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Die Masern-Impfung ist weitaus besser als ihr Ruf

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Die Masern haben in den letzten Jahren viel von sich reden gemacht, weil es immer wieder zu kleineren und gr├Â├čeren Ausbr├╝chen kam, zu einem Zeitpunkt, an dem man diese Erkrankung l├Ąngst ausgerottet haben wollte. Der Grund f├╝r ihr erneutes Auftreten ist zum einen die Wiedereinschleppung der Infektion durch ungeimpfte Zuwanderer oder Fl├╝chtlinge, zum anderen die Empf├Ąnglichkeit ungesch├╝tzter Gruppen von Menschen, die die Impfung aus verschiedenen Gr├╝nden ablehnen.

Der Verursacher der Krankheit ist das Masern-Virus, einer der ansteckendsten Erreger ├╝berhaupt. Fast alle, die mit einem frisch Erkrankten in Kontakt kommen, infizieren sich, und das auch bei nur fl├╝chtiger Begegnung. Das ist besonders bei Massenansammlungen bedeutsam, vor allem unter prek├Ąren Bedingungen wie etwa in Fl├╝chtlingslagern.

Generelles zu Impfungen

Deshalb steht f├╝r " ├ärzte ohne Grenzen" - eine Organisation, die als besonders unabh├Ąngig und pharmakritisch gilt - die Masern-Impfung gleich nach Wasser, Nahrung und Sanit├Ąreinrichtung an vierter Stelle der top ten priorities in Notsituationen.

F├╝r Masern galt besonders das Wort "Kinderkrankheit", denn durch die hohe Ansteckungsgefahr und die weite Verbreitung kam es in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden zu Masern-Epidemien bei Kindern, die alle zwei, drei Jahre durchs Land zogen und die noch nicht infizierten ansteckten. S├Ąuglinge erkrankten fast nie, weil ihre M├╝tter fr├╝her selbst erkrankt waren, ihnen einen guten Nestschutz mitgaben und au├čerdem ihr immunologisches Ged├Ąchtnis durch die umlaufenden Masern immer wieder aufgefrischt hatten.

Die Masern sind ein gutes Beispiel f├╝r eine sich wandelnde Epidemiologie durch Eingriff e in die nat├╝rlichen Abl├Ąufe: Noch vor 25 Jahren galt die Masern-Impfung - damals wurde nur eine einmalige Impfung empfohlen - vor einem Alter von 15 Monaten als unsicher, weil Durchbruchsinfektionen (also Masern-Erkrankung trotz Impfung) vor allem bei Kindern auftraten, die vor diesem Alter geimpft wurden.

So stabil und anhaltend war damals der Nestschutz. Dagegen wurden bei den jetzigen Masern-Impfungen Erkrankungen und vor allem besonders schwere Verl├Ąufe bei S├Ąuglingen h├Ąufiger beobachtet. Das darf nicht wundern, denn die heutige Elterngeneration hat die Erkrankung nicht mehr durchgemacht, wurde m├Âglicherweise nur einmal geimpft, und der Impfschutz wurde auch nicht st├Ąndig durch Kontakt mit dem umlaufenden Virus nat├╝rlicherweise aufgefrischt.

Die Erkrankung beginnt nach einer Inkubationszeit von zehn bis vierzehn Tagen wie ein grippaler Infekt mit roten Augen und Lichtempfindlichkeit, Fieber, Husten, oft einem Bellhusten, und mit erheblichem Krankheitsgef├╝hl. Als fr├╝hes Zeichen finden sich an der Innenseite der Wangenschleimhaut dann die ber├╝hmten typischen " Koplik-Flecken", wei├čliche, als kalkspritzerartig beschriebene Hautver├Ąnderungen.

Die Impfungen im Einzelnen

In einer zweiten Fieberwelle beginnt der Hautausschlag, meist am Hals hinter den Ohren: ein rotfl eckiger, zusammenflie├čender Ausschlag, der sich nach unten weiter ausbreitet und nach vier, f├╝nf Tagen l├Âst. Dann klingt die Krankheit ab und die Kinder erholen sich meist sehr rasch, was vielfach als Entwicklungsschub wahrgenommen wird.

