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Verkaufen ist keine Kunst - oder doch?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CREATIVITY
Blend Images/Aliyev Alexei Sergeevich via Getty Images
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Der Streit darüber ist so alt wie der Beruf: Muss man zum Verkäufer geboren sein, oder kann man es lernen? Ist jeder in der Lage, ein guter Verkäufer zu werden oder ist das eine Utopie? Es ist sicher klar, dass niemand von Geburt an laufen, schreiben oder singen kann. Und wir wissen auch, dass manche Menschen ein gewisses Talent haben, dass anderen fehlt - schließlich ist nicht jeder ein Genie wie Leonardo da Vinci. Aber auch der große Meister hat nicht schon als Kleinkind Konstruktionszeichnungen angefertigt.

Wenn wir diesen Gedanken weiterspinnen, stellt sich die Frage, wie wir die Gedankengänge von solchen Genies zumindest so weit verstehen und nachvollziehen können, dass wir uns und unsere Arbeit deutlich verbessern.

Genial ist eben nicht so einfach

So, wie wir es bisher gemacht haben, ist es einfach. Das scheint uns vertraut. Wir kennen den Aufwand und haben auch schon lange gelernt, was wir an Ergebnis erwarten können. Alles prima. Willkommen in der Komfortzone.Aber muss es immer schwierig sein? Müssen wir immer neue Wege ausprobieren, wenn es eine bewährte Methode bereits gibt? Sollen wir wirklich auf „Teufel komm raus" herumexperimentieren, wenn wir längst erprobt haben, was klappt und was nicht? Die Tatsache, dass wir eine Komfortzone haben, ist ja schließlich kein Zufall - im Gegenteil.

Gerade weil wir Bewährtes wiederholen und wenig Erfolgreiches oder gar Gefährliches ablehnen, konnten wir uns als Menschheit so schnell entwickeln. Wir lernen als Individuum nicht immer wieder von null, sondern stellen unser Wissen sozusagen auf die Schultern unserer Vorfahren. Das ist prima, solange sich die Umweltbedingungen nicht verändert haben.

Wehe, wenn jemand den Markt verändert

„Wir haben alles richtig gemacht! Der Markt hat sich völlig falsch verhalten..." Diesen Spruch habe ich vor einiger Zeit als Ausruf eines Vertriebsleiters gelesen und ich erinnere mich nicht mehr an die Quelle. Wenn Sie sie kennen, freue ich mich über Ihren Kommentar unten. Aber auch ohne Quellennachweis ist dieses Zitat herrlich bildhaft und gleichzeitig schrecklich in seinen Auswirkungen.

Der Markt verändert sich laufend und in unserer Welt immer schneller. Im Mittelalter konnte man in einem Handwerksberuf viele Generationen lang auf Wissenszuwachs verzichten und dennoch gute Arbeit leisten. Noch vor 100 Jahren war man in einem Beruf irgendwann „ausgelernt" und später bis zu seinem Lebensende ein „Meister".

Das ist heute vorbei. Konzepte, die noch vor fünf oder zehn Jahren zuverlässig die geplanten Resultate hervorbrachten, sind heute plötzlich nicht mehr tragfähig.

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Gebt mir eine Idee - aber schnell

So, jetzt sind wir mal kreativ und erfinden eine neue Lösung für unser Problem. Sie haben eine Stunde Zeit - und los!

Schön, wenn es so funktionieren würde. Wir könnten dann ganz einfach ein Getränk zu uns nehmen, das uns kreativ macht, so wie Kaffee uns wach macht und wären wieder erfolgreich.

Manche werden vielleicht jetzt denken, dass es solche Mittel tatsächlich gibt, aber ich muss Ihnen ja nicht verdeutlichen, dass diese unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und nicht legal sind. Spaß beiseite: Diese Mittel gibt es, aber wir müssen sie nicht einnehmen, sondern nur in die Tat umsetzen.

Von Genies für den Alltag lernen

Was können wir von echten Künstlern lernen? Es gibt Leute, die durch Inspirationen und vielleicht mit dieser berühmten Muse arbeiten. Was kann man von denen lernen für unser eher strukturiertes, blaues, rechtshirniges, rationales Business?

