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Wie werde ich Aufsichtsrat?

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Der einfachste Weg: Kaufen Sie sich eine AG. Wer das notwendige Kleingeld hat, kann sich so in einen Aufsichtsrat katapultieren. Dieser Weg steht aber nicht allen offen. Ein weiterer Weg ist für mitbestimmungspflichtige Konzerne der Weg über die Tätigkeit im Betriebsrat und/oder Gewerkschaft. Dieses soll aber nicht Bestandteil dieses Artikels sein.
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10 Fragen zum Aufsichtsrat

Wie werde ich Aufsichtsrat? Für alle, die dort Interesse zeigen, ein paar Hinweise. So können Sie sich, wenn Sie über Führungserfahrung verfügen, so positionieren, dass Sie als möglicher Kandidat überhaupt wahrgenommen werden. Sichtbarkeit und Netzwerk sind die zentralen Schlüssel, um ein Mandat in einem Aufsichtsrat angedient zu bekommen. Wie man sich vorbereitet: Hierzu 10 Punkte, die helfen könnten:


1. Was verdient ein Aufsichtsrat?

Die Vergütung von Aufsichtsratsmitgliedern ist unterschiedlich. Im Regelfall gibt es jedoch ein Fixum, einen kleineren variablen Anteil und Sitzungsgeld. Ein gutes Auskommen hat man jedoch nur bei großen DAX Unternehmen: Hier liegt der Durchschnitt bei 156.000 € im Jahr. Supergagen, wie bei Wolfgang Mayrhuber mit über 600.000 € sind hier Ausnahmen. Bei kleineren Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, liegt der Durchschnitt gerade mal bei 13.600 € p.a.. Wer besondere Tätigkeiten verübt (wie Vorsitz oder zusätzliches Ausschussmitglied) kann mit zusätzlichen Tantiemen rechnen.


Aber Achtung: Arbeitnehmervertreter haben dabei schlechte Karten: Der DGB lässt seine Tätigkeiten von diesen vergüten. So werden 90% der Tantieme ab einen gewissen Grad (aktuell 3.500 €) abgeführt.


2. Bewerbe ich mich als Aufsichtsrat?

Nein. Das heißt.... man kann es ja mal versuchen. Im Regelfall wird man in einen Aufsichtsrat berufen. Man kann sich direkt nicht bewerben, nur vorbereiten: Zum einen, dass man sich ein persönliches Netzwerk aufbaut, zum anderen, dass man seine Sichtbarkeit in dieser Richtung erhöht, wie zum Beispiel auf der offenen Plattform des Deutschen Institutes der Aufsichtsräte.


3. Muss ich Schulungen absolvieren, um Aufsichtsrat zu werden?

Auch hier gilt: Sie "müssen" nicht. Sich fortzubilden wiederum, ist nie schadhaft. Dabei achten Sie auf Kosten/Nutzen Relation: Es gibt Schulungen, die kosten 20 bis 30 tausend €. Wenn Sie noch kein Mandat haben, werden Sie durch Besuch einer solchen Schulungsmaßnahme auch keins bekommen.


4. Ich kann eine Bilanz lesen, reicht das für ein Aufsichtsratmandat?

Wie immer: Klares Jein. In jedem Aufsichtsrat müssen Finanzexperten vertreten sein. Seit dem AReG (Abschlussprüfungsreformgesetz) muss dieser sogar unabhängig sein. Wenn solche Positionen angestrebt werden, ist natürlich fundiertes Finanzwissen gefragt. Für alle anderen gilt: Das reicht.


5. Brauche ich als Aufsichtsrat Branchenkenntnisse

Hier gilt dasselbe wie bei den Finanzkenntnissen: Branchenkenntnisse sind nicht zwingend notwendig. Allerdings muss ein Aufsichtsrat paritätisch mit Branchenfachleuten besetzt sein. So ist man mit Branchenkenntnissen deutlich im Vorteil.


6. Muss ich mich mit Themen wie Digitalisierung beschäftigen?

Auch wieder ein klares Jein: Themen wie die Digitalisierung beschäftigen die Unternehmen sehr stark. Hier ist ein Wechsel in der Strategie notwendig. Dieses muss von oben gesteuert werden. Und die oberste Ebene in der Hierarchie eines Konzernes ist halt der Aufsichtsrat. Ein Aufsichtsrat muss heute dementsprechend aufgeschlossen gegenüber neuen Themen sein oder sich diesbezüglich Expertenwissen einkaufen.


7. Brauche ich als Aufsichtsrat einen "Certified Director"

Im Angloamerikanischen Raum hat sich mit der Omnipräsenz des IOD (Institut of Directors) die Zertifizierung einen starken Namen gemacht. Auch hier gilt, man muss keine Zertifizierung haben, schadet aber auch nicht. In Deutschland ist die Zertifizierung noch nicht so bekannt, und wird vorrangig von ausländischen Investoren gefordert. Die Kosten für eine Zertifizierung des Deutschen Institutes der Aufsichtsräte beginnen bei 2.400 € netto (Stand Frühjahr 2017).


8. Hafte ich als Aufsichtsrat?

Ja. Daher sollten Sie sich in diesen Bereich auch dringend einlesen. Da ein Aufsichtsrat auch gesamtschuldnerisch und persönlich haftet, sollte eine Versicherung abgeschlossen werden. Diese kostet auch schnell mal 2.000 € im Jahr.


9. Wo finde ich Literatur zum Thema Aufsichtsrat?

An Literatur gibt es einiges. Hier ein paar Beispiele:


10. Wie kann ich mich vernetzen?

Wenn man keinen direkten Zugriff auf Aufsichtsratsmitglieder hat, kann man soziale Netze nutzen. Allerdings sind auch hier die Teilnehmer rar gesät. Zwei Kanäle sollte man genauer betrachten:


LinkedIn
Hier findet man einige Aktive, denen man folgen kann, wie Frau Dr. Kickinger oder den Experten für den ehrbaren Kaufmann, Rudolf X. Ruter. Des weiteren finden sich zwei Gruppen für den deutschsprachigen Raum: Zum einen eine offene Gruppe für alle Interessierten (Aufsichtsrat) und eine geschlossene Gruppe, zu der allerdings nur Certified Directors zugelassen sind.


Twitter Hier finden sich einige Profile, den man folgen könnte:


Diversity
Zusätzlich sei für Frauen noch der FidAR empfohlen, der sich für eine stärkere Diversifizierung gerade in Aufsichtsräten stark macht.

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