Viele ├ärzte, auch in Kinderkliniken, sind mit dem Krankheitsbild nicht mehr vertraut, aber es gibt auch immer mehr untypische Verl├Ąufe, sodass eine Sicherung durch eine Blutuntersuchung vor allem in den F├Ąllen, die sporadisch auftreten, notwendig ist. Die Masern werden "klinisch", also durch die Untersuchung und Beurteilung allein, oft fehleingesch├Ątzt.

In der DDR, in der es eine allgemeine Impfpflicht gab, wurden 3000 F├Ąlle von angeblichen Masern nachuntersucht, wobei nicht einmal zehn Prozent tats├Ąchlich Masern waren - der Rest Fehldiagnosen. Auch heute werden nicht selten Masern von Omas und anderen Spezialisten fehldiagnostiziert. Vor nicht allzu langer Zeit erschien im Hessischen ├ärzteblatt ein Artikel ├╝ber Masern - abgebildet war aber ein Kind mit Windpocken!

So geht es selbst im medizinischen Alltag mit den kindlichen Ausschlagerkrankungen h├Ąufig durcheinander. Aber selbst wenn die Masern korrekt diagnostiziert werden: Dadurch, dass sie bereits vor Ausbruch der Erkrankung hochansteckend sind, kann man eine Ausbreitung nicht verhindern, weil die Isolierung zu sp├Ąt kommt.

Um Masern-Erkrankungen, vor allem trotz Impfung, sicher feststellen zu k├Ânnen, sollte die Erkrankung unbedingt labordiagnostisch gesichert werden. Bei nur "klinisch" best├Ątigten F├Ąllen ohne Labornachweis bleibt die Masern-Diagnose aus den genannten Gr├╝nden unsicher.

Gef├Ąhrlich sind die Masern aus mehreren Gr├╝nden

Die Masern-Erkrankung verursacht eine ausgepr├Ągte, wenn auch nur vor├╝bergehende Immunschw├Ąche. Das beg├╝nstigt das Auftreten bakterieller Komplikationen, denen die Kinder in armen L├Ąndern h├Ąufig erliegen, darunter Lungen- oder schwere Mittelohrentz├╝ndungen.

Die Bindehautentz├╝ndung f├╝hrt in den Tropen unter schlechten hygienischen Bedingungen und bei Vitamin-A-Mangel nicht selten zu Erblindung, was weltweit der Hauptgrund f├╝r den Verlust des Augenlichts im Kindesalter ist.

Gef├╝rchtet ist auch die Gehirnbeteiligung, die Masern-Enzephalitis, und hier wiederum eine chronische Sp├Ątform, die besonders bei im S├Ąuglingsalter infizierten Kindern auftritt, die subakut sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Dabei handelt es sich um einen langsam fortschreitenden Hirnuntergang mit zunehmender Einschr├Ąnkung der Hirnfunktion bis zum qualvollen Tod.

Durch die Seltenheit von Masern und die zunehmende Erkrankung von S├Ąuglingen und Erwachsenen scheinen sich diese schweren atypischen Verl├Ąufe zu h├Ąufen und machen heute die Wahrnehmung von Masern in der ├ľffentlichkeit aus. 2014 trat trotz der Masern-Epidemien kein Masern-Todesfall ein, wobei f├╝r die SSPE keine Zahlen vorliegen, da sie nicht erfasst wird.

Fr├╝her, bevor es daf├╝r entsprechende Medikamente gab, machte man sich die Schw├Ąchung des Immunsystems bei Masern zunutze, indem man versuchte, diese Immununterdr├╝ckung (Immunsuppression) zur Behandlung von Erkrankungen zu nutzen, bei denen heute hoch dosiert Kortison eingesetzt wird, wie etwa dem nephrotischen Syndrom oder schweren Allergien. Die Erfolge sind im Nachhinein schlecht einsch├Ątzbar; Studien im engeren Sinne gab es damals nicht.

