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Hasskommentare auf Hasskommentatoren sind keine Lösung

28/08/2015 10:24 CEST | Aktualisiert 28/08/2016 11:12 CEST
JanBaars via Getty Images

Gestern sah ich einen Videobeitrag der Zeit mit Sascha Lobo. Es wurden "Hasskommentare", die seitens der Redaktion von Zeit Online gelöscht wurden, kommentiert. Das Video machte mich irgendetwas zwischen ratlos und wütend. Heute folgten Joko und Klaas mit einer ähnlichen Videobotschaft.

Um es vorwegzunehmen: Das Asylrecht ist ein wesentlicher Zug der Demokratie! Dieses steht in keinster Weise zur Debatte und das ist auch gut so. Sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge zu erkennen ist Aufgabe im Asylverfahren und ist nicht Aufgabe Einzelner. Und selbst wenn es 10% davon gäbe (ich denke, es sind weniger), legitimieren diese nicht, 90% das Recht auf ein friedvolles Leben zu verweigern.

Was machen aber die oben genannte Bohème? Eine gesamte Gruppe wird als "Vollidioten" beschimpft, mit extremen Beispielen untermalt und pauschaliert. Damit machen diese genau dasselbe, wie die ganzen Kommentatoren, die sich für die Reduktion der Flüchtlingszahlen einsetzen. Ich versuche das bewusst neutral zu formulieren: Ein paar Prozent mögen Idioten sein, ich würde es ungern auf alle beziehen.

Es muss ein gesellschaftlicher Konsens erzielt werden

Es muss ein gesellschaftlicher Konsens erzielt werden, dass das Asylrecht einen elementaren Baustein der Demokratie darstellt. Dieses erreichen weder Prominente, in dem sie pauschal die Moralkeule schwingen, noch Arbeitgeber, die beherzt Ihre Mitarbeiter entlassen, wenn diese (zweifelsfrei geschmaklose bis strafrechtlich relevante) Kommentare lesen.

Stattdessen muss die Diskussion zu denen getragen werden, die diese Kommentare vertreten. Wer in den letzten 1,5 Jahren in Jordanien war und gesehen hat, wie ein Land mit 6,7 Millionen Einwohnern mit ca. 1 Million Flüchtlingen versucht, umzugehen (und zwar auch nicht immer im Besten), erkennt, dass wir weit von dem weg sind, was ein Land zu stemmen vermag.

Lieber Sascha, lieber Joko, lieber Klaas: Eure Kommentare sind in ihrer Einfachheit und undifferenzierten Betrachtung keine Hilfe!

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Joko und Klaas haben Flüchtlingshassern etwas Krasses zu sagen