Kunst im Business - die erste Idee ist: Na ja, gut, dann hängen wir halt ein paar Bilder in den Flur, und das ist dann Kunst. Oder wir spielen zu Beginn des Meetings ein bisschen Mozart und dann sprudelt es.

Aber ist das wirklich die Antwort?

Vielleicht wäre es ein guter erster Schritt, die eigene Neugier wieder zu entdecken. Neue Dinge auszuprobieren, auch wenn man es zig-mal anders gemacht hat.

Neues schaffen ist kunstvoll aber nicht künstlich

Wir können uns kreative Schaffensblöcke tatsächlich in den Kalender hineindiktieren, sodass man sagt, jetzt nehme ich mir mal eine Stunde Zeit - ich übersetze das jetzt mal hier auf unser Businessthema - jetzt nehme ich mir mal eine Stunde Zeit, und die ist auch im Kalender eingetragen, und fange an, Ideen zu entwickeln.

Wenn wir ehrlich sind, sind wir manchmal so verliebt in unsere bisherigen Ideen, dass wir gar nicht mehr aufnahmebereit sind, was der Kunde oder der Markt auch tatsächlich kaufen will.

Wir können die Perspektive verändern und verrückt denken. Manchmal ist die deutsche Sprache so deutlich und wir sehen es nicht mehr. "Ver"-rückt kommt vielleicht daher, dass man seine Perspektive verrückt und die Dinge mal von einer anderen Seite sieht. Verrückt denken.

Wenn wir keine guten Ideen mehr haben, wie wir den Kunden noch besser zufriedenstellen können, dann sollten wir einmal über das Gegenteil nachdenken: Wie können wir den Kunden möglichst unzufrieden machen? Das klingt schräg!

Wenn Sie sich auf diese Übung einlassen und - im wahrsten Sinne - wie die Kinder herumalbern und tatsächlich Ideen sammeln, wie man den Kunden möglichst effektiv verärgert, werden Sie sehen, dass daraus plötzlich neue Ideen entstehen, wie man das Gegenteil schafft.

Verrückt denken, groß denken und mutig realisieren

Normal ist langweilig. Gewöhnlichkeit schafft keine Innovationen. Genies schaffen Neues. Neues ist kreativ. Künstler haben das drauf.

Künstlerisch heißt nicht künstlich. Es geht nicht darum zu sagen, ich bin künstlich oder ich schauspielere, sondern es geht darum, ich bin künstlerisch unterwegs. Man könnte auch sagen kreativ, innovativ. Ich überlege mir immer neue Lösungen für alte Probleme.

Dass man dabei bei so manchen Dingen Fehler macht, ist klar. Und niemand verlangt, dass wir immer nur alles über Bord werfen und Dummheiten ausprobieren.

Aber es ist auch klar, dass veränderte Bedingungen Probleme schaffen, die man nicht mit eben jener Vorgehensweise lösen kann, die genau diese Probleme erst verursacht oder zumindest zugelassen hat.
Wir müssen neue Ideen ausprobieren, auch wenn wir wissen, dass einige Misserfolge dabei sein werden. Die Geschichte hat uns viele Male gezeigt, dass der Misserfolg auch als Vorbote des genialen Erfolges gilt.

Künstler sind Genies

Wer genial denken kann, ist automatisch kreativ. Wir dürfen uns diese Denkweise von Künstlern abschauen und in unser Geschäftsleben eingliedern. Wir dürfen von Künstlern lernen, neue Ideen bewusst abzurufen und zügig in die Tat umzusetzen, um zu sehen, ob sie wirklich besser sind als die letzte Idee.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Thema? Hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar!

  • ... Was uns hilft, auf neue Gedanken zu kommen und wie wir das im Vertrieb umsetzen
  • ... Wie sich kreative Geister entfalten können und warum das in modernen Unternehmen nötig ist.
  • ... Was mit Bedenkenträgern zu tun ist
  • ... Warum Mut gut tut - auch und vor allem im Verkauf!

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