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Präsenz zeigen bedeutet, die Menschen für sich zu gewinnen

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Wer kennt das nicht: Man ist gefordert, eine wichtige Aussage zu machen, eine kurze Präsentation zu halten oder ein Schlusswort bei einem Kundentermin zu sprechen. Und dann steht man da und die Wirkung bleibt aus. Man sagt etwas, aber es kommt nicht an. Die Präsenz fehlt.

„Ich wäre gerne so spontan und wirkungsvoll, wie dieser Redner", habe ich schon oft von den Teilnehmern meiner Seminare gehört. Dabei ist das Geheimnis gar keines: Es ist Methode und die erfahren Sie hier.

Der erste Moment: Pause

Die meisten Menschen stehen auf und schon während sie nach vorne gehen, mitten in der Bewegung, fangen sie an zu sprechen. Oder sie stehen auf und schon bevor sie so richtig stehen, reden sie. Noch schlimmer wäre es, wenn sie im Sitzen und ohne Blickkontakt anfangen zu sprechen. Das wäre das Gegenteil von Präsenz und Wirkung.

Besser wirken Sie so: Ganz zu Beginn nehmen Sie in Ruhe Ihre Position ein. Dann stehen Sie auf und atmen ganz langsam aus. Sie nehmen Blickkontakt zu den Zuhörern auf und atmen mehrmals langsam ein und aus. Falls Sie aufgeregt waren, zeigen Sie so Ihrem Körper, das kein Grund zur Panik besteht.

Viele Menschen haben förmlich Angst vor dem Sprechen vor anderen. Sie entwickeln richtige Panik-Gefühle. Langsames Ausatmen und ruhiges Stehen sind der deutliche Gegensatz zu Panik. So zeigen Sie sich selbst und Ihrem Publikum, dass Sie ruhig sind.

Der Anfang sitzt perfekt

Wenn Sie den ersten Satz auswendig lernen, kann ihnen nichts passieren. Und Sie vermeiden, es ganz zu Beginn zu vermasseln, indem Sie zunächst etwas Belangloses sagen, denn dann würden Sie zumindest unterbewusst gleich zu Beginn sich selbst und dem nachfolgenden Inhalt etwas Belangloses geben. So nach dem Motto: „Ich möchte da jetzt mal kurz etwas zu dem Thema sagen", „Ich habe einen Vortrag für Sie vorbereitet" oder „Jetzt kommen wir zum Abschluss unseres Meetings". Das ist belanglos. Das ist nur Füllung. Da kommt nichts rüber.

Dabei sollte der erste Satz so sein wie die Überschrift einer Boulevard-Zeitung: Der erste Satz ist ein Stimmungsmacher für den Rest.

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Bewegung ist Leben

Statische Vorträge sind schrecklich langweilig. Leben ist Bewegung und Bewegung macht Ihren Vortrag lebendig. Wie wäre es, wenn Sie sich auch einmal im Raum bewegen, zum Flipchart gehen und verschiedene Positionen im Raum einnehmen?

Dabei lohnt es sich, die Bewegung und das Sprechen bewusst zu trennen. Beim Sprechen zu gehen gibt dem Gesagten etwas Flüchtiges. Geschickte Redner bauen das bewusst in ihre Auftritte ein, aber wenn Sie sicher sein wollen, dann achten Sie darauf, dass Sie bei wichtigen Aussagen stehen und Blickkontakt haben. So nehmen Sie auch symbolisch einen Standpunkt ein.

Geschichten sind das Salz in der Suppe

Seit vielen Jahrtausenden erzählen wir uns Geschichten am Lagerfeuer. Meetingräume sind die Lagerfeuer der Business-Welt. Auch hier wollen wir nicht nur Zahlenkolonnen und Tortengrafiken sehen. Wir wollen die Bedeutung der Begriffe und Zahlen für unser Leben erkennen.

Nutzen Sie diese einfache Weisheit und verwenden Sie Geschichten, um Ihre Aussagen besser verständlich zu machen. Außerdem können Menschen sich bekanntlich Geschichten wesentlich besser merken, als abstrakte Zusammenhänge.

Wie man wirklich authentisch wird

„Aus dem Leben gegriffen" ist die Definition von Authentizität, die es für mich am besten beschreibt. Das Gegenteil wäre nur vorgespielt. Aber ist man wirklich natürlich und „wie man eben so ist", wenn man in einem Meetingraum steht und einen Vortrag halten soll?