Au├čerdem war es angesichts der weiten Verbreitung von Masern schwierig, eine Masern-Erstinfektion gezielt in dem Moment des Vorliegens einer solchen Erkrankung einzusetzen. Die Impfmasern scheinen eine solche Reaktion nicht auszul├Âsen. Impfziel.

Das erkl├Ąrte Ziel der internationalen Gesundheitspolitik, vertreten durch die WHO, ist die weltweite Beseitigung, die vollst├Ąndige Eradikation der Masern. Dies kann nur gelingen, wenn alle Menschen gesch├╝tzt sind dank durchgemachter Masern oder der Impfung - und wenn nur der Mensch das Virus beheimatet.

Art der Impfung und Inhaltsstoffe: Die Masern-Impfung ist eine Lebendimpfung mit einem abgeschw├Ąchten Erreger, Stamm Schwarz oder Enders-Edmonston, der auf embryonalen H├╝hnerzellkulturen gez├╝chtet wird. Geringe Mengen eines Antibiotikums, Neomycin, sollen vor einer bakteriellen Verunreinigung sch├╝tzen.

Ein Einzelimpfstoff gegen Masern ist nicht mehr erh├Ąltlich, kann aber ├╝ber internationale Apotheken importiert werden. Dann entf├Ąllt allerdings der Schutz durch die "├Âff entliche Empfehlung" als Voraussetzung f├╝r Leistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz.

Impfplan: Vorgesehen sind, in Kombination mit Mumps, R├Âteln und Windpocken, zwei Impfungen. Die erste im Alter von elf bis vierzehn, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten. Gegen Masern kann jederzeit nachgeimpft werden. Seit 2010 wird die Nachimpfung Erwachsener, die nach 1970 geboren sind, nachdr├╝cklich empfohlen.

Personenkreis: Alle Menschen sollen vor Masern gesch├╝tzt sein

In der Schwangerschaft verbietet sich eine Impfung, auch bei unmittelbar geplanter Schwangerschaft. Eine Kontrazeption ├╝ber mindestens vier Wochen sollte eingehalten werden. S├Ąuglinge k├Ânnen ab einem halben Jahr geimpft werden, allerdings ist der MMR-Kombi-Impfstoff erst ab zehn Monaten zugelassen. In armen L├Ąndern wird die Masern- Einzelimpfung mit einem halben Jahr durchgef├╝hrt.

Kritik: Kaum eine Impfung steht so sehr in der ├Âffentlichen Kritik wie die gegen Masern. Dabei gibt es gerade f├╝r sie wenig Grund zur Beanstandung, weil sie als Lebendimpfung ├╝berschaubare Nebenwirkungen und ein gutes Sicherheitsprofil hat. Vor allem aber haben in unserer gegenw├Ąrtigen Gesellschaft die Masern einfach keinen Platz mehr.

Durch die hohe Ansteckungsf├Ąhigkeit, die vielen Kontaktm├Âglichkeiten unserer Massengesellschaft, die zahlreichen chronisch Kranken, die wegen ihrer Grunderkrankung nicht geimpft werden k├Ânnen und keinen Schutz haben, die fehlenden M├Âglichkeiten, entsprechende "Auszeiten" in Schule und Beruf zu nehmen, und den allgemeinen Wunsch nach Planbarkeit und Strukturierung des Lebens sind die Masern "out" - um den Preis einer andauernden Abh├Ąngigkeit von einem funktionierenden Impfprogramm.

Damit ist die Gesellschaft der Pharmaindustrie dauerhaft ausgeliefert, die nicht nur entsprechend die in Deutschland v├Âllig ├╝berh├Âhten Preise diktiert, sondern auch durch immer wieder auftretende Verknappung des Impfstoff s diese Abh├Ąngigkeit demonstriert.

Die Masern-Impfung ist zweifelsfrei wirksam: So nahmen in den USA die Masern-Erkrankungen nach Einf├╝hrung der Impfung um 99,9 Prozent ab. Allerdings schl├Ągt die Impfung nicht in jedem Fall an. Das kann daran liegen, dass der Impfstoff unwirksam war oder nicht sachgem├Ą├č gehandhabt wurde, etwa durch Unterbrechung der K├╝hlkette, oder das Immunsystem gerade keine Notwendigkeit sah, sich mit dem Erreger auseinanderzusetzen, weil es mit anderen Dingen besch├Ąftigt war.

