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Nila - Religion oder Liebe?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LOVE
KristinaJovanovic via Getty Images
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Viele große Verleger, erfolgreiche Autoren und andere kritische Stimmen behaupten oft, dass die selbst-verlegten Bücher weniger Wert seien. In den meisten Fällen stimme ich vollkommen zu, aber ich habe das Glück, die Schätzchen zu finden.

Erst vor wenigen Wochen entdeckte ich eine Perle unter den Romanen. Ein Buch welches mich komplett einnahm. Ein wenig verwunderte mich diese beeindruckende Geschichte. Wie kann ein Mann nur ein solch bezauberndes Werk verfassen? Wer steckte dahinter? Neugierig recherchierte ich. Mark David Krüger. Musiker? Schauspieler? Erfolgreich im Geschäft? Wie passt das zu dieser wundervollen Liebesgeschichte? Wer ist dieser Mann, der so bedeutend im Leben steht?

Ich durfte ihn interviewen. Sein Werk heiĂźt: Nila- Sie durften sich nicht lieben. Eine spannende, fesselnde, traurige Geschichte, welche bisher einmalig ist. Lernen wir Mark David KrĂĽger kennen. Wie kommt er zu solch einem Roman? Was treibt ihn an und was steckt dahinter?

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(c) Mark David KrĂĽger

Sie sind Sänger, Songwriter und Malen? Womit bekamen Sie den Durchbruch?

Ich mag das Wort „Durchbruch" nicht so sehr. Vielmehr ist es wichtig, mit dem was man tut glücklich zu sein, aus früheren Hobbys einen Berufsalltag geschaffen zu haben und andere Menschen damit eventuell glücklich zu machen. Das gibt mir sehr viel. Ich lerne daraus und nehme es mit auf meine weitere Reise. Wenn man einen Song schreibt oder einen Roman im Kopf fertig zusammensetzt und dann bei einem Glas Rotwein eine Leinwand mit Ölfarben bemalt, dann ist das Glück vollkommen. Dann spreche ich vielleicht von meinem persönlichen „Durchbruch".

Neben den ganzen Erfolgen fehlte jetzt nun noch ein Buch? Wieso fingen Sie nun auch noch an zu schreiben?

Ich habe schon als kleiner Junge gern Geschichten aufgeschrieben oder erfand Storys in meiner wilden Fantasie, die ich dann mit Freunden in Rollenspielen charakterlich fertig schliff. Manchmal sind es zu viele Emotionen, zu viele Dinge die man erlebt und nicht verarbeitet hat die aber letztendlich dazu führen alles aufzuschreiben, sich frei zu machen, vielleicht damit auch los zu lassen. Mein erster Roman hätte eigentlich anders heißen müssen.

Beim Lesen bekam ich das Gefühl ein Stück Ihrer Seele spüren zu können. Wie kamen Sie zu der Geschichte von „Nila"?

Genau das meinte ich. Ein Buch zu schreiben ist wie ein Lied zu singen. Die Seele gibt den Takt und den Ton an. Man muss das Publikum erreichen, von Beginn an. Genauso ist es bei einem Leser. Der erste Satz in einem Buch ist entscheidend. Man muss als Leser das Gefühl haben selbst der Autor zu sein. Das ist schwer, aber machbar. „Nila" ist zum Teil meine Geschichte. Ich verlor mein Herz an eine arabische Frau. Als ich eine sehr lange Zeit in einem arabischen Land wohnte, die Menschen, das Leben und die Kultur kennenlernte, da verstand ich nicht, warum es einem Christen oder Heiden verboten sein soll eine muslimische Frau zu lieben. Oder umgekehrt. Ich befasste mich sehr intensiv damit und stellte für mich fest: „Wäre es nicht einfacher, wenn Religion nur Privatsache ist?" Oder „Wäre es nicht auf der Welt schöner, wenn Liebe über allem steht?" Wahrscheinlich ja.

Wer ist Nila?

Nila ist die Hauptfigur in meinem Roman „Nila - Sie durften sich nicht lieben". Eine afghanische junge Frau, die durch ihre Schönheit, ihren rebellischen Charakter und ihr emanzipiertes Auftreten die Welt in ihrem Dorf völlig durcheinander gebracht hat. Sie ist liebenswürdig, hilfsbereit, stark geprägt durch die muslimische Erziehung ihrer Eltern aber auch weltoffen und modern. Was nicht unbedingt akzeptiert wird. Nila ist die Hoffnung einer neuen Generation. Sie ist die Kraft und ein Sinnbild für den neuen, weltoffenen, modernen und friedlichen Islam. Nila ist das Leben.

Sie setzen sich stark mit dem Thema Religion und Liebe auseinander. Was möchten Sie den Lesern, Ihren Fans mitgeben?

