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Ein Blogger bei der FARC-Guerilla

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
FARC COLOMBIA GUERILLA WEAPON
LUIS ACOSTA via Getty Images
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Was nimmt man mit, wenn man in ein Guerillacamp eingeladen wird? Vor dieser Frage stehe ich gerade und verteile um mich herum Klamotten und Trekking-Zubeh├Âr. Vor ein paar Tagen habe ich die Best├Ątigung von einer gewissen ÔÇ×Milena" erhalten, dass ich als Blogger an der zehnten und wohl letzten FARC-Konferenz teilnehmen darf.

Meine Euphorie f├╝r diese vermeintliche Exklusivit├Ąt hat sich schnell wieder gelegt, nachdem ich in die WhatsApp-Gruppe f├╝r die ÔÇ×Pressevertreter" aufgenommen wurde. Hunderte Journalisten tauschen sich dort ├╝ber Transport und Unterkunft aus. Dass wir eigentlich gar nicht wissen wo es hingeht, macht die Sache auch nicht wirklich attraktiver.

ÔÇ×Codewort Konferenz"

Es muss sich um einen Ort handeln, der irgendwo im Dschungel von Caquet├í liegt, einem Departamento im S├╝den Kolumbiens, dass etwa die Gr├Â├če S├╝ddeutschlands hat oder besser die Ostdeutschlands ohne Th├╝ringen. Dabei leben da aber nur etwas weniger als 500.000 Menschen und davon die meisten in der Provinzhauptstadt Florencia, die sich wie Schutz suchend an die Grenze zu den st├Ąrker bev├Âlkerten Zonen des Landes dr├╝ckt.

Am Busbahnhof in der Hauptstadt Bogot├í muss man zu einer kleinen Transportgesellschaft gehen, ein ÔÇ×Codewort" nennen - das mit ÔÇ×Konferenz" nicht sehr fantasievoll gew├Ąhlt wurde - und bekommt ein relativ g├╝nstiges Ticket ausgestellt. Relativ f├╝r eine 14-Stunden Fahrt - 14 kolumbianische Stunden, das hei├čt, es kann sehr viel l├Ąnger dauern. Von Bogot├í geht es nach San Vicente de Cagu├ín an die Grenze zum Caquet├í.

Dort sollen die Teilnehmer auf sogenannte Chivas verteilt werden, kleine offene Busse, deren Holzb├Ąnke schmerzlich ber├╝chtigt sind. Mit diesen Chivas soll es ├╝ber eine unbefestigte Stra├če in den Dschungel gehen. Nach weiteren ungenauen sechs Stunden wird man dann hoffentlich den ÔÇ×geheimen" Ort der Konferenz erreicht haben.

San Vicente de Caguán

Der erste Treffpunkt, San Vicente de Cagu├ín, war vor knapp 20 Jahren schon einmal Ort von Friedensgespr├Ąchen. Der damalige kolumbianische Pr├Ąsident entmilitarisierte hierf├╝r ein 42.000km┬▓ gro├če Fl├Ąche, in der die Guerilla sich frei bewegen konnte. F├╝r viele Kolumbianer steht Cagu├ín deswegen immer noch als Sinnbild f├╝r Gesetzlosigkeit, f├╝r Entf├╝hrungen und Drogengesch├Ąfte. Nachdem die damaligen Friedensgespr├Ąche grandios scheiterten, wurde der Cagu├ín in einer gewaltigen Milit├Ąroperation mehr oder weniger zur├╝ckerobert.

Seit 2012 verhandelte die kolumbianische Regierung erneut mit der FARC-Guerilla und konnte vor knapp einem Monat den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen bekanntgeben. Die Regierung rief hierf├╝r die Bev├Âlkerung f├╝r den zweiten Oktober zu einem Referendum auf, um ├╝ber das Abschlussdokument abstimmen zu lassen. Die FARC ihrerseits organisierte als Gegenpol zum Referendum ihre letzte Konferenz als bewaffnete Organisation, auf der formal die Ergebnisse der Verhandlungen erkl├Ąrt und die Zukunftspl├Ąne der Guerilla als legale politische Partei diskutiert werden sollen.

200 Guerilleros vs. 1.000 Journalisten

Rund 200 bewaffnete Guerilleros werden sich au├čerdem den Fragen der knapp 1.000 Journalisten stellen m├╝ssen, die aus dem In- und Ausland anreisen. Die Sicherheit der Konferenzteilnehmer wird zum ersten Mal von der kolumbianischen Armee gew├Ąhrleistet. Die gr├Â├čte Gefahr droht dabei von rechten Paramilit├Ąrs auszugehen, die ebenfalls in der Zone aktiv sind.

Viele in der Bev├Âlkerung sehen den Frieden zwischen Regierung und FARC als Sieg der Guerilleros ├╝ber den Staat. Bei einigen Analysten w├Ąchst deswegen die Sorge, dass radikale Teile der Bev├Âlkerung sich den rechten Paramilit├Ąrs anschlie├čen und so Kolumbien erneut in einen Kreislauf der Gewalt st├╝rzen k├Ânnten.

Ich meinerseits hoffe darauf, heil im Caquet├í anzukommen und auf ein erstes Interview mit einem Guerillero. Die Anzahl der Journalisten l├Ąsst dabei einen harten Kampf unter den Pressevertretern bef├╝rchten. Sobald ich meinen Rucksack endlich mal fertig gepackt habe, muss ich mich deshalb mit der Frage besch├Ąftigen, was man jemanden fragt, der seit Jahren im Dschungel gegen einen ├╝berm├Ąchtigen Staat k├Ąmpft, in den er sich jetzt (re)-integrieren soll.

Dieser Beitrag wurde erstmals als Blog auf 'Kolumbien verstehen' ver├Âffentlicht.

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