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Postillon über Pofalla: Der brillante Hoax, der keiner ist

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Das Jahr 2014 ist noch ganz jung - doch Der Postillon, die deutschsprachige Satirewebsite, hat bereits jetzt sein Meisterwerk für dieses Jahr abgeliefert. Im Zuge um die Empörung um Ronald Pofallas möglichen Wechsel vom Kanzleramtsministerium zur Deutschen Bahn brachte sich Der Postillon durch eine eigene Meldung in die allgemeine Berichterstattung ein und sorgte für einige Verwirrung.

Denn plötzlich schien es, als sei Der Postillon es gewesen, der die Meldung als erster gebracht hatte - betont sei nochmals: in einem Satiremagazin. Die Redaktion hatte sich eines einfachen Tricks bedient: Sie haben die eigene Meldung auf den 01.01.2014 datiert, also einen Tag vor die Berichte aller anderen Medien und lediglich ein "exklusiv" angefügt . Dies genügte, um im Netz die Spötter hervorzurufen, die sich hämisch und herablassend über die seriösen Medien echauffierten und sie veralberten, weil diese auf den Postillon hereingefallen seien und dort abgeschrieben hätten.

Was zunächst kaum jemand bemerkte: Es war die Netzgemeinde selbst, die ausgetrickst wurde. Die Redaktion des Postillon dürfte sich die Finger, eventuell aber auch die Augen gerieben haben ob dieses perfiden, gelungenen Coups, mit der sie allen „Besserwissern" einen Spiegel vorgehalten und sie geradezu entblößt haben. Die Trolls wurden getrollt - und trollten sich plötzlich selbst.

Die eigentlich wahre Meldung wurde durch die Veröffentlichung im Postillon - zugegeben mit verschwindend geringen, aber umso wirkungsvolleren Änderungen - vom naiven Leser angezweifelt - und dem Postillon wurde plötzlich eher geglaubt, als Nachrichtengrößen wie Spiegel Online oder der Tagesschau.

Eine bittere Pille für die einen, ein Fest für den Postillon, der die Reaktionen auf die gelungene Verwirrung nun auf Twitter und Facebook, ähnlich der Netzgemeinde zuvor, hämisch und genussvoll ausbreitet. Zugleich sehen sich auch andere Nachrichtenseiten in der Pflicht zu bestätigen, dass sie doch von Anfang an die Wahrheit berichtet haben - und versuchen eine Art Aufklärung der Leserschaft, die sich an dieser genialen Satire-Aktion ordentlich verbrannt haben dürfte. Und dem Postillon nun nicht mehr alles „glauben", was er verbreitet - zumindest genau so wenig, wie allen anderen Nachrichtenseiten ohne satirischen Anspruch.

Chapeau Postillon, das war der brillanteste Hoax, der eigentlich nie einer war.