Ein Erreger macht noch keine Krankheit

Dazu geh├Ârt immer auch ein empf├Ąnglicher Wirt. Der ungef├Ąhr 95-Prozentige-Erfolg der ersten Masern-Impfung entspricht ungef├Ąhr den 95 Prozent derer, die bei Masern-Kontakt an Masern erkranken. Tritt eine typische Impfmasernreaktion auf, ist die Impfung auch angegangen, eine weitere Impfung w├╝rde sich er├╝brigen.

Durch die heute verwendeten Kombi-Impfstoffe ist es allerdings nicht m├Âglich, die Reaktionen auf die Bestandteile auseinanderzuhalten - ein gravierender Nachteil. Seit 1980 wird eine zweite Masern-Impfung empfohlen, um etwaige L├╝cken zu schlie├čen. Es handelt sich nicht um eine Auffrischung, sondern eine Erg├Ąnzung.

Daher ist der Abstand zur ersten Impfung nicht besonders wichtig, er soll nicht weniger als vier Wochen betragen. Aber auch nach Jahren ist diese Erg├Ąnzungsimpfung sinnvoll; in den USA zum Beispiel wird die zweite Masern-Impfung erst ab vier Jahren vorgenommen. Die Masern-Impfung ist auch vom Prinzip her besser als ihr Ruf.

Die aktive Auseinandersetzung mit dem abgeschw├Ąchten Erreger ist ein positiver Reiz f├╝r das Immunsystem, nicht vergleichbar mit der Anwendung modifizierter Antigene mit den notwendigen Ad┬şjuvanzien bei den Totimpfstoffen. Sp├Ątestens beim Eintritt in eine ├Âffentliche Einrichtung sollte das Kind geimpft sein, in der gegen┬şw├Ąrtigen gesellschaftlichen Situation ist es unverantwortlich, ein Kind ohne Masern-Schutz zu lassen.

Masern-Partys sind keine Alternative zur Impfung. Wenn aus wichtigen Gr├╝nden eine Masern-Impfung nicht m├Âglich ist, sollte genau beobachtet werden, ob die Masern grassieren. Eine Impfung kann auch dann noch erfolgen, sogar als sogenannte Inkubations┬şimpfung innerhalb der ersten drei Tage nach Masern-Kontakt, denn durch das Einspritzen der Erreger ist die Inkubationszeit der Impfmasern k├╝rzer als die nat├╝rliche Infektion.

Allerdings kann es sein, dass dann der Impfstoff knapp wird. Insofern rate ich eindeu┬ştig zur geplanten Impfung zu einem f├╝r das Kind und die Familie geeigneten Zeitpunkt. Die M├Âglichkeit einer Impfmasernreaktion nach einer Woche ist zur Planung der Impfung ins Auge zu fassen, also nicht eine Woche vor Weihnachten oder drei Tage vor dem Ur┬şlaub - es sei denn, man hat gerade dann besonders viel Zeit und Ruhe f├╝r das Kind.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Ma├čvoll Impfen von Dr. med Stephan Heinrich Nolte. Das Buch ist der erste Eltern-Ratgeber zum Thema Impfen.

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Ma├čvoll impfen
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Geht Impfen!

Kaum ein Thema spaltet die Elternschaft so sehr wie das Impfen. Es ist ein Thema, bei dem die sonst so harmonischen Elternforen zu Kriegsgebieten werden. Beide Seiten - die Impfbef├╝rworter und die Impfgegner - werfen der jeweils anderen Kindesmisshandlung vor, nennen sich gegenseitig Verbrecher und sogar M├Ârder. Es gibt auch gen├╝gend Mythen und Horrorgeschichten, auf die sich beide Fronten berufen.

Wie geht ihr in eurer Familie mit dem Thema um? Schickt uns eure Meinungen, schreibt einen Beitrag oder nehmt ein Video auf und sendet es an Blog@huffingtonpost.de.

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