BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Stephan Grabmeier Headshot

Organisationsrebellen Talk 2 mit Mirjam P├╝tz von der Deutsche Bank

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
DEUTSCHE BANK
Ralph Orlowski / Reuters
Drucken

F├╝r meine Talk-Reihe ÔÇ×Organisationsrebellen" war ich am 27.07.2017 bei der Deutschen Bank zu Gast. Dorthin hat mich Mirjam P├╝tz eingeladen - vielen Dank daf├╝r! Sie ist Head of Disruptive & Strategic Programs, Sensation Seeker und liebt nach eigener Aussage die Ver├Ąnderung.

Mit ihrem Team im Quartier Zukunft besch├Ąftigt sie sich vor allem mit neuen digitalen Gesch├Ąftsmodellen der Deutschen Bank. Mirjam denkt, dass Frauen wesentliche Treiber der Digitalisierung werden k├Ânnen, wenn sie auf ihre St├Ąrken setzen. Frauen wie Mirjam sind ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht Unternehmen in eine moderne und durch Vielfalt gepr├Ągte Zukunft zu f├╝hren.

Die Deutsche Bank: Geldhaus mit Tradition (mal mehr, mal weniger ruhmreich)

Die Deutsche Bank ist ein traditionsreiches Geldhaus, das sich, wie wir alle wissen, in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Die Aufr├Ąumarbeiten des neuen Vorstands unter Vorsitz von John Cryan, die in den letzten Jahren das gesamte Unternehmen umgebaut haben, zeigen aber sukzessive Wirkung. Die ├Âffentliche Wahrnehmung wandelt sich ganz langsam, aber mit positiven Zeichen. Ein Kulturwandel scheint eingeleitet und massive Transformationsprozesse werden angesto├čen.

Mirjam P├╝tz, die ÔÇ×Br├╝ckenbauerin" zwischen Alt und Neu

F├╝r diese Transformationsprozesse ist Mirjam P├╝tz mitverantwortlich. Sie und ihr Team sollen die Deutsche Bank in die digitale Zukunft f├╝hren, sollen sowohl Innovationen entwickeln als auch das Kerngesch├Ąft der Bank digitalisieren.

Sich selbst sieht sie mehr als ÔÇ×Br├╝ckenbauerin" zwischen der alten und der neuen, noch unbekannten Welt. Ihre Aufgabe ist es, zusammen mit ihrem Team Ideen zu sammeln, M├Ąrkte zu erforschen, Kunden zu befragen, daraus Innovationen zu entwickeln und diese dann ins Kerngesch├Ąft zu tragen.

Die besondere Herausforderung f├╝r Mirjam P├╝tz ist dabei die traditionsreiche Geschichte der Deutschen Bank mit allen Querelen der letzten Jahre: Denn was sich in Neugr├╝ndungen und flexiblen Startups relativ einfach umsetzen l├Ąsst, das funktioniert in jahrzehntelang gewachsenen und eingefahrenen Strukturen noch lange nicht: Hier kosten Transformationen ein Vielfaches an Schwei├č, Geld und M├╝he.

Die Digitalisierung ist die Stunde der Frauen

Wenn es um die Digitalisierung von Gesch├Ąftsmodellen und Unternehmen geht, sieht Mirjam P├╝tz die Stunde der Frauen gekommen. In den letzten Jahren ist im Bereich Frauenf├Ârderung von Seiten der Politik und auch in den Unternehmen viel passiert. ÔÇ×Mit der Digitalisierung aber", so sagt Mirjam, ÔÇ×ver├Ąndern sich die Regeln und es gibt einen Schwenk. Wir entwickeln uns in Richtung einer Netzwerkgesellschaft." Dann sind vor allem Kommunikationsst├Ąrke und Organisationstalent gefragt - Eigenschaften, in denen vor allem Frauen stark sind, glaubt Mirjam. Zusammen mit Carolin Gabor vom Startup-Builder FinLeap will sie darum Frauen dabei unterst├╝tzen, Netzwerke zu kn├╝pfen und ihre St├Ąrken auszuspielen.

Quelle: Haufe DE / YouTube

Ich finde super, wie Mirjam die Deutsche Bank mit ihren wichtigen Impulsen zu einer zukunftsf├Ąhigen und modernen Organisation umkrempeln will. Vor allem was sie zum Thema Frauen zu sagen hat, sollte sich jeder Manager anh├Âren, der unter Seinesgleichen (├╝ber 90% wei├č und m├Ąnnlich) im Chefsessel einer Vorstandsetage sitzt.

Mischkultur besser als Monokultur

W├Ąhrend meiner Telekom-Zeit sickerte auch dort in den K├Âpfen die Erkenntnis durch, dass gemischte Teams effizienter arbeiten und bessere Ergebnisse erzielen, als die ├╝blichen testosterongesteuerten Monokulturen.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Damals war ich u.a. f├╝r die Unternehmenskultur des Konzerns zust├Ąndig und durfte diesen Prozess aktiv mitgestalten (und teilweise massiv gegen tradierte Rollenvorstellungen anrennen - mit Erfolg).┬áUnternehmen, bei denen auch Frauen im Vorstand sitzen, schneiden bei Rendite, Gewinn und Aktienkurs besser ab als reine M├Ąnnerdom├Ąnen. Von breiter Diversity als wichtiger Teil des Menschenbilds eines Unternehmens bin ich tief ├╝berzeugt. Es war mir schon damals wichtig, diese Idee bei der Telekom zu treiben und in die Praxis umzusetzen.

Vorreiter quotierter Frauenf├Ârderung: Deutsche Telekom AG

Wichtiger Meilenstein in diesem Prozess war die 30-Prozent-Frauenquote f├╝r die oberen und mittleren F├╝hrungspositionen, die Thomas Sattelberger 2010 als Ziel f├╝r 2015 ausgab. Mit der Selbstverpflichtung ist die Telekom bis heute ein Vorreiter: Als erster DAX-Konzern wagte sie den Schritt, eine konkrete Prozentzahl auszugeben und sich zur Frauenf├Ârderung zu verpflichten.┬áTeilweise wurde dieses Ziel mittlerweile ├╝bererf├╝llt, in manchen Bereichen liegt der Prozentsatz noch knapp unter der Zielvorgabe. Kein anderer m├Ąnnlicher Vorstand in einem DAX notierten Unternehmen hatte bis heute den Mut sich an klaren Quoten messen zu lassen. Nach wie vor beherrschen Ausreden von M├Ąnnern die Statements der Konzerne zur Gleichstellung.

Ich finde, wir brauchen viel mehr kluge und talentierte Rebellinnen wie Mirjam P├╝tz an den Konzernschaltstellen, viel mehr Vordenker und Vordenkerinnen, die sich trauen ├╝ber den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Leute, die die (M├Ąnner-) Monokulturen aufbrechen, Unternehmen modernisieren, neue Perspektiven in die Unternehmen bringen und Frauennetzwerke kn├╝pfen, die die Digitalisierung voranbringen.

Mirjam, go for it!

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffiPost ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.