Vermutlich nicht, denn wenn man diese Aufgabe hat, verhält man sich völlig anders, als wenn man mit seinen Kindern herumalbert, mit seinen Kumpeln feiert oder seinen Eltern den Umzug in eine andere Stadt ankündigt. Und doch kann man in allen Situationen authentisch sein, obwohl sie alle so unterschiedlich sind.
Manchmal spricht man von einem Prominenten, den man menschlich und sympathisch empfindet, und sagt, "derjenige sei auf dem Boden geblieben" und meint damit, dass diese Person nicht abgehoben ist.

Wenn ich mir unerfahrene Redner ansehe, stelle ich fest, dass sie sich auf die Zehenspitzen bewegen, als ob sie wegfliegen wollten. Machen Sie das Gegenteil, wenn Sie stabil und „bodenständig" wirken wollen. Stehen Sie. Spüren Sie ganz bewusst Ihre Fußsohlen und nehmen Sie Kontakt mit dem Boden auf. Diese bewusste Erdung wird Ihre Wirkung und Präsenz spürbar verstärken.

Hallo Lampenfieber. Schön, dich zu sehen!

Nervosität kann man auch positiv annehmen. Nerven sind unsere Botensysteme und wenn diese gut funktionieren, spürt man sein Umfeld besser. Anspannung und Lampenfieber gehören dazu. Das ist gut.

Man kann durchaus die Anspannung vor einem kurzen Auftritt positiv sehen und sich selbst sagen: „Jetzt bin ich gespannt auf das, was kommt. Es prickelt und ich kann es kaum noch erwarten. Und jetzt werde ich dennoch kurz ruhig, damit ich besser wirke." Gesunde, erwachsene Menschen sind durchaus in der Lage, ihre Gefühle zu reflektieren und sie gefasst anzunehmen. So wie man erschrickt, wenn etwas umfällt, ausatmet und dann sagt: „Jetzt bin ich aber erschrocken". Weil aber nichts wirklich Bedrohliches geschehen ist, wird man auch sofort wieder ruhig.

Ganz ähnlich können wir mit unserem Lampenfieber umgehen. Wir erkennen es, denken „Ach da ist es wieder", atmen ruhig und erkennen, dass nichts Bedrohliches passiert ist.

Das Finale wird grandios

Genau zu wissen, was man als erstes sagen will, kann auch dabei helfen, die Sicherheit zu bekommen, das Lampenfieber zu kanalisieren.

Ebenso wichtig kann es sein, das Ende auswendig zu können. Nicht unbedingt wegen der Nervosität, weil diese zum Ende des Vortrags bereits abgeklungen sein dürfte. Es besteht eine gewisse Gefahr, dass man zum Ende hin die Klarheit verliert und nur noch aus der Vortragssituation flüchten will. „Schnell weg hier" signalisiert das Unterbewusstsein und wir beenden die Ansprache mit einem belanglosen Satz.

Das Gegenteil wäre richtig. Wir brauchen einen starken Einstieg, damit uns die Zuhörer folgen. Aber wir brauchen noch viel mehr einen starken Ausstieg, damit unsere Zuhörer die Kernbotschaft des Vortrages mitnehmen: Was sollen sie jetzt tun, denken oder ändern? Am Besten bereiten Sie diese Schlussbotschaft als erstes vor, denn sie ist das Wozu des ganzen Auftritts und der Sinn Ihrer Botschaft.

Wie Sie ab jetzt Präsenz zeigen

Beginnen Sie ruhig und mit Ausatmen und spüren Sie Ihre Sohlen. Haben Sie Ihren ersten Satz griffbereit. Setzen Sie Geschichten und Emotionen ein. Bleiben Sie bei sich und spielen Sie kein Schauspiel. Statt so zu sein, wie Sie denken, sein zu müssen, seien Sie besser so, wie sie wirken wollen.

Konzentrieren Sie sich auf die Kernbotschaft und was Sie mit Ihrem Auftritt bewirken wollen: Was soll am Ende bleiben?

  • Sie erfahren, welche wichtige Rolle das Atmen und vor allem Ausatmen spielt
  • Legen Sie sich künftig den perfekten Einstieg zurecht
  • Erkennen Sie, wie Sie durch das richtige Stehen mehr Präsenz erreichen
  • Verwenden Sie Emotionen und wirken Sie authentisch und echt
  • Verstehen Sie, warum viele Redner die Reihenfolge von Geste und Sprache falsch einsetzen
  • Hören Sie, wie Sie Lampenfieber und Nervosität ab sofort meistern
  • Nutzen Sie einen Weg, um Ihre Schlüsselaussage zu finden, betonen und zu wiederholen, damit das Finale perfekt sitzt