag mit den Worten: „Ich werde Trump schon unter Kontrolle halten". Trotz der Nicht-Anwesenheits-Verpflichtung erschien Trump kurz vor dem Auftritt der Band. Und nicht nur das, er hielt sogar eine Pressekonferenz ab. Cohl versuchte ihn zur Einhaltung seines Versprechens zu bewegen, stieß aber nur auf taube Ohren unter der blonden Mähne.

Als Keith Richards mitbekam, dass sich Trump im Gebäude aufhalte, soll er wütend sein Messer gezogen, es auf den Tisch geknallt und gesagt haben: „What the hell do I have you for? Do I have to go over there and fire him myself? One of us is leaving the building - either him, or us."

Bewaffnete Roadies

Cohl griff sich erneut Trump und versuchte ihn zum Verlassen des Gebäudes - Trumps Gebäudes - zu bringen. Trump weigerte sich und rief seine drei muskelbepackten Bodyguards zur Hilfe. Doch auch die Stones waren nicht ohne ihre Security gekommen. Und so sah sich Trump einer Übermacht von 40 mit Metallstangen, Schraubenschlüsseln und Hockeyschlägern bewaffneter Roadies gegenüber. Ohne weitere Worte verließ The Real Donald sein Trump Gebäude.

Nach dieser Geschichte versteht man den Streit der Stones um „You can't always get what you want" ein bisschen besser. Trump hat übrigens schon auf das wohl nicht ganz ernst gemeinte Angebot Jaggers geantwortet und würde die Band gerne dabei haben. Vielleicht werden wir im Januar zur Amtseinführung Trumps die Stones hören, vielleicht mit dem passenderen Titel „Sympathy for the devil" . Und vielleicht wird Keith auch wieder sein Messer zücken und Trump zum Verlassen des Gebäudes auffordern.

Ein Stellungnahme der Band zum Wahlsieg Trumps finden Sie hier

Dieser Beitrag wurde erstmals als Blog auf 'Kolumbien verstehen' veröffentlicht.

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