Ich möchte den Lesern versinnbildlichen, dass nur Akzeptanz und Toleranz der Schlüssel zu einer besseren Welt sein kann. Es nutzt uns allen nichts, wenn wir Hass schüren und Gegenhass ernten. So wird die Welt nicht besser. Jemanden die Hand zu reichen war schon immer besser, als sich abzudrehen. Jeder Mensch benötigt im Laufe seines Lebens Hilfe. Ist es dann nicht besser, eine Hand gereicht zu bekommen? Ich sage, dass aus vollster Überzeugung, denn wer das Gefühl nicht kennt, wie wundervoll es ist, Dank in den Augen derer zu sehen denen man aus, welchen Gründen auch immer geholfen hat (es können auch Worte sein), der weiß auch nicht was es heißt zu lieben.

Ich habe gelesen, dass Sie zum muslimischen Glauben ĂĽbertraten. Wie sehen Sie das heute? Wie hat Ihre Familie reagiert?

Ich bin damals nicht aus religiöser Überzeugung zum Islam konvertiert, sondern aus Liebe. Ich musste es tun, sonst hätte man sie zwangsverheiratet und ich sie verloren. Als Heide ist es sowieso schwer an eine höhere Gewalt zu glauben, obwohl ich mir das sehr oft wünsche, ich wäre religiös aufgewachsen. Viele Ängste hätte ich sicherlich anders bewältigen können. Ich denke, dass jede Religion, wenn sie friedlich ausgelebt wird, seine Berechtigung in unserer Welt hat. Das gemeinsame Erlebte oder gelesene Wort würde sie alle zu Freunden machen. Wenn man sich in der Welt umsieht, dann ist doch eines klar: Niemand führt Kriege, um sein Gebiet zu erweitern so wie einst Hitler, dem Größenwahn verfallen, die Welt erobern wollte. Heute wird Krieg geführt, weil Rohstoffe knapp werden und jeder meint, sein Gott wäre besser. Die Welt ist verrückt geworden.

Nachdem das Thema derzeit in aller Munde ist, wie sehen Sie die derzeitigen Stimmungen in unserem Land?

Ich finde es traurig und erschreckend. Es wird Hass geschürt. Es wird propagiert. Menschen die über Flüchtlinge, negative Debatten halten haben sich nicht mit ihrer Situation befasst. Sie wissen weder warum diese Menschen fliehen und was sie antreibt, noch haben sie sich jemals mit dem Islam befasst. Immer und immer wieder dieselben Argumente, die für mich keine sind. Deutschland ist nicht deutsch. Deutschland ist ein weltoffenes, freundliches Land. Jeder der sich in unser Land integrieren will, sich an unsere Regeln und Gesetze hält, der muss Willkommen sein! Die meisten derer die bei „braunen" Demonstrationen in der ersten Reihe stehen haben keine Ahnung. Eine schnelle Integration ist nicht möglich, das sehe ich definitiv so. Aber wie auch? Stellen Sie sich einmal vor, sie müssen nach Marokko fliehen. Von heute auf morgen. Sie sprechen die Sprache nicht und müssen fortan dort leben. Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie dort nicht willkommen sind? Wenn man Sie beschimpft, verprügelt und loswerden will? Wo sollen Sie hin? Ihr Land ist teilweise komplett zerstört. Nein, hier läuft etwas verkehrt. Ich finde, jeder Einzelne hat die menschliche Verpflichtung anderen zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird. Wenn Sie einen Menschen sehen der immer wieder dasselbe erzählt wie z.B. „Die nehmen uns das Geld weg, den Job usw.", dann stellen Sie ihm nur zwei Fragen: „Was haben Ihnen persönlich die Flüchtlinge weggenommen, seitdem sie hier sind? Wie viel Geld haben Sie seitdem weniger in Ihrem Portemonnaie?
Die Antwort kennen wir alle.

Was wollen Sie den Lesern mit auf den Weg geben?

Ich finde, man sollte in so einer schweren Zeit wie jetzt andere Menschen nicht vergessen. Das Leben ist so viel einfacher. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich tue es. Es macht mich jeden Tag glĂĽcklich.
Der Band deutet auf einen zweiten Teil hin. Wann darf man den erwarten?
Nila ihre Geschichte ist noch nicht beendet. Ich werde aber nichts verraten. Ich setze mir da aber auch keinen Zeitplan. Nila muss ja erst einmal bei den Menschen ankommen.

Herzlichst bedanke ich mich fĂĽr die Worte von Mark David KrĂĽger. FĂĽr mich ging es nicht, darum politisch Bezug zu nehmen, sondern seine BeweggrĂĽnde zu erfahren. Einen neutralen Artikel zu verfassen und niemandem, vor allem dem Autor, keine Worte in den Mund zu legen.

Mark David KrĂĽger auf Facebook
Seine Website finden Sie